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    Weekend
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    2,9
    3 Wertungen - 1 Kritik
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    1 User-Kritik

    Kino:
    Anonymer User
    4,0
    Veröffentlicht am 18. Januar 2017
    Teilweise dokumentarisch angehaucht, fügt Godard philosophische Fragmente und kafkaeske Situationen zu einer bewusst brüchig gehaltenen Story zusammen, die man natürlich nur dann Wert schätzt, wenn man in ihr doch noch einen versteckten Sinn zu sehen glaubt. Nur ist es, diesen zu finden, ebenso eine Odyssee von Gedanken und Interpretationen wie jene der Protagonisten. Augenfällig bei der Analyse des Films, eingebettet in die Philosophie der Nouvelle Vague, ist Godards Freude an der Dekonstruktion. Zuerst einmal ist der Film ganz im Stil der Strömung eine Zerpflückung der Sehgewohnheiten und der dramaturgischen Konventionen, sodass allein die Sperrigkeit und Brüchigkeit der Geschichte ein seltsames Gefühl im normalerweise mit Filmkonventionen bombardierten Zuschauer provoziert. Die Suche nach der Logik und das schnelle Scheitern daran legt die Frage nach einer anderen Logik nahe. Die Story ist keine Kausalkette, es gibt keine Stringenz, die sagt, warum diese Szene so auf die vorangegangene folgt, wie sie es tut. Das Bedürfnis des Menschen, das Geschehen in eindeutige Kausalzusammenhänge einzuordnen und einen tatsächlichen Sinn auszumachen wird damit torpediert. So findet man zwar sehr wohl Handlungsmotive der Figuren, nämlich eine Erbschaft, Geld. Aber ein tatsächlicher Sinn lässt sich nicht finden. Das Streben wird damit zum Umherirren, die Reise zu einer Reise ohne Ziel. Daraus kann man einen filmkritischer Kommentar lesen und ebenso eine Etablierung der Protagonisten als Anti-Helden ausmachen, die als heuchlerische, erbärmliche und böse Wesen ausgemacht werden. Das Einzige, was das Paar zusammenhält, ist das Ziel ihrer Reise dieses Wochenendes. Sie reisen zusammen, aber lieben einander keineswegs. Dabei will Godard nicht einmal den Schein der Harmonie als etwas in Wahrheit Gegensätzliches entlarven, denn in Week-End bleibt nicht einmal Platz für den Schein. Die Gegensätze sind so prägend und offensichtlich, dass die Harmonie eher vielleicht eine Art vergangener Traum ist. Denn, so könnte man folgern, : dafür ist einfach kein Platz. Diese Harmonie ist so absurd heuchlerisch, dass sich in der dargebotenen Welt nichts mehr davon finden lässt. Godards Welt aus Week-End ist eben nahe am Ende, in der – ganz plötzlich – das ''Ganze'' kaputt geht. Irgendwie, so müssen die Protagonisten erfahren, gerät ''die Welt aus den Fugen''. Sie merken, dass etwas passiert ist, was die Menschen zu Raub und Kannibalismus übergehen lässt, wissen aber beim besten Willen nicht, was denn nun die Ursache ist. Überall liegen Autos, morden Menschen einfach so. Ein LKW liegt am Straßenrand mit einem Toten darin. Unsere Protagonisten nehmen sich seine Jacke. Wohin man auch sieht, die Auswirkungen der Unfälle, in dessen Stau die beiden so ewig standen, sind auf perverse Art allgegenwärtig. Dazwischen scheint das normale Treiben einfach weiter zu gehen. Damit wird der Film so grotesk, wie man es nur vermuten kann. Die Gegensätze sind unauflösbar. Godard belässt es aber nicht dabei, sondern führt diese Gegensätze aus. Nicht im Sinne eines schwarz-weiß Porträts, einer Polarisierung auf zwei Seiten. Aber auch nicht im Sinne einer reinen Analyse. Godards Film ist eher eine Zerstückelung der Realität (oder seiner Interpreation davon) und eine assoziative Verbindung der übrig gebliebenen Teile. Der Versuch, diesen Film zu verstehen, scheint also weniger dadurch zu Stande kommen zu können, dass man diese Teile sortiert und systematisiert. Man kann die Gegensätze aber auch nicht auflösen, zusammensetzen, wie bei einem Puzzle. Stattdessen bleibt das Gesamtwerk Week-End kryptisch und dabei doch auf eine fast schon intuitive Art aussagekräftig. Zwar leugne ich nicht, dass manche Minuten mehr, andere weniger tiefgründig sind. Dekonstruktion ist eben auch eine Kunst - welche Godard im Gesamten gelingt. Über die Sinnhaftigkeit einzelner Szenen, die Tiefgründigkeit derselben lässt sich streiten. Mal ist Godard Analytiker, mal Polemiker, mal – aus Spaß an der Freude – simpler Dekonstrukteur. Mal ist es tatsächlich die Auflösung der Logik als Selbstzweck, manchmal aber auch wirklich substanziell, über diese Antihaltung hinausgehend. Manche Dinge bleiben einfach im Gedächtnis. Als die beiden Protagonisten zum Beispiel die Schriftstellerin Emily Bronte anzünden, weil sie sie nervt, sagt die Frau, es sei falsch, Philosophen zu verbrennen. Der Mann erwidert, es seien nur imaginäre Gestalten. Die Frau wundert sich, warum sie dann weinen. Der Mann antwortet nicht mehr darauf. Sie müssen weiter. Das sind Dialoge! FAZIT: ''Week-End'' ist ein reiner Kopfilm, ein bisschen schwarze Komödie und Groteske. Week-End spielt nicht mit der Attitüde, ''Anti'' zu sein. Er ist es einfach; und auch noch mehr. Ein zynischer, höhnischer Kommentar auf die Welt, die Politik, den Menschen – und so ziemlich alles. Der Film ist nicht zu jeder Zeit gleich gut, auch er verliert sich manchmal. Aber das Gesamtwerk ist sehr wohl tiefgründig und dazu genüsslich provokant.
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