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The Thing
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
The Thing
Von Carsten Baumgardt
Die Produzenten Marc Abraham und Eric Newman überzeugten zwar das Universal-Studio davon, eine Neuauflage von John Carpenters Horror-Klassiker „Das Ding aus einer anderen Welt" zu drehen, waren sich aber gleichzeitig darüber einig, dass ein Remake keinen Sinn mache, weil die Vorlage ja ohnehin schon perfekt sei. „Das wäre, als male man der Mona Lisa einen Schnurbart an." Da sie von dem Stoff aber dermaßen fasziniert waren, suchten sie sich eine andere Lösung: Ein Prequel sollte es werden. Denn wer wollte nicht schon immer wissen, was die durchgedrehten Norweger, die zu Beginn von Carpenters Film per Hubschrauber am amerikanischen Camp in der Antarktis auftauchen und wilde Sau spielen, in den Wahnsinn getrieben hat? Der niederländische Werbefilmer Matthijs van Heijningen Jr. erzählt in seinem Kinodebüt nun also die Vorgeschichte zu „Das Ding aus einer anderen Welt", die sich aber trotzdem nur unwesentlich von der Vorlage unterscheidet, weshalb sein „The Thing" eigentlich doch ein halbes Remake geworden ist. Als eigenständiges Werk ist van Heijningens Film ein mittelmäßiger Antarktis-Schocker, aber den direkten Vergleich mit dem Klassiker verliert er haushoch.

So aufgeregt haben seine Mitarbeiter Dr. Sander Halvorson (Ulrich Thomsen) noch nie gesehen. Der Wissenschaftler ist von einer Entdeckung in der Antarktis so gefesselt, dass er in Windeseile einen Trupp auf die Beine stellt, der unter strengster Geheimhaltung ins ewige Eis des Südpols aufbricht. Diese Chance lässt sich auch die junge Paläontologin Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead) nicht entgehen und schließt sich der norwegischen Expedition auf Wunsch Halvorsons an. Vor Ort ist das Erstaunen groß: Die Forscher sind auf ein außerirdisches Raumschiff gestoßen. Die Wissenschaftler bergen eine leblose Kreatur aus dem Eis und tauen sie auf. Ein böser Fehler. Der seit Ewigkeiten eingefrorene, extraterrestrische Organismus erwacht zum Leben und ist fortan in der Lage, durch Berührung in jeden Menschen einzudringen und den Wirt von innen zu zerstören. Äußerlich ist er allerdings nicht zu erkennen, ob jemand befallen ist. Nachdem das erste Opfer zu beklagen ist, bricht deshalb blanke Panik aus...

„The Thing" ist also ein Prequel zu John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt" von 1982, der wiederum ein Remake von Christian Nybys und Howard Hawks‘ „Das Ding aus einer anderen Welt" aus dem Jahr 1951 ist. Bei seiner Erstveröffentlichung ging Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt" zwar im großen Schatten von Steven Spielbergs Welterfolg „E.T. - Der Außerirdische" gnadenlos unter, aber der garstige und äußerst brutale Schocker geriet derart wirkungsvoll, dass er in den Folgejahren doch noch eine immer größer werdende Kult-Gefolgschaft um sich versammelte. An diesen hart erarbeiteten Ruf will sich van Heijningen mit seinem Kinodebüt nun anhängen.

Obwohl sich die Handlungsverläufe grob gleichen, hat van Heijningen doch eine tiefgreifende Änderung vorgenommen. Stand bei Carpenter Hubschrauber-Pilot MacReady (gespielt vom bärbeißigen Kurt Russell) als Held im Mittelpunkt, rückt bei van Heijningens Version nun die toughe Paläontologin Kate Lloyd ins Rampenlicht der Geschichte, die wenige Tage vor den Geschehnissen von „Das Ding aus einer anderen Welt" ansetzt. Mary Elizabeth Winstead („Death Proof") gibt die Wissenschaftlerin als Tochter im Geiste von Vorzeige-Amazone Dr. Ellen Ripley aus Ridley Scotts Meilenstein „Alien". Winstead hantiert mit dem Flammenwerfer genauso selbstbewusst umher wie ihr großes Vorbild. Ihr Charakter lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen und zeigt den Männern, was Sache ist. Sicherlich hat Winstead nicht die schauspielerische Kragenweite einer Sigourney Weaver, aber die attraktive Schauspielerin müht sich redlich und liefert eine solide Leistung ab. Zumindest bleibt sie in der Erinnerung des Publikums, was höchstens noch von Ulrich Thomsen („Das Fest") und Joel Edgerton ( „King Arthur") behauptet werden darf. Der Rest des Casts bleibt völlig farblos und austauschbar. Aber auch Thomsen muss gegen das Klischee ankämpfen. Seine Figur des skrupellosen Wissenschaftlers ist so rücksichtslos und egoistisch angelegt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann sie sich ihrem Schicksal fügen muss. Edgerton bekommt als Hubschrauber-Pilot Carter und Kates Vertrauter neben Winstead immerhin etwas Profil und assistiert der Amazone nach Kräften.

Beim Design der Alien-Kreatur orientiert sich Regisseur van Heijningen zwar sichtbar bei Carpenter und setzt auf einen Retro-Look – allerdings sind die Effekte diesmal aus dem Computer und nicht handgemacht wie damals. Einen gewissen Unterhaltungswert haben die schleimigen Geschöpfe, die aus den Menschen herausbrechen, schon allein deshalb, weil sie so herrlich eklig sind. Allerdings schafft es van Heijningen nicht, die Atmosphäre so dicht zu halten wie Carpenter. Dazu sind auch die Charaktere zu schwach ausformuliert – wiederum im Gegensatz zu Carpenters Version, wo die Spannung auch unter den Figuren zum Zerreißen gespannt war. Trotzdem funktioniert „The Thing" als Horror-Thriller mit soliden Produktionswerten und einer sauberen Inszenierung. Das klaustrophobische Setting Carpenters bricht van Heijningen auf und setzt auf die Weite der Antarktis, um ausschweifende Panoramen zu servieren, die in einem krassen, durchaus reizvollen Gegensatz zu den sehr düster gehaltenen Innenaufnahmen aus der Forschungsstation stehen.

Fazit: Den Vergleich mit John Carpenters Version sollte man sich besser sparen, weil dem Horror-Thriller Originalität und Eigenständigkeit abgeht, davon abgesehen funktioniert „The Thing" durchaus als mittelprächtiger Kreaturen-Horror, der aber auch im Regal der Videotheken gut aufgehoben wäre.
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Kommentare

  • noemata
    Man hat weitaus mehr Spaß an dem Film, wenn man die hier durchaus schon wahnhaft zelebrierten Vergleiche aussen vor lässt und dem Film auch eine gewisse Eigenständigkeit zuspricht. 2.5 Punkte, bloß ein übler Scherz.
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