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    University Of Laughs
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    University Of Laughs
    Von Björn Becher

    Ein karger Raum, in dem sich neben einer Sitzgelegenheit in der Ecke im Wesentlichen nur ein Schreibtisch befindet, hinter und vor dem jeweils ein Stuhl steht. Das ist der Ort, an dem Mamoru Hosis „University Of Laughs“, einer der Kassenschlager 2004 in Japan, über weite Stecken spielt. Er ist ein Szenario, wie bei einem Bühnenstück, und so verwundert es auch nicht, dass die Vorlage ein eben solches ist. Auf Basis des 1996 entstandenen und in Japan sehr populären gleichnamigen Theaterstücks von Koki Mitani schrieb der Autor selbst das Drehbuch. Bühnenstück-Adaptionen, die zudem noch über weite Strecken die Einheit des Ortes wahren, müssen sich oft den Vorwurf des „abgefilmten Theaters“ gefallen lassen, doch selten wäre der so verfehlt wie hier. Ebenso selten gab es auch einen besseren Beweis dafür, dass eine großartige Komödie nicht viel mehr als einen Raum, zwei erstklassige Darsteller und gute Ideen braucht.

    „University Of Laughs“ erzählt vom immerwährenden Konflikt in totalitären Staaten zwischen Künstler und Zensur. Im Japan des Jahres 1940 muss sich der junge Komödienautor Hajime Tsubaki (Goro Inagaki, „Parasite Eve“) mit dem unerbittlichen staatlichen Zensor Mutsuo Sakisaka (Koji Yakusho, Die Geisha) auseinandersetzen. Dieser hat nach eigener Aussage noch nie gelacht und würde am liebsten alle Komödien verbieten. Da seine Befugnisse soweit nicht reichen, macht er den Autoren mit harten Auflagen das Leben schwer. Auch an Tsubakis neuestem Stück, der Shakespeare-Parodie „Romilet and Julio“ hat er einiges auszusetzen. So kommt es täglich zum gleichen Spiel: Der Autor wird mit seinem Stück beim Zensor vorstellig, der echauffiert sich über den Inhalt, macht Auflagen für Änderungen (keine Küsse, Entfernen von autoritätskritischen Szenen), die der Autor über Nacht auf ganz eigene Weise befolgt. Denn er setzt die Änderungswünsche nicht Wort für Wort um, sondern lässt sich auf deren Basis neue komische Szenen einfallen. So wird sein Stück immer schärfer, amüsanter und besser…

    Obwohl der Film fast nur in diesem einen, recht kargen Raum spielt, hat man nie das Gefühl, dass der Film statisch ist. Ganz im Gegenteil, anscheinend ist immer etwas in Bewegung. Dieser Eindruck wird durch kurze Ausflüge auf den Gang, wo ein alter Wächter gelangweilt auf seinem Stuhl sitzt, oder ins Theater, surreale Szenen mit Hitler und Churchill und vor allem durch die beiden Hauptdarsteller erreicht. Diese liefern sich ein großartiges Duell, beschießen sich mit Wörtern, Mimik und Gestik, so dass man sich unweigerlich an Leinwandduos wie Stan Laurel und Oliver Hardy oder Walter Matthau und Jack Lemmon erinnert fühlt.

    Die Castingabteilung hat dabei brillante Arbeit geleistet. Nach dem Anschauen des Films ist man so wie selten davon überzeugt, mit Goro Inagaki und Koji Yakusho die perfekten Darsteller für die jeweilige Rolle gesehen zu haben. Vor allem Yakusho offenbart trotz langer Zeit sehr stoischer Mimik ein riesiges komisches Talent. Es ist neben dem Drehbuch mit sein Verdienst, dass die Rolle des Zensors recht sympathisch angelegt ist. Mit einem unsympathischen Charakter würde der Witz des Films nicht funktionieren, denn dieser zehrt sehr davon, dass der Zensor immer begeisterter von dem Stück wird und schließlich zum zweiten Gag-Schreiber mutiert. Auf diese Wandelung muss der Zuschauer langsam vorbereitet werden.

    Regisseur Mamoru Hosi, bisher weltweit nur durch seine Inszenierung eines (sehr hoch gelobten) Viertels des Episodenfilms „Tales Of The Unusual“ aufgefallen, bestätigt den guten Ruf, den er in Japan aufgrund einiger TV-Arbeiten genießt, und liefert mit seinem in der Heimat heiß erwarteten ersten Kinofilm eine Filmperle ab. Seine Inszenierung hat einen großen Anteil an der Klasse des Films. Nicht nur seine Auflockerung durch die schon angesprochenen surrealen Szenen sind wichtig für den Film, es ist vor allem das Spiel von Kameraarbeit, Schnitten und Musik, allesamt nie aufdringlich eingesetzt, aber immer die Stimmung untermalend und transportierend.

    Autor Koki Mitani hat für sein preisgekröntes Bühnenstück das Leben von Sakae Kikuya als Vorlage genommen. Kikuya war vor und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges der Autor für den bekanntesten japanischen Komiker und legte sich mit seinem Kampf für das Recht auf Lachen mit der einheimischen Zensur an. Er wurde daraufhin zur Armee beordert und starb im Krieg. Mitani bezeichnet Kikuya als seine größte Inspiration und sein Vorbild, widmet ihm daher das Stück, welches auch zugleich ein eindrucksvolles Plädoyer für die Sache ist, für welche Kikuya am meisten gekämpft hat: das Recht auf Humor, auch bzw. gerade in schwierigen Zeiten! Obwohl Mitani selbst ein erfolgreicher Regisseur ist (unter anderem bei der Berlinale 1998 ausgezeichnet für sein Regiedebüt „Radio-Zeit“) verzichtete er hier auf den Posten. Er wollte nach eigener Aussage noch eine zweite Sichtweise auf die Geschichte und weitere Ideen, die dafür sorgen sollten, dass der Film keine bloße Wiederholung des Theaterstücks ist, sondern eine Adaption, die ein neues, eigenständiges Werk ergibt. Dies erweist sich genauso als Glücksfall wie seine Hartnäckigkeit, auf Hosi als Regisseur zu bestehen und das Projekt erst zu realisieren, nachdem das Studio dies und eine völlig freie Hand für Hosi und Mitani bei Darstellerwahl und Umsetzung akzeptiert hatte.

    Beim japanischen Filmfestival Nippon Connection 2006 in Frankfurt kam das Publikum kaum aus dem Lachen heraus und vergab schließlich auch den Nippon Cinema Award an „University Of Laughs“. Die gekonnte Mischung aus Situationskomik und Wortspielen (die glücklicherweise in den englischen Untertiteln funktionierten) ist sicher der Hauptlachgarant. Dass „University Of Laughs“ nicht nur eine große Komödie ist, sondern auch die Bezeichnung „großer Film“ verdient hat, ist aber einem anderen Umstand geschuldet. Im Finale, wenn der Zweite Weltkrieg sozusagen vor der Tür steht und endgültig Auswirkungen für einen der Protagonisten hat, wird der Witz etwas herausgenommen und die Geschichte bekommt einen etwas ernsteren Ton. Dabei geht trotzdem nie die Leichtigkeit verloren. Das macht „University Of Laughs“ zu einem kleinen Juwel, einem wunderbaren Beweis für die Kraft eines guten Drehbuchs und guter Darstellerleistungen.

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