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Catch .44 - Der ganz große Coup
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Catch .44 - Der ganz große Coup
Von Robert Cherkowski
Murphys Gesetz besagt: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen." Das ist keineswegs ein schöner Gedanke, zumindest im Kino aber macht es immer wieder einen Heidenspaß, selbst einfachste Pläne aus dem Ruder laufen zu sehen. Während Katastrophen im Komödien-Genre oft turbulent, doch letztlich glimpflich verlaufen, hat das große Scheitern im Krimi oder im Gangsterfilm meist tödliche Konsequenzen. Wenn von einem „todsicheren Ding" oder einem „narrensicheren Plan" die Rede ist, dann sollten die Antihelden der entsprechenden Filme eigentlich längst kategorisch ablehnen. Erst damit, dass sie es in der Regel dann doch nicht tun, ist eine spannende Handlung konstruierbar. Auch das Frauentrio aus „Catch .44 " lässt sich auf einen Coup ein, der sehr schnell außer Kontrolle gerät. Das trifft wiederum ebenso auf Regisseur und Autor Aaron Harvey („The Evil Woods") zu – „Catch .44" will einfach nicht die coole Ganoven-Sause werden, als die sie konzipiert war.

Seit Jahren erledigt das kesse Frauentrio Tes (Malin Akerman), Dawn (Deborah Ann Woll) und Kara (Nikki Reed) kleinere Deals und Überfälle für den schmierig-larmoyanten Gangsterboss Mel (Bruce Willis). Ansonsten leben die Damen ein antriebsloses Leben und vertreiben sich die Zeit mit Männern und launigen Gesprächen über Gott und die Welt. Als Tes, die „Anführerin" der tollkühnen Crew, von Mel den Auftrag erhält, einen Drogendeal in einem abgelegenen Diner im Nirgendwo des amerikanischen Südens zu überfallen, wird ihr ruhiges Leben gehörig durcheinander gewirbelt. Der Coup fürs schnelle Geld erweist sich als blutig-bleihaltige Angelegenheit und als zu allem Überfluss auch noch der eiskalte Profikiller Ronny (Forest Whitaker) ins Spiel kommt, ist der Schlamassel perfekt...

Mit „Catch .44" lebt Aaron Harvey seine Leidenschaft für das Kino Quentin Tarantinos aus. Sexy Ladies, die gern und viel über allerhand belanglosen Quatsch schwadronieren, abrupte und harte Gewaltspitzen, zerschossene Chronologien, kernige Gangster mit verrauchten Stimmen und ein eingängiger Soundtrack mit eingängigem Oldie-Flavor machen jedoch noch lange keinen Instant-Kulthit aus. Stattdessen verkommt „Catch .44" schnell zu einem arg gewollten Epigonen-Abklatsch, dem die wichtigste Tarantino-Komponente abgeht: Herz. Hier wirkt die Coolness schlichtweg gewollt. So etwa im geschwätzigen Intro mit einem witzlosen Dialog über vorgetäuschte Orgasmen. Oder später beim Gespräch über Bruce Willis' wahrlich gruselige Sangeskarriere in den 80ern. Die Besetzung des Actionstars in einer kleinen aber wichtigen Rolle wirkt dabei wie eine ziellose Hommage. Fähige Darsteller sind Willis und seine Kollegen aber dennoch allemal.

Das Girl-Power-Trio um Akermann, Woll und Reed macht zu jedem Zeitpunkt eine gute Figur. Bruce Willis („Pulp Fiction") ist wieder einmal in seiner Paraderolle des harten Hundes zu sehen und bekommt als mysteriöser Strippenzieher Mel ein paar glamouröse Auftritte spendiert. Schade, dass seine Leinwandzeit auf höchstens zehn Minuten beschränkt ist und seine Figur in puncto Motivation ziemlich vage bleibt. Forest Whitaker („Der letzte König von Schottland") hat die undankbare Rolle des „faszinierend schrägen Killers", obwohl dabei nie so ganz klar wird, was genau an Ronny so faszinierend oder schräg sein soll. In der ersten Hälfte stapelt er, wie sein Vorbild Anton Chigurh aus „No Country For Old Men", Leichenberge aufeinander, um später wie ein charmanter Haudegen präsentiert zu werden – was das soll, bleibt ein Rätsel. Der kurze Auftritt des großartigen Brad Dourif („Der Herr der Ringe - Die zwei Türme") als Kleinstadtsheriff wirkt da schon wesentlich stimmiger.

Auf technischer Seite gibt es indes wenig zu beanstanden. „Catch .44" glänzt durch einen sehr aufgeräumten und ansehnlichen Szenenaufbau. Der saubere Schnitt und die langen Kameraeinstellungen sorgen für Übersicht – etwas, das vielen zeitgenössischen Action-Produktionen abgeht. Der Soundtrack geht glatt ins Ohr. Insbesondere der punktgenaue Einsatz des The-Raveonette-Songs „Dead Sound" stellt für kurze Momente die Nackenhaare auf. Wenn Harvey wirklich eine Geschichte zu erzählen gehabt hätte, anstatt seine Lieblingszenen und -Rollen aus Kultfilmen zu variieren, wäre mit dieser Inszenierung ein starker Film möglich gewesen. Mit einigen unnötig komplizierten Rückblenden ist der Bogen dann aber überspannt.

Fazit: „Catch .44" ist zwar definitiv besser als Flauten wie „Thursday", „Bitch Slap" oder „Love and a Bullett", doch bei weitem nicht so überzeugend wie „Grosse Pointe Blank - Ein Mann, ein Mord" oder „El Mariachi" - von den Originalen ganz zu schweigen. Aaron Harveys Mischung aus „Death Proof" und „No Country for Old Men" ist dank toller Darsteller zwar durchaus unterhaltsam, eine eigene Filmsprache hat er mit seiner zweiten Regie allerdings noch nicht gefunden.
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