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Resident Evil 6: The Final Chapter
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Resident Evil 6: The Final Chapter
Von
„Mein ganzes Leben besteht aus Weglaufen und Töten“, seufzt die Heldin Alice in „Resident Evil: The Final Chapter“ während einer klitzekleinen Verschnaufpause - und ihre Worte lassen sich in diesem Moment durchaus auch als augenzwinkernde Beschreibung der gesamten Zombie-Action-Reihe verstehen, die mit dem sechsten Film nun fast 15 Jahre nach dem Auftakt im März 2002 in ihr (vorgeblich) letztes Kapitel geht. Ermüdungserscheinungen sind trotzdem weder bei Hauptdarstellerin Milla Jovovich („Das fünfte Element“) noch bei Regisseur Paul W.S. Anderson („Event Horizon“, „Die drei Musketiere“) auszumachen. Einmal mehr geben sie Vollgas und veranstalten eine rasante Hetzjagd zwischen zähnefletschenden Mutanten, fiesen Konzerntypen mit Weltherrschaftsallüren und den wenigen anderen überlebenden Menschen. Allerdings hebt sich das Apokalypse-Szenario nach dem wieder einmal fulminanten Auftakt trotz beeindruckender Bilder lange Zeit kaum einmal vom Genreschema F ab. Erst als die Protagonisten dorthin zurückkommen, wo in „Resident Evil“ einst alles begann, findet Anderson wieder zu seiner Form und bringt seine Saga mit einigen brillanten Einzelmomenten sowie einer Handvoll clever-verspielter Ideen zu einem zufriedenstellenden Ende.    

Die mächtige Umbrella-Corporation unter Führung des machtgierigen Dr. Alexander Isaacs (Iain Glen) und seines willigen Handlangers Albert Wesker (Shawn Roberts) hat dafür gesorgt, dass das heimtückische T-Virus fast die gesamte Erdbevölkerung in sabbernde Zombies verwandelt hat. Auch Washington D.C. liegt nach einer verheerenden Untoten-Attacke in Schutt und Asche. Von denjenigen, die sich dort gegen die Monster gestellt haben, lebt niemand mehr – bis auf Alice (Milla Jovovich). Sie erfährt, dass es ein Antivirus gibt, das die apokalyptische Seuche stoppen kann, doch die einzige Ampulle mit dem Mittel befindet sich Hunderte Kilometer entfernt unter strenger Bewachung in der unterirdischen Umbrella-Zentrale in Racoon City. Der Frau mit der rätselhaften Vergangenheit bleiben nur 48 Stunden, um das Gegenmittel zu erbeuten und freizusetzen…



Wie schon in den vergangenen Filmen sind die inhaltlichen Verbindungen zu Capcoms „Resident Evil“-Videospielreihe, die ihre Grund- und Vorlage bilden, auch diesmal nicht allzu eng. Trotzdem gibt es natürlich allerlei Verweise und auch einige Zutaten des zeitgleich zu „The Final Chapter“ erscheinenden First-Person-Shooters „Resident Evil 7: Biohazard“ sind hier zu entdecken. Aber Regisseur und Autor Paul W.S. Anderson hat mit seinen Realfilmen längst eine eigene Kino-Parallelwelt geschaffen und verknüpft die erzählerischen Fäden gleich zu Beginn auf gewohnt verschmitzte Weise: Aus dem Off lässt er von Alice die Vorgeschichte des immanenten Weltenendes erzählen, schlägt den Bogen zurück bis vor den Anfang der Filmreihe, gibt Details aus der Vergangenheit seiner Hauptfigur preis, bereitet dabei die spätere Lösung ihres Identitätskonflikts vor und verschafft gleichzeitig „Resident Evil“-Neueinsteigern und –Gelegenheitsguckern Orientierung. Dabei erzählt er in dieser kompakten erklärenden Sequenz zugleich ein in einen empörenden Verrat mündendes Familiendrama, etabliert die Grundmotive Gier und religiöse Verblendung – und sorgt mit einer brillanten Seilbahnszene für einen ersten Adrenalinschub.

