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    Minotaurus
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Minotaurus
    Von Björn Becher
    Wer von dem mit internationalen Geldern finanzierten (ja, auch die deutsche Filmförderung leistete ihren Beitrag) „Minotaurus“, der zweiten Regiearbeit von Jonathan English, eine Verfilmung der bekannten griechischen Mythensage erwartet, braucht sich den Film erst gar nicht antun. Auch wenn English und seine Drehbuchautoren Nick Green sowie Stephen McDool hin und wieder mal einzelne Elemente aus der Vorlage aufgreifen, wird diese so verfremdet, dass nicht viel davon übrig bleibt. Ein solches Ergebnis war sicher auch nicht ihr Ziel, scheinen sie es doch eindeutig auf ein Unterhaltungswerk, einen etwas anderen Slasherfilm, angelegt zu haben. Doch leider erweist sich „Minotaurus“ nach noch halbwegs passablem Beginn auch in dieser Hinsicht als Totalflop. Zu schwer wiegen das mangelnde Talent der Darsteller, die ärmliche Ausstattung und vor allem die Einfallslosigkeit des Drehbuchs.

    Der Storyansatz ist bei weitem nicht neu, hat aber schon für gelungene Slasher- und Horrorkost gesorgt. Eine Gruppe junger Männer und Frauen findet sich in einem Labyrinth wieder, in welchem statt einem geistesgestörten Killer der Minotaur sein Unwesen treibt und am liebsten Menschenfleisch verspeist. Im Gegensatz zum Mythos ist der nicht halb Mensch, halb Stier, sondern einfach ein riesengroßer Stier mit zotteligem Fell und ein paar Beinen zu viel. Wie es sich für das Slashergenre gehört, wird bald einer nach dem anderen zum Opfer des Riesenstieres. Wie die Menschen dahin kamen, erzählt die halbwegs annehmbare erste halbe Stunde des Films. Jedes Jahr müssen dem Minotaur ein paar junge Menschen geopfert werden. Ein Dorf, welches sich in der Vergangenheit eine Verfehlung geleistet hat, dient dabei als Speisekammer. Nur Theo (Tom Hardy), Sohn des Anführers (Rutger Hauer), wird jedes Jahr von seinem Vater versteckt, damit er nicht zu den „Auserwählten“ gehört. Doch da ihm eine alte Aussätzige sagt, dass seine Geliebte, die letztes Jahr geholt wurde, noch lebt, mischt er sich in diesem Jahr unter die Gefangenen, um seine Liebe zu retten. Nachdem er beinahe noch eine Liebesnacht mit der Schwester (Michelle Van Der Water) des für die Opferungen zuständigen Hohepriesters (Tony Todd) bekommen hätte, ist er schließlich mit seinen Leidensgenossen in jenem Labyrinth und darf dort um sein Leben rennen.

    Dass der Killer in solch einer Story nicht immer ein Mensch sein muss, wissen wir spätestens seit Ridley Scotts Klassiker Alien. Dort entsteht eine unglaubliche Spannung, wenn die potentiellen Opfer durch die engen Gänge des Raumschiffs schleichen und hinter jeder Ecke das todbringende Monster lauern könnte. Gut, es wäre sicher unfair, „Minotaurus“ mit Alien zu messen, aber selbst ohne diesen Vergleich, kann man nur zu einem Schluss kommen: Eine ähnliche Spannungserzeugung gelingt dem faden B-Movie zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise. Sobald die Protagonisten in dem Labyrinth gelandet sind, besteht die Szenerie eigentlich fast nur aus Schreien, Wegrennen, lautem Stampfen des Riesenstiers Hören, Aufgespießt werden, Schreien, Wegrennen, lautem… Das wird schnell so langweilig, dass „Minotaurus“ Chancen hätte, in einer Apotheke gegen Schlafstörungen verschrieben zu werden, wenn es nicht immer wieder die lauten Schreie gäbe.

    Das Aufkommen jeglicher Atmosphäre verhindert die schlechte Ausstattung. Wer sich an die griechische Mythologie erinnert, weiß, dass das Labyrinth dort von Daidalos gebaut wurde. Hier hat sich wahrscheinlich eher eine Kindergartengruppe einen Nachmittag lang mit viel Pappmaschee daran versuchen dürfen. Von einem Labyrinth ist dann auch nicht viel zu sehen, stattdessen sind nur stinknormale (extrem billig aussehende) Höhlengänge zu erkennen, bei denen man sich fragt, warum der Minotaur erst im Finale mit dem Kopf gegen die Wände rennt. Zum Glück scheint man auch die Zahl seiner Opfer über die Jahre streng limitiert zu haben, denn ein paar Pfund mehr auf seinen Rippen und es käme zu einer Verstopfung der Gänge. Dann wäre der Film wohl noch langweiliger geworden. Für die „spektakulären Computereffekte“ (Cover-Werbung) war angeblich die Special-Effects-Crew von „Herr der Ringe“, Die Mumie, „Harry Potter“ und Jeepers Creepers zuständig und ja, die Effekte sind teilweise noch ganz ordentlich. Wenn der Minotaur aber erst einmal richtig in Bewegung kommt, dann wird zum Glück schnell um geschnitten. Wenn man einige Bilder nämlich länger sehen würde, könnte dies den Ruf der an den Effekten Beteiligten nachhaltig schädigen.

    Die Schwächen setzen sich bei der Betrachtung der Schauspielerriege fort. Hauptdarsteller Tom Hardy konnte als Picard-Klon in Star Trek - Nemesis noch durchaus überzeugen. Hier wurde er wahrscheinlich nur ausgewählt, weil man ihm optisch eine gewisse Ähnlichkeit zu „Herr der Ringe“-Aragon Viggo Mortensen nicht absprechen kann (und so was macht sich auf den Filmplakaten und DVD-Covern dieser Welt ja immer ganz gut – Stichwort: Assoziationen). Er besitzt hier aber keinen Funken Charisma, was es dringend bräuchte, wenn man ihm die Helden- und Leaderrolle abnehmen soll. Allerdings kann man ihm ohne Bedenken das Kompliment machen, dass er andere Castmitglieder noch weit hinter sich lässt. Das gnadenlose Overacting von „Candyman“ Tony Todd (Final Destination, Final Destination 2) geht nicht einmal mehr als Parodie seiner Hohepriesterrolle durch. Da ist der grotesk gezeichnete und ins Lächerliche karikierte Indianer-Schamane im Zeichentrick-Abenteuer „Asterix erobert Amerika“ Furcht einflößender. In einer kleinen Nebenrolle kann man zu Beginn noch Rutger Hauer sehen, der trotz einiger kleinere Auftritte in A-Produktionen wie Batman Begins oder Sin City in jüngerer Vergangenheit längst hauptsächlich nur noch dort aktiv ist, wo er die meisten Rollen seit seinem Wechseln von den Niederlanden nach Amerika ergattern konnte: in irgendwelcher Billig-Direct-To-Video-Ware, die keinen mehr vom Sockel haut... Filme, wie „Minotaurus“, der eindrucksvoll untermauert, wie fragwürdig das Verteilen von Geldern durch die deutsche Filmförderung sein kann.
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