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Der Mafiaboss
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Der Mafiaboss
Von Björn Becher
Fernando Di Leo ist quasi das italienische Pendant zu Don Siegel (Dirty Harry, Der große Coup) – eben ein Regisseur, dem stets die ganz große Reputation verwehrt blieb, der aber ein exzellenter Handwerker war und sich als Spezialist für harte Thriller profilierte. An der Spitze seines Schaffens steht seine „Milieu“-Trilogie, die er Anfang der Siebziger in nur zwei Jahren komplettierte: drei Filme, die im italienischen Gangstermilieu spielen, nicht zusammen hängen, aber deutliche Parallelen aufweisen. Mit „Milano Kaliber 9“ und „Der Teufel führt Regie“ schuf er dabei zwei Meisterwerke, die zu den besten europäischen Thrillern jener Epoche gehören. Nur minimal schwächer ist der mittlere Teil der Reihe: „Der Mafiaboss“, ein mit simpler Story, aber viel Action, Brutalität und Hochspannung ausgestatteter Thriller, der zudem mit einem glänzenden Mario Adorf in der Hauptrolle aufwartet.

Eine Menge Kokain ist verschwunden. Die New Yorker Mafia und ihr Boss Corso (Cyril Cusack, Harold And Maude) ist darüber alles andere als erfreut. Der Mailänder Ganove Luca Canali (Mario Adorf) soll den Stoff angeblich gestohlen haben. Also schickt Corso seine beiden Killer Dave Catania (Henry Silva) und Frank Webster (Woody Strode) über den Teich, um aufzuräumen. Auch der Mailänder Mafiaboss Don Vito Tressoldi (Adolfo Celi) befiehlt seinen Leuten, Canali zu schnappen. Doch der Gejagte ist in Wahrheit ein kleines Licht, ein Zuhälter, der zu seinen Nutten trotz gelegentlicher Differenzen ein fast familiäres Verhältnis pflegt und noch nie in seinem Leben etwas gestohlen hat. Als Canali Tressoldis Männern entkommt, setzt dieser ein Kopfgeld aus und schon bald ist ganz Mailand hinter dem Zuhälter her. Als die Mafia-Schergen seine Frau (Sylva Koscina, Heiße Katzen) und seine kleine Tochter (Lara Wendel, „Tenebre“) töten, sieht Canali Rot und holt zum Gegenschlag aus…

„Der Mafiaboss“ (deutscher Untertitel: „Sie töten wie Schakale") ist selbst für die Verhältnisse von Fernando Di Leo ungemein schnörkellos inszeniert. Bereits in der ersten Sekunde bekommt der Zuschauer mitgeteilt, um was es geht. Die beiden Killer bekommen den Auftrag, in Mailand aufzuräumen und Canali kalt zu stellen. Nach rund fünf Minuten kommt dann der Vorspann, bevor die Hatz ihren endgültigen Lauf nimmt. Warum ausgerechnet Canali als Sündenbock herhalten muss und wer wirklich hinter dem Kokainklau steckt, ist lange Zeit zweitrangig und wird erst kurz vor Schluss nebenbei kurz aufgelöst. Der Plot ist für Di Leo eher sekundär. Er dient ihm nur dazu, aufzuzeigen, wie ein Unschuldiger immer weiter in die Ecke gedrängt wird und in einer Welt, in der die Mafia das Sagen hat, dazu gezwungen wird, deren brutalen Spielchen mitzuspielen.

Dieses Handlungsgerüst bildet die Grundlage für harte Actionszenen und Verfolgungsjagden, aber auch für Momente emotionaler Verzweiflung und Humor. Da der Film in den Siebzigern spielt, schwenkt immer auch ein bisschen – politischer (Che Guevara hängt neben John F. Kennedy an der Wand) und sexueller - Revolutionsgeist mit. Dem Zeitgeist und der Härte des italienischen Polizei- und Gangsterfilms entsprechend, nimmt Di Leo wenig Rücksicht. Es wird ohne Gnade geprügelt, gefoltert und gemordet. Da die Handlung phasenweise im Prostituiertenmilieu spielt, räkeln sich außerdem im Hintergrund immer wieder schöne Damen in lasziven Posen - zumindest wenn die ungekürzte Fassung ohne FSK-Freigabe im DVD-Player steckt. Die deutsche Kinoversion, die FSK-16-DVD-Versionen sowie alle TV-Versionen sind hingegen heftigst (teilweise mehr als 15 Minuten) gekürzt. Ihnen fehlen nicht nur Gewaltszenen und zu deutliche Blicke auf die nackten Damen, sondern auch einige Dialogszenen, die die Charaktere stärker ausleuchten und eigentlich elementar für die Handlung sind.

Wie bei allen Werken seiner Mafia-Milieu-Reihe bietet Di Leo auch in „Der Mafiaboss“ hervorragende Darsteller auf, darunter einige der bekanntesten Gesichter des Genres. In der Hauptrolle brilliert Mario Adorf, der seine Rolle als auf sein Aussehen bedachter, leicht schleimiger Zuhälter mit außerordentlicher Körperpräsenz spielt. Seine von Hass und Wut entstellte Fratze, als er den Mörder von Frau und Kind auf einer Eisenstange spießt, ist ein Highlight für sich. Die Killer mimen - streckenweise in bester Buddy-Manier - mit Henry Silva und Gaststar Woody Strode (Spartacus, Keoma) zwei erfahrene Recken. Hier bringt Di Leo eine ordentliche Prise Humor in seinen ansonsten knallharten Thriller. Während der extrovertierte Dave immer wieder vergeblich versucht, die Arbeit mit amourösem Vergnügen zu verbinden, aber sogar bei den Nutten abblitzt, fahren die Frauen auf den muskulösen, von Strode schweigsam und introvertiert gespielten zweiten Killer voll ab. Dabei überrascht das Aussehen von Strode. Der ehemalige Athlet ließ sich für den Film extra die Haare wachsen und ist ausnahmsweise mal nicht mit Glatze zu sehen. Ex-Bond-Bösewicht Adolfo Celi (Feuerball) mimt den intriganten Mailänder Mafiaboss und zahlreiche wunderschöne italienische Kinosternchen jener Zeit (u.a. Luciana Paluzzi und Femi Benussi, Hatchet For The Honeymoon) sorgen für zusätzliche optische Glanzlichter. In einer Nebenrolle als einer von Tressoldis Männern ist außerdem der deutsche Charakterdarsteller und Schriftsteller Peter Berling (Gangs Of New York, Fitzcarraldo, Aguirre, der Zorn Gottes) zu sehen.

Fazit: „Der Mafiaboss“ punktet mit dem, was im modernen Action/Thriller-Kino oft zu kurz kommt. Fernab von jeglichem Overkill gibt es direkte und harte Action verknüpft mit Hochspannung. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind bei Di Leo klar gezogen, die Handlungen der Akteure direkt und zielgerichtet. Ein Film, der unglaublich Spaß macht, obwohl oder gerade weil er so roh und sein Plot so einfach ist.
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