An die denkwürdigen Auftakte von „Resident Evil: Afterlife“ und „Resident Evil: Retribution“ kommt Paul W.S. Anderson damit zwar nicht ganz heran, aber wenn er uns in einem Panorama von trostloser Schönheit die Ruinen von Washington und seiner politischen Symbole zeigt, dann hat das Fantasy-Szenario für einen Moment etwas beklemmend Reales und Aktuelles. Schon bei anderen „Resident Evil“-Filmen (insbesondere beim fünften Teil) ging es unter der spaßigen Oberfläche von Kick-Ass-Action sowie mehr oder weniger coolen Sprüchen auch darum, existenzielle Empfindungen in Bilder und Bewegung zu fassen - das diesbezügliche Versprechen des Beginns löst der Regisseur hier aber erst am Ende ein. Bevor die Einstellung der verwüsteten Hauptstadt am Schluss ihre ikonisch überhöhte Entsprechung findet, lässt er es erst einmal ordentlich krachen. Am Anfang muss Alice durch apokalyptische Ödnis nach Racoon City gelangen und trifft dabei alsbald auf den Umbrella-Lenker Dr. Isaacs (mit Vergnügen am Wahnsinn: Iain Glen) in einem festungsartigen Panzer mit einer riesigen Horde Zombies im Schlepptau. Es kommt zu allerlei Kämpfen und Scharmützeln, die allerdings durch die unruhige Kamera und die teils sehr hohe Schnittfrequenz etwas Gleichförmiges bekommen.

Anderson nutzt hier weniger als in seinen anderen 3D-Filmen (neben „Resident Evil 4 und 5“ gehören dazu auch „Die drei Musketiere“ und „Pompeii 3D“) die Möglichkeiten der Stereoskopie und setzt statt auf genüssliche Zeitlupen und fliegende Körper meist lieber auf kleinteiligen Nahkampf. Dabei geht zuweilen die Übersicht verloren und „The Final Chapter“ wird stellenweise zu einem arg durchschnittlichen Dystopie-Spektakel. So kommt es etwa zu einer Belagerungssequenz, bei der Alice neue und alte Mitstreiter (wieder)findet, aber sowohl das benzingetränkte Gemetzel selbst als auch die Figurenzeichnung (doppeltes Spiel und kindische Konflikte inklusive) genügen kaum höheren Ansprüchen. Clever ist dagegen wie der Regisseur immer wieder mit den Videospiel-Ursprüngen seiner Geschichte spielt, etwa wenn plötzlich ein Motorrad am Straßenrand steht, nur weil Alice das gerade gut brauchen kann. In einer der besten Szenen des Films spielt Alice zudem im Kopf verschiedene Handlungsmöglichkeiten durch und wir sehen dabei nicht nur den potentiellen Ablauf, sondern auch die prozentualen Erfolgsaussichten. Das ist einer der Höhepunkte des letzten Drittels, in dem Andersons Stärken insgesamt besser zur Geltung kommen: In den kalten, langen Gängen des Hive zelebriert er nicht nur eine einschneidende Hommage an die wohl berühmteste Szene des ersten Films, sondern er konfrontiert Alice und Isaacs buchstäblich mit sich selbst – hier finden Form und Inhalt, sinnlicher Reiz und tiefere Bedeutung noch einmal vorbildlich zusammen.

Fazit: Milla Jovovich in ihrer Paraderolle, jede Menge Monster, ein paar eindrückliche Apokalypse-Bilder und einige clevere Ideen - „Resident Evil: The Final Chapter“ ist ein solider Zombie-Action-Reißer und ein angemessener Abschluss der Filmreihe.
