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Löwenzahn - Das Kinoabenteuer
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Löwenzahn - Das Kinoabenteuer
Von Michael Smosarski
„Löwenzahn" ist Peter Lustig – das zumindest dürfte die klare Haltung der allermeisten Fans sein. Umso respektabler ist es, dass Guido Hammesfahr, der 2006 die Rolle des findigen Amateurforschers übernommen hat, den früheren Job des Haudegens sehr zufriedenstellend ausfüllt. Das liegt vor allem daran, dass er nicht versucht, Peter Lustig zu spielen, sondern stattdessen einen neuen Typus zu schaffen. Dieser Generationswechsel war auch Teil einer größer angelegten, unaufdringlichen Modernisierung des Traditionsformats, die zwar tragende Säulen wie etwa die kleinen Wissensanekdoten unangetastet ließ, zugleich aber auch neue inszenatorische Impulse gab. Der Übergang ins 21. Jahrhundert ist „Löwenzahn" also erstaunlich gut gelungen – einen Kinofilm dagegen kann man sich, trotz aller Neuerungen, nur schwer vorstellen. Und tatsächlich ist der Sprung von den simplen Plots der Fernsehfolgen zum ausgewachsenen Kinoabenteuer für Jung und Alt höchst gewagt. Dass Regisseur Peter Timm mit seiner „Löwenzahn"-Umsetzung keinen Totalausfall vorlegt, liegt vor allem am sympathischen Cast und der insgesamt soliden handwerklichen Umsetzung.

So hatte sich Laila (Ruby O. Fee) ihren Urlaub auf dem Land bei Tante Yasemin (Sanam Afrashteh) ganz bestimmt nicht vorgestellt: Statt Monotonie und Langeweile erwartet sie gleich nach ihrer Ankunft ein echtes Abenteuer. Drei Welpen sind entführt worden – Bösewicht Roman Zenkert (Dominique Horwitz) hat sie in seiner Gewalt und will so Fritz Fuchs (Guido Hammesfahr) auf seine Burg locken. Denn die beiden früheren Jugendfreunde haben als Kinder den Zugang zum Versteck des legendären Schatzes von Hannibal entdeckt, konnten ihn allerdings nicht bergen. Fritz Fuchs hat als einziger der beiden die Karte zum Fundort, die Roman Zenkert mit aller Macht von ihm bekommen will. Obendrein sind auch Fritz Fuchs‘ neugieriger Nachbar Herr Paschulke (Helmut Krauss) nebst einer burschikosen Briefträgerin (Sabine Orléans) mit von der Partie. Schließlich kommt es zum Showdown in den Alpen...

Welche konzeptionelle Grundidee „Löwenzahn – Das Kinoabenteuer" verfolgt, wird schnell ersichtlich: Nicht Erläuterungen zu den Wundern der Alltagswelt, sondern die rasante Handlung steht im Fokus des Films. Laut Hammesfahr handle es sich nicht um einen „Erklärfilm", sondern um einen Actionfilm. Genau in diesem Umstand liegt aber auch das Problem der Kinofassung, denn ohne die sympathische Klugscheißerei von Fritz Fuchs fehlen Herz und Seele des traditionsreichen Formats. Schließlich war die Handlung, trotz aller Zugeständnisse an Jugendlichkeit, bei „Löwenzahn" immer nur Produkt und Rahmung einer speziellen Wissens-Fragestellung, einer übergeordneten thematischen Ausrichtung. So passiert es, dass Fritz Fuchs nicht als ideenreicher Entdecker erscheint, sondern eher als eine Art Aushilfs-MacGyver.

Der Vergleich trägt weit, denn dem Erfindungsreichtum des Protagonisten sind, ebenso wie Richard Dean Andersons kultigem Serien-Helden seinerzeit, nur wenige Grenzen gesetzt – zum hohen Preis, dass seine abstrusen Ideen zur ungewöhnlichen Nutzung von Alltagsgegenständen kaum nachvollziehbar auserklärt werden. Inszenatorisch bemüht sich Regisseur Timm nach Kräften, dem Anspruch eines groß angelegten Jugendabenteuers gerecht zu werden. Neben allerlei Explosionen und Actioneinlagen gibt es Luftaufnahmen von Fritz Fuchs mit einem selbstgebauten, solarbetriebenen Paraglider, dazu brettern die Rocksongs von Apollo 3 (deren Bandmitglieder im Schnitt erst 13 Jahre alt sind).

Nichtsdestotrotz bleibt der Eindruck haften, dass hier eine im TV rundum funktionierende Dauerproduktion mühsam auf Kinofilm-Niveau gehievt werden sollte. Dennoch profitiert der Film dabei eben auch vom Sympathie-Vorschuss, den sich die Besetzung durch ihre TV-Meriten verdient hat. „Löwenzahn – Das Kinoabenteuer" ist durch die über weite Strecken aufwendige und rasante Inszenierung für die jüngeren Zuschauer sicher ein sehenswerter Film – allerdings lässt er vieles von dem vermissen, was das Fernsehformat auszeichnet. Auf das unentwegte „Klingt komisch, ist aber so" kann man dabei sicher verzichten, doch völlig ohne die thematische Fokussierung und die spielerische Vermittlung von Inhalten fehlt „Löwenzahn" schlichtweg das Rückgrat.
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