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Abraham Lincoln Vampirjäger
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Abraham Lincoln Vampirjäger
Von Björn Becher
Nachdem der Amerikaner Seth Grahame-Smith mit nicht ganz ernstgemeinten Sach- und „Handbüchern" wie „Das große Porno-Buch: Ein unzensierter Blick hinter die Kulissen der Sexindustrie" oder „How to Survive a Horror Movie: All the Skills to Dodge the Kills" ab 2005 erste Erfolge als Autor feierte, kam sein Verleger auf die Idee, den Jane-Austen-Klassiker „Stolz und Vorturteil" etwas aufzupeppen und Zombies einzubauen. Grahame-Smith machte sich ans Werk, schuf den Roman „Stolz und Vorurteil und Zombies", der auf Anhieb in die Bestsellerlisten schoss. Ein neues Konzept war geboren und Grahame-Smith legte nach: Mit „Abraham Lincoln – Vampirjäger" bettete er die Biografie des 1865 ermordeten 16. US-Präsidenten in eine Vampirgeschichte ein. Erneut war das Buch erfolgreich und eine Filmumsetzung war bald beschlossene Sache: Grahame-Smith selbst adaptierte seinen Roman für die Leinwand und mit Timur Bekmambetov wurde ein passender Regisseur gefunden, schließlich hatte der Russe auch schon bei „Wanted" erfolgreich eine hanebüchen-abgefahrene Geschichte mit überdrehten Action-Szenen kombiniert. Und genau da knüpft er nun mit „Abraham Lincoln Vampirjäger" an: Neben drei begeisternden Actionsequenzen – teilweise in epischer Länge - beeindruckt vor allem, wie ernst und konsequent die absurde Ausgangsidee durchgezogen wird. Das bedeutet aber auch, dass der 3D-Actioner über weite Strecken humorfrei bleibt, ebenso fehlt im Mittelteil etwas der Schwung und die Hauptrolle ist nicht ideal besetzt.

1818: Der kleine Abraham Lincoln (Lux Haney-Jardine) muss mitansehen, wie seine Mutter Nancy (Robin McLeavy) einer mysteriösen Krankheit erliegt, nachdem der sinistre Jack Barts (Marton Csokas) sich nachts an ihr Bett geschlichen hat. Viele Jahre später entschließt sich Abraham (nun Benjamin Walker) Rache zu üben. Doch Barts entpuppt sich als blutdürstiger Vampir und der mysteriöse Henry Sturges (Dominic Cooper) rettet Lincoln in letzter Sekunde vor dem blutsaugenden Unhold. Sturges offenbart dem weiter nach Rache dürstenden jungen Mann, dass der Süden Amerikas mittlerweile von Vampiren bevölkert ist und bildet ihn zum axtschwingenden Untotenjäger aus. Von nun an arbeitet Lincoln in der Kleinstadt Springfield in Illinois tagsüber im Gemischtwarenladen von Joshua Speed (Jimmi Simpson) und jagt nach Feierabend Vampire. Doch mit seinen nächtlichen Metzeleien zieht Lincoln auch die Aufmerksamkeit des Ober-Blutsauger Adam (Rufus Sewell) auf sich, der als Plantagenbesitzer in New Orleans residiert, und Sklaven als ständigen Nahrungsnachschub für seine große Familie hält. Als Lincoln erkennt, dass das Vampirproblem nicht mit der Axt allein gelöst werden kann und in die Politik geht, um die Sklaverei abzuschaffen, sieht Adam endgültig seine Macht bedroht...



Timur Bekmambetov hat bei den russischen Fantasy-Action-Spektakeln „Wächter der Nacht" und „Wächter des Tages", mit denen ihm der internationale Durchbruch gelang, bereits erste Vampir-Erfahrungen gesammelt und sich besonders mit komplett überzogenen, überaus einfallsreichen Actionsequenzen profiliert. In seinem US-Debüt „Wanted" wurde dann sogar stilvoll in Zeitlupe um die Ecke geschossen. Geballert wird nun auch in „Abraham Lincoln Vampirjäger" ein wenig, hauptsächlich nutzt die Titelfigur aber eine mächtige Axt gegen die mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Vampir-Monster, die nur durch Silber oder Enthauptung zu töten sind. Es ist eine Mordsgaudi in plastischen 3D-Bildern, wenn sich Lincoln im Landsitz von Adam durch dessen Vampirfamilie metzelt. Umso überraschender ist, dass es eigentlich nur drei Action-Prunkstücke gibt und Lincolns tödliche Tête-à-Têtes mit den Vampiren nach seiner Ankunft in der Kleinstadt Springfield recht monoton ausfallen. In die Vollen geht Bekmambetov nur bei einer Konfrontation zwischen Lincoln und Barts inmitten einer durchdrehenden Pferdeherde und beim großen Finale auf einem fahrenden Zug, der dazu noch auf eine brennende Holzbrücke zurast. Diese ausgedehnte Sequenz kostet Bekmambetov allerdings richtig aus und verwöhnt den Zuschauer mit einer wahren Action-Orgie. Dieses Finale ist ein Prunkstück, das leicht die eine oder andere Länge davor vergessen lässt.