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Kommentare

  • Da HouseCat
    was, event horizon ist von anderson? der war damals für seine art mega spannend und schockierend. mag eh diese 90er art im kalten grau metallischen zukunfts look (wie die verhoefen filme).ps: hab bock auf den streifen.
  • Hans H.
    Der dritte Teil ist klasse.
  • Frank F.
    ???
  • Frank F.
    Irre oder? Event Horizon ist echt gut. Aber mit dieser Zombie Reihe wurde ich nie warm. Was wohl daran liegt, dass ich die Resident Evil Original Story so grandios finde und in den Verfilmungen nur ansatzweise wiedergefunden habe, wenn überhaupt.
  • greek freak
    Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. ;-) Fun Fact:Event Horizon,war in der ursprünglichen Version noch viel gruseliger,laut Anderson wurde die ganze "Höllen-Dimension" ausführlicher gezeigt.Leider hat das Studio,an den Film rumgeschnippelt und Anderson versucht vergeblich,seit über einer Dekade einen Director´s Cut rauszubringen,mit allen den geschnitten Szenen.
  • greek freak
    Um die Kollegen von RedLetterMedia zu zitieren:"ein Franchise das nur dazu dient,der Ehefrau,des Regisseurs einen Job zu besorgen." (das gilt auch für "Underworld") Aber hey,''F*ck me it's January!'' ;-)
  • Keptnfjutscha
    Vielleicht sollte man eine Art Ligensystem einführen, in das z.B. das Budjet, die Qualität von Darsteller, Regisseur, etc. und "Erwartung" mit einfließen und könnte die Vergabe der Sterne dann darauf beziehen und somit relativieren...Das könnte dann so aussehen, dass man z.B. sagt:BvS erhält in der Kategorie 1. Liga 2 oder 2,5 Sterne.Resident Evil 6 erhält in der Kategorie 2. oder 3. Liga 3 Sterne.Damit würde die Tendenz (und der Impuls), unwillkürlich Filme lanhand der Anzahl an Sternen miteinander zu vergleichen, relativiert. Denn oberflächlich betrachtet ist es schlicht ein Witz, wenn erstgenannter Film schlechter wegkommt als RE... Ich gehe davon aus, dass zumindest die Erwartung, aber auch die Kategorie an Schauspielern, keine allzu großen Erwartungen an den Film RE wecken im Vorfeld und es deshalb somit tatsächlich zu einer überdurchschnittlichen Wertung kommen kann...
  • Frank F.
    hast mich erwischt. dennoch, fand ich den plot besser. btw. spiele gerade die HD remastered version von RE und RE Zero auf der One S. Sieht klasse aus und lässt sich gut spielen.
  • Fain5
    Ich weiss noch wie abartig ich diese Visionen fand wo man gesehen hat wie der seinen Arm in den Rachen von der Frau gerammt hat (meine mich daran zu erinnern. Ja der Film ist sehr eigen.
  • Jimmy V.
    ...wobei Frau Beckinsale jetzt schon mehr und besseres gemacht hat als nur "Underworld". Bei RE stimmt das allerdings. ;)
  • Cinergie
    Tja, das Eheleben: Man besorgt sich und Jobs gibts auch noch ;-).
  • greek freak
    Auf die Gefahr hin,das ich wie der letzte Chauvinist klinge,aber unter uns,die Jovovich hat doch nur eine Schauspielkarriere,weil sie damals den Luc Besson gedated hat.Erinnert sich noch jemand,an diese "Joan d`Arc" Verfilmung,das war stellenweise sowas von unfreiwillig komisch,wie die Jovovich da über das Schlachtfeld,in voller Rittermontur,weit aufgerissenen Augen und am Rande des hysterischen Anfalls rumgallopierte.
