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Max Schmeling - Eine deutsche Legende
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Max Schmeling - Eine deutsche Legende
Von Christoph Petersen
Die Boxer-Biographie „Max Schmeling" bedeutet für den Filmemacher Uwe Boll auch so etwas wie einen Neuanfang. Gerade für seine Computerspiel-Verfilmungen wie „Alone in the dark", „Schwerter des Königs" oder „Far Cry" musste der Regisseur in den vergangenen Jahren von fast allen Kritikern und großen Teilen des Publikums immer wieder so heftige Prügel einstecken, dass er sich nun nach „Darfur" an einem weiteren ambitionierteren Projekt versucht, um seine Kritiker doch noch von sich zu überzeugen. Leider hat sich dieses Vorhaben aber bereits mit der Besetzung des Protagonisten schon wieder erledigt. Denn auch wenn man Henry Maske abnimmt, dass er in die Rolle seines Freundes Max Schmeling (1905 - 2005) viel Herzblut mit eingebracht hat, bleibt die Casting-Entscheidung ein Marketing-Gag, der den Film vollständig zerstört. Weitere Schwächen, wie die plakative Abhandlung des Nationalsozialismus und ein abseits der Boxszenen einfallsloser Inszenierungsstil, fallen da kaum noch erschwerend ins Gewicht.

Kreta gegen Ende des Zweiten Weltkriegs: Die deutsche Wehrmacht hat den Soldaten Max Schmeling (Henry Maske) auf die griechische Insel geschickt, nachdem sich dieser nicht für die Zwecke des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten (Arved Birnbaum) einspannen lassen wollte. Obwohl Schmeling am Bein verletzt ist, bekommt er von seinem Vorgesetzten den Auftrag, einen englischen Kriegsgefangenen zu überführen. Im Laufe des Zweitagesmarsches kommen sich die beiden immer näher, bis Schmeling damit beginnt, seinem Gefangenen seine Lebensgeschichte zu erzählen - von seinem ersten WM-Kampf gegen Jack Sharkey (Enad Licina) 1930 in New York über seine Liebe zur tschechisch-stämmigen Schauspielerin Anny Ondra (Susanne Wuest, „Carlos - Der Schakal") bis zur Niederlage im Rückkampf gegen Joe Lewis (Yoan Pablo Hernández) 1936, die Schmeling bei den Spitzen der Nazi-Führung endgültig in Verruf brachte...

Henry Maske kannte Max Schmeling persönlich und es ist in jedem seiner Interviews zu dem Thema deutlich herauszuhören, wie sehr er den deutschen Jahrhundertsportler schätzte. Deshalb ist es verständlich, dass der ehemalige Halbschwergewichts-Weltmeister sein Mitwirken in „Max Schmeling" als große Ehre begreift und nur allzu gerne zugesagt hat. Doch retrospektiv hat Henry Maske seinem Idol einen Bärendienst erwiesen. Während die ausgebildeten Schauspieler (vor allem Heino Ferch als Schmelings Trainer Max Machon) um ihn herum noch das Beste aus ihren hölzernen Dialogzeilen herausholen, mutet der Hauptdarsteller in jeder Spielszene wie ein Fremdkörper an. Es wirkt verkrampft und erreicht lediglich in den Boxszenen eine gewisse Natürlichkeit. Zudem hat er offenbar gar nicht erst versucht, seinen Dialekt unter Kontrolle zu bekommen, was immer wieder für eine gehörige Portion unfreiwillige Komik sorgt - und so jeden Anflug von Atmosphäre im Keim erstickt. Letztlich erinnert Max Schmeling im Film, in dem er auf jede Schreckenstat der Nazis mit einem Spruch der Marke „Wird schon alles wieder gut!" reagiert, auch gar nicht wie ein Held, sondern eher wie ein hoffnungsloser Naivling.

Uwe Boll wollte von „Der Clown"-Autor Timo Berndt ein Biopic über den Boxer Max Schmeling - und ein solches ist „Max Schmeling" nun auch geworden. Allerdings fehlt es an umspannenden Ideen, die auch mal in die Tiefe gehen und den Menschen Max Schmeling ausleuchten. Stattdessen bleibt es bei einer bloßen Nacherzählung der bedeutendsten Stationen - die Ereignisse werden weder in einen größeren Kontext gesetzt noch untereinander dramaturgisch stimmig verbunden. Die Folge ist eine allzu episodenhafte Struktur, die kaum einmal längere Spannungsbögen erlaubt. Der Film lässt sein Publikum absolut kalt, ein Mitfiebern ist praktisch unmöglich. Auch was die Einwebung des nationalsozialistischen Hintergrunds angeht, mangelt es an neuen Ideen. Stattdessen gibt es einmal mehr dieselben Bilder, wie man sie praktisch in jeder biederen WW2-Produktion vorgesetzt bekommt - auch wenn Adolf Hitler erfrischenderweise keinen Auftritt absolviert (dafür kommt aber der zuletzt eh schon überrepräsentierte Propagandaminister Joseph Goebbels - gespielt von Rolf Peter Kahl - auch hier kurz zu seinem Recht).

Womit Amateur-Boxer Uwe Boll aber zumindest die Boxfans unter den Kinobesuchern überzeugen dürfte, sind die Szenen im Ring. Anstatt die Kämpfe in „Rocky"-Manier zu deftigen Prügelorgien ausarten zu lassen, sind die Fights in „Max Schmeling" auch dank des Mitwirkens von Boxprofis wie Yoan Pablo Hernández (als Joe Louis) oder Arthur Abraham (als Richard Vogt) sehr natürlich in Szene gesetzt. Hier muss sich kein Sportexperte darüber aufregen, dass Rocky Balboa auch nach der 25. durchgezogenen Geraden in Folge noch immer nicht K.O. gegangen ist.

Fazit: In ihren stärkeren Momenten lässt die Sportler-Biographie „Max Schmeling" ihr Publikum kalt, in ihren schwächeren ist sie einfach nur unfreiwillig komisch.
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