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Freunde mit gewissen Vorzügen
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Freunde mit gewissen Vorzügen
Von
„Moment mal, hieß ‚Freunde mit gewissen Vorzügen‘ nicht neulich noch ‚Freundschaft Plus‘?" – den ein oder anderen Kinogänger wird bei „Freunde mit gewissen Vorzügen" ein Déjà-Vu ereilen, bieten beide Filme doch nicht nur nahezu identische Prämissen; sie ähneln sich auch in weiteren Details frappierend. Nach Natalie Portman und Ashton Kutcher dürfen nun also Mila Kunis und Justin Timberlake – beide von Kritikern gefeiert für ihre Auftritte in „Black Swan" respektive „The Social Network" – versuchen, eine rein körperliche Beziehung so ganz ohne emotionalen Ballast zu führen; freilich um dann am Ende festzustellen, dass es ohne Liebe eben doch nicht geht. Doch obwohl „Freunde mit gewissen Vorzügen" zumindest auf dem Papier wie ein erstaunlich schnell nachproduzierter Aufguss von „Freundschaft Plus" klingt, kommt er um einiges frischer daher. Zu verdanken ist dies der schwungvollen Regie von Will Gluck, einem noch besser harmonierenden Hauptdarsteller-Duo und vor allem dem wundervoll pointierten Drehbuch, dessen Dialogwitz über die unvermeidliche Bedienung gängiger Hollywood-Konventionen im letzten Akt hinwegsehen lässt.

Wenn Freunde gemeinsam Tennis spielen können, dann sollte es doch kein Problem für sie sein, unverbindlichen Sex zu haben – so überzeugt Dylan (Justin Timberlake) die Headhunterin Jamie (Mila Kunis), eine reine Bettbeziehung ohne Auswirkungen auf die junge Freundschaft zwischen den beiden einzugehen. Jamie hatte den aufstrebenden Art Director Dylan zuvor vom relaxten Los Angeles in das hektische New York geholt und ihm anschließend dabei geholfen, sich in der pulsierenden Metropole zurecht zu finden. Dabei merkten zwar beide schnell, dass es zwischen ihnen funkt, wussten aber nach den Komplikationen ihrer vorherigen Beziehungen gleichzeitig, dass eine neuerliche Liebesbeziehung unweigerlich in einem Fiasko enden würde. Der freiwillige Verzicht auf Gefühle scheint daher die ideale Lösung zu sein. Doch spätestens als beide unabhängig voneinander wieder in das Datingleben einsteigen, müssen sie sich eingestehen, dass sie sich entgegen des auf die Bibel-App des iPads geleisteten Schwurs längst ineinander verliebt haben...



Vergangenes Jahr übernahm Will Gluck mit „Einfach zu haben" quasi im Alleingang die Ehrenrettung der Teenie-Komödie, dieses Jahr soll nun die romantische Komödie an der Reihe sein. Ähnlich wie die Teenager in den „Scream"-Filmen wissen Jamie und Dylan um jahrzehntealte Genre-Klischees Bescheid und nehmen sich vor, diese so gut wie möglich zu umgehen. Zum selbstzweckhaft-selbstreflexiven Spiel mit den Genre-Regeln Seherwartungen im Sinne von Wes Cravens Slasher-Reihe verkommt „Freunde mit gewissen Vorzügen" dennoch nicht – auch wenn diese durch einen gnadenlos überzogenen Film-im-Film, in dem „How I Met Your Mother"-Star Jason Segel und Rashida Jones das Liebespaar geben, parodiert werden.

Stattdessen konzentrieren sich Co-Autor Gluck und die beiden Debütautoren Keith Merryman und David A. Newman auf klassische Screwball-Tugenden und kleiden ihre im Kern sehr simple Geschichte mit viel Wortwitz und rasanten Dialogfeuerwerken aus – mit dem Ergebnis, dass „Freunde mit gewissen Vorzügen" endlich wieder einmal eine romantische Komödie ist, die sich nicht strikt in eine Komödien- und eine Romanzenhälfte einteilen lässt. Da das Tempo konstant hoch gehalten wird und die Pointen-Treffsicherheit auch im letzten Akt kaum nachlässt, verzeiht man auch eher, dass am Ende doch wieder die großen romantischen Gesten ausgepackt werden und sich Gluck damit sogar gewissermaßen selbst verrät. Dass „Freunde mit gewissen Vorzügen" trotzdem bis zum Schluss blendend unterhält, ist auch den beiden hervorragend aufgelegten Hauptdarstellern zu verdanken.

Mila Kunis feuert ihre Dialogsalven in einem derartigen Tempo ab, dass selbst Justin Timberlakes Sean Parker aus „The Social Network" vor Neid erblassen würde, schafft es dabei aber zu jeder Zeit, ihren natürlichen Charme zu wahren. Dass ihre Rolle zudem deutlich freizügiger angelegt ist als Natalie Portmans in „Freundschaft Plus", wird wohl vor allem bei männlichen Kinogästen für Pluspunkte sorgen. Anders als bei Ashton Kutcher in „Freundschaft Plus" ist es hier nicht Justin Timberlakes Aufgabe, lediglich Spalier zu stehen, sondern vielmehr Kunis' Wortschwall standhaft entgegenzutreten. Zusammen versprühen sie eine gemütliche Coolness, die dem Film ausgesprochen gut steht; beide empfehlen sich so auch ganz nebenbei für weitere stark geschriebene Rollen im Komödienfach.

Flankiert werden Kunis und Timberlake von einer prominent besetzten und nicht minder spielfreudigen Nebendarstellerriege. Patricia Clarkson, die bereits in „Einfach zu haben" ihr komödiantisches Talent offenbarte, darf dieses nun als Jamies Drogen- und Freie-Liebe-propagierende Single-Mutter, die sich nicht mal mehr an die Nationalität von Jamies Vater erinnern kann, erneut ausspielen. Ebenso für einige Lacher gut ist Woody Harrelson („Zombieland"), der als schwuler Sportchef von Dylans neuem Arbeitgeber gewohnt enthemmt auftritt. Als ruhige Gegenpole zu den beiden dienen Richard Jenkins („Ein Sommer in New York - The Visitor") und Jenna Elfman („Glauben ist alles"), die in einem Subplot Dylans alzheimerkranken Vater und seine alleinerziehende Schwester spielen. In kurzen Gastauftritten drücken sich außerdem noch Emma Stone („Einfach zu haben"), „Saturday Night Live"-Comedian Andy Samberg („Hot Rod") und der überraschend selbstironische Profi-Snowboarder Shaun White die Klinke in die Hand.

Schade, dass Regisseur Gluck mit „Freunde mit gewissen Vorzügen" nicht den Mut aufbringt, endgültig mit den zuvor so lässig umschifften Hollywood-Konventionen zu brechen und die verzwickte Liebesgeschichte konsequent – vielleicht im Sinne Woody Allens? – jenseits der Happily-Ever-Afters aufzulösen. Da man dem spritzigen Film ansonsten aber wenig ankreiden kann, sei er allen Freunden gehobener RomComs wärmstens ans Herz gelegt. Mehr noch: Einen besseren Date-Film als „Freunde mit gewissen Vorzügen" wird es im Hochsommer 2011 nicht geben.
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