  • Cinergie
    Böseböse ;-).Ich fand den Film jetzt nicht so schlecht, Jovovich ist zwar keine überragende Schauspielerin aber ich sehe sie recht gerne und sie hat eine gute Ausstrahlung. Die beste Rolle ist aber immer noch die als...Achtung Luft anhalten - "Leeloo Minai Lekatariba-Lamina-Tchai Ekbat De Sebat" in "Das fünfte Element" - überhaupt der ganze Film ein irrer, abgefahrerner Knaller.Von der Resident-Evil-Reihe bin ich halt enttäuscht, weil ich die Franchise von den Games her kenne und was über die Leinwand flimmert ist nicht "mein" Resident Evil (die Filme kommen Teil 6 noch am nächsten).
  • greek freak
    Am schlechtesten fand ich sie als Lady DeWinter,in dieser lächerlichen Steampunk Version der 3 Musketiere,die ihr Göttergatte verbrochen hat.Mit diesen komischen Flugschiffen und Christoph Waltz,als Kardinal Richelieu,der seine Rolle im Autopilot runterspielt.(musste wahrscheinlich ein paar Rechnungen für sein Haus abbezahlen.) Eigentlich ist Lady DeWinter ja eine Femme Fatale,verführerisch und undurchsichtig.Und die kann das überhaupt nicht rüberbringen,man merkt sofort,das sie Rolle hat weil ihr Mann,Regie führt.Es ist sowas von peinlich.
  • BobRoss
    Hab als Teenager immer versucht die Höllensequenzen zu pausieren weil sie so schnell geschnitten waren. Auf VHS gar nicht so einfach :P
  • Cinergie
    Ja, vier bzw. wahrscheinich fünf davon hätten sie sich sparen können. Den ersten fand ich ganz ordentlich.
  • Da HouseCat
    haha die gute alte vhs...musste immer bei videothek blechen, weil nicht zurück gespult. bei jedem ausleihen: "herr housecat, sie hatten letztens mal wieder nicht zurückgespult!" :D
  • BobRoss
    Neulich hab ich den 14 jährigen Cousin aus Neugierde gefragt: "Was ist die Verbindung zwischen einem Buntstift und eine Musikkassette ?" Seine Antwort: " Was ist eine Musikkassette?"...Ich bestell mir mal ein paar Broschüren für die umliegenden Altenheime. Kann dir gerne auch welche zusenden :P
  • Da HouseCat
    aber was ein buntstift ist, wusste er?zum malen nimmt man doch heute nurnoch die finger und malt damit meisterhafte gemälde auf dem tablet.
  • RunningMan
    sehe ich exakt genau so
  • RunningMan
    ich wäre auch für ein anderes/neues Bewertungssystemist nur ein Beispiel:3.5 Sterne für Rogue OneRE6: 3 SterneDiese Logik kannst Du keinem normalen Menschen vermitteln
  • Sarr
    gerüchten zufolge soll in einigen monaten eine überarbeitete version in kino kommen die "Resident Evil 6: The Last Capter" heisst oder sagen wir besser RE6:DLC
  • Monty
    So unterschiedlich kann Wahrnehmung oder Geschmack sein. Natürlich ist eine Kritik nie ganz frei von subjektiven Eindrücken: aber 3 Sterne????! Ernsthaft?! Gekauft, oder?!Mir gefiel einzig die postapokalyptische Weltdarstellung an dem Film. Das wars an Positivem.Um es kurz zu machen: Ich kann nur jeden davor warnen, dafür sein Geld auszugeben!Der Film lässt sich meiner Meinung nach nur so beschreiben: Ein epileptisches Bildfeuerwerk auf Kokain für Hyperaktive. Mit einer noch nie dagewesenen Tiefe an Logiklöchern. Noch einfacher gesagt: Einfach nur große Schei?e!!!Ich glaube, ich bin noch nie so wütend über einen Film aus dem Kino gegangen. Hab mich noch den ganzen Abend über diesen Mist aufgeregt. Ruiniert euch euren Filmabend nicht mit diesem Film!So, ich hab euch gewarnt!
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