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Easy Money - Spür die Angst
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Easy Money - Spür die Angst
Von Marian Petraitis
Wer nach international erfolgreichen Mehrteilerformaten Ausschau hält, kommt derzeit nicht an Skandinavien vorbei. Die grandiose dänische Thriller-Serie „Kommissarin Lund" etwa erlebt in den USA in der US-Adaption „The Killing" unter Kritikerjubel einen zweiten Frühling und die Verfilmung von Stieg Larssons Millenium-Triologie („Verblendung", „Verdammnis", „Vergebung") füllte nicht nur die Kinosääle Europas, sondern verhalf Hauptdarstellerin Noomi Rapace („Prometheus", „Sherlock Holmes 2") auch zum Sprung nach Amerika. Am stets nach potentiellen Franchises schielenden Hollywood ist dieser Trend nicht vorbeigegangen, immerhin arbeitet niemand Geringeres als David Fincher („The Social Network") mit Daniel Craig bereits am amerikanischen Remake der ersten Stieg-Larsson-Verfilmung. Eurothriller-Nachschub kommt nun mit Daniel Espinosas „Easy Money", dem ersten Teil eines als Trilogie geplanten Gangsterepos aus Schweden. Vorlage ist mit „Spür die Angst – Stockholm Crime" von Jens Lapidus einmal mehr ein skandinavischer Erfolgsroman. Herausgekommen ist ein exzellent gefilmter und dramaturgisch sauberer Genre-Beitrag, dem es gleichwohl an mutigen Story- und Figurenentwurf fehlt.

Student JW (Joel Kinnaman) möchte hoch hinaus. Der attraktive Aufsteiger bewegt sich zwischen Stockholmer Jetset und tristem Alltag, wo er als Taxifahrer sein Studium finanziert, ohne dass die gut betuchten Freunde etwas von seiner einfachen Herkunft ahnen. Als sich JW in die Freundin eines schwer reichen Bekannten verliebt, reicht das Taxifahren nicht mehr aus. Um seinen Lebenswandel finanzieren zu können, lässt sich JW auf zwielichtige Geschäfte mit einer arabischen Dealerbande ein und lernt dabei Jorge (Matias Padin) kennen, der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Doch genauso schnell wie das große Geld kommen auf JW und seine neuen Partner auch große Probleme zu: Die serbische Mafia ist einer lukrativen Drogenlieferung der Araber auf den Spur und setzt den brutalen Profi Mrado (Dragomir Mrsic) auf JWs und Jorges Gang an...

Daniél Espinosa erzählt sein Gangsterepos in einem Stockholm, das von Kameramann Aril Wretblad mit fahlen und kühl-blaustichigen Bildern zum urbanen Moloch umgedeutet wird. Die präzise Kameraarbeit trägt maßgeblich dazu bei, dass „Easy Money" als Thriller funktioniert: Dank taktvoll gesetzter Nahaufnahmen schmilzt die Distanz zu den Protagonisten dahin, die ruhelos durch enge und labyrinthische Räume hasten und dem totalen Kontrollverlust entgegentaumeln. So etwa, wenn Espinosa sein Publikum neben JW bei einem ekstatischen Techno-Gutshaus-Rave der oberen Zehntausend an den zuckenden Hedonisten entlangführt und kontrastierend die überfüllten, trostlosen Hochhaus-Einheitsirrgärten zeigt, in denen die Gangster leben. Zumindest, wenn sie sich gerade einmal nicht bekriegen. Vor der realistischen Bebilderung der Bandenkonflikte schreckt Espinosa nicht zurück, seine Kampfszenen zwischen den zunehmend physisch und psychisch versehrten Figuren werden immer blutrünstiger.

Während „Easy Money" auf visueller Ebene packend und stimmig wirkt, ernüchtern die etwas einfallslosen Handlungs- und Figurenentwürfe, gerade bei einem derart auf Realismus getrimmten Szenario. Nein, die nächste „Verblendung" hat Espinosa hier nicht geschaffen. Streng spielt er nach den Genreregeln und vollzieht mit JW die klassische Geschichte von Aufstieg und Fall eines Underdogs nach, wie sie mit anderen Gesichtern bereits gefühlt unzählige Male zu sehen war. Als zunächst aalglatter Finanzberater des Untergrunds gelingt ihm der Aufstieg und schließlich auch die Eroberung der High-Society-Schönheit, bis ihm die Zügel im skrupellosen Drogengeschäft zunehmend entgleiten. Währenddessen entdecken die alten Hasen Jorge und Mrado kurz vor dem ersehnten Absprung ihre moralische Integrität wieder und müssen sich entscheiden, ob sie das brutale Gangsterleben als Gewinner verlassen wollen oder sich ihrer (familiären) Verantwortung stellen.

Larsson und seine Verfilmer Niels Arden Oplev („Verblendung") und Daniel Alfredson („Verdammnis", „Vergebung") haben mit Lisbeth Salander Seherwartungen unterlaufen und eine vielschichtige Figur geschaffen, die sich dem Publikum erst langsam erschließt – dagegen kommt „Easy Money" mit seinen Genre-Stereotypen nicht an, da können auch die beherzt agierenden Hauptdarsteller nichts kaschieren. Zwar bringt Espinosa JW, Jorge und Mrado ohne Längen durch die dramaturgisch stringente Gangsterstory – so sauber sein Timing jedoch ist, so vollkommen vorhersehbar läuft die Erzählung ab. In Schweden ist „Easy Money" trotzdem längst zum Kassenschlager avanciert. Ob der konventionellen Hochglanz-Produktion international der gleiche Erfolg wie Lisbeth und Co. beschert sein wird, muss bezweifelt werden. Das hat Warner Bros. freilich nicht davon abgehalten, schleunigst nach den Remake-Rechten zu greifen. Im Gespräch für die Hauptrolle ist übrigens „High School Musical"-Jüngling Zac Efron - ganz genau... wer braucht da noch Fincher und Craig?
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