Im Mittelteil des Films werden deutlich ruhigere Töne angeschlagen, denn Bekmambetov, Produzent Tim Burton und Autor Seth Grahame-Smith bleiben dem Konzept der Romanvorlage treu. „Abraham Lincoln Vampirjäger" ist eben kein Actionfilm, bei dem der Protagonist zufällig den Namen des US-Präsidenten trägt. Vielmehr handelt es sich um eine etwas andere Art von Biopic, in dem historisch verbürgte Episoden aus Lincolns Leben aufgegriffen werden, die unter Zugabe von reichlich Vampiren und Action eine Umdeutung erfahren. So sind es hier die Blutsauger, die durch ihre Sklavenhaltung den Bürgerkrieg auslösen, im Kampf zwischen Nord und Süd treten Lincolns Soldaten gegen eine Vampirarmee an und die Schlacht von Gettysburg wird zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen Menschen und Untoten. Die Mischung aus historischen Fakten und Personen mit fabulierlustig Dazugedichtetem geht allerdings nicht ganz auf. Schon in einem „normalen" Biopic gelingt es längst nicht immer, die wichtigen Lebensstationen des Porträtierten schlüssig miteinander zu verbinden, und „Abraham Lincoln Vampirjäger" wirkt in dieser Hinsicht bisweilen umso sprunghafter. So wird etwa Stephen A. Douglas (Alan Tudyk), der Verlobte von Lincolns späterer Frau Mary Todd (Mary Elizabeth Winstead) und dessen innerparteilicher Rivale, zwar kurz eingeführt, verschwindet dann aber komplett von der Bildfläche – hier ging es offensichtlich nur darum, eine weitere historische Persönlichkeit im Film unterzubringen.

Lincoln wird auch in diesem Film als ikonischer Held der amerikanischen Geschichte inszeniert, der Part verlangt entsprechend nach einem echten Star. Ursprünglich sollte Tom Hardy den vampirjagenden US-Präsidenten spielen, doch Überschneidungen mit den Arbeiten an „The Dark Knight Rises" machten ein Engagement unmöglich. Die Produzenten verhandelten danach unter anderem mit Eric Bana („München"), „Justified"-Star Timothy Olyphant, Oscarpreisträger Adrien Brody („Der Pianist"), Josh Lucas („Der Mandant") und Oliver Jackson-Cohen, der als Killer in „Faster" eine unglaublich gute Figur machte, doch alle sagten ab. Mit dem Broadway-Schauspieler und Comedian Benjamin Walker („Flags of our Fathers") erhielt schließlich ein noch relativ Unbekannter die Rolle. Optisch ist der eine junge Version von Liam Neeson, die Ausstrahlung des Iren, der ursprünglich die Titelrolle in Steven Spielbergs „Lincoln" übernehmen sollte und der beim Böse-Buben-Bekämpfen („96 Hours") genauso wie beim Wölfe-Metzeln („The Grey") seine Star-Qualitäten gezeigt hat, fehlt Walker allerdings. Sein Milchbubi-Auftreten mag noch zum jungen, unsicheren Lincoln passen, ändert sich aber selbst nach seinem Aufstieg zum gefürchteten Vampirjäger nicht. Wenn er wild die Axt schwingt, macht er auch dank der rasanten Inszenierung eine ganz gute Figur, aber in den vielen Dialog-Szenen verblasst er regelmäßig gegenüber seinen Co-Stars.

Fazit: Im 3D-Actioner „Abraham Lincoln Vampirjäger" wird eine kuriose Prämisse konsequent umgesetzt. Dabei gibt es im Mittelteil einige Längen und der Hauptdarsteller bleibt blass, aber ein furioses Finale entschädigt dafür.
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Kommentare

  • Jimmy V.
    Kein achso-selbstironischer Humor? Dann immer her damit. Für mich liest sich das nach einem großen Vorteil des Films. Deswegen immer her damit. Die Idee mag trashig sein, aber wenn der Film gute Actionsequenzen besitzt und atmosphärisch ist, will ich's gerne sehen. Schade nur wegen der Besitzung von Abe Lincoln. Alle anderen Darsteller lasen sich ja echt nett.
  • Lasse
    Viele hatten sich die 3-Punkte-Vergabe ja schon gedacht, sonderlich überrascht bin ich darum nicht. Freue mich nach wie vor auf den Film, interessant, dass er anscheinend auf Selbstironie verzichtet, aber das könnte in der Tat zu dessen Vorteil sein. Nur komisch, dass der zuvor anscheinend so hochgelobte Lincoln-Darsteller in der Kritik nicht so gut wegkommt. Aber ich darf mir ja mein eigenes Bild machen. Bin froh, dass es kein Verriss geworden ist.
  • Patrick H.
    Verdammt. Ich hätte zu gern den Olifanten gesehn in der Titelrolle. Egal, wird trotzdem geguckt :)
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