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    Bad Sitter
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Bad Sitter
    Von Robert Cherkowski
    Kaum ein Filmemacher hat dem amerikanischen Comedy-Kino nach der Jahrtausendwende so erfrischende Impulse verpasst wie Judd Apatow. Inzwischen hat sich der New Yorker als Schirmherr zahlreicher charmanter, kleiner Filme über die Lebens- und Liebesnöte des weißen Mittelstands etabliert. Unter Apatows Federführung konnten sich ambitionierte Komödianten im Geschäft etablieren und dem Genre ein neues, lebensechtes Gesicht verleihen: Michael Cera („Superbad"), Steve Carell („Jungfrau (40), männlich, sucht..."), Danny McBride („Ananas Express"), Will Ferrell („Anchorman"), John C. Reilly („Walk Hard") und Seth Rogen („Beim ersten Mal"). Auch Ceras „Superbad"-Sidekick Jonah Hill entstammt dem Apatow-Clan. In der Oscar-fixierten US-Herbstsaison 2011 hat er es als Brad-Pitt-Co-Pilot in „Die Kunst zu gewinnen - Moneyball" bis ganz nach oben geschafft, dem Komödienfach bleibt er dennoch treu. Nach der durchwachsenen Musiker-Klamotte „Männertrip" ist er jetzt in David Gordon Greens „Bad Sitter" zu sehen. Allerdings, auch der beste Komiker ist auf halbwegs taugliche Drehbücher angewiesen. Selbst Hill kann hier nicht überspielen, dass „Bad Sitter" bestenfalls durchschnittliche Komödienkost der harmlosesten Sorte ist.

    College-Abbrecher Noah (Jonah Hill) lebt bei seiner Mutter (Jessica Hecht) und genießt die öden Tage, die er meist vor dem Fernseher verbringt. Sogar mit den Frauen klappt es „einigermaßen", auch wenn der schwere Kerl da in der Regel bloß seine Zunge zum Einsatz bringen darf. Der trüb-erträgliche Alltag gerät jedoch in Schwung als seine Mutter ihm nahe legt, einen Babysitter-Job anzunehmen. Sein erstes Engagement führt ihn zur Familie Pedulla. Für einen Abend soll er auf die drei Kinder des Hauses aufpassen: Tochter Blithe (Landry Bender) ist ein aufgetakeltes und möglicherweise frühreifes Püppchen, Sohn Slater (Max Records) ist sexuell verunsichert und depressiv und der salvadorianische Adoptivsohn Rodrigo (Kevin Hernandez) spielt liebend gern mit Feuer. Als hätte er damit nicht schon genug Sorgen, soll Noah für seine „Leck-Freundin" Marisa (Ari Graynor) bei ihrem Kokain-Dealer (Sam Rockwell) vorbeischauen. Und damit fängt der Abend erst an...

    Apatow-Produktionen leben vom respektvollen und warmherzigen Umgang des Comedy-Gurus mit seinen Figuren. Diese Qualität geht David Gordon Greens Komödie völlig ab. Mit „Bad Sitter" setzt er stattdessen auf den Brachialhumor einer Farrelly-Produktion („Verrückt nach Mary") und zahlreiche humoreske Tiefschläge südlich der Gürtellinie. Wenn Oralverkehr-Profi Noah zu Beginn einer Bekannten aushilft und abgesehen von seinen dortigen Fähigkeiten eher mit Verachtung gestraft wird, ist der Ton schon früh gesetzt. „Bad Sitter" soll eine zotige R-Rated-Comedy sein, die nicht vor Sex, kruder Sprache und Tabubrüchen zurückschreckt – später werden dann noch pflichtbewusst Witze über verhaltensgestörte Kinder, Pädophilie und Drogenmissbrauch nachgeschoben.

    Geschmacklos oder gar gefährlich ist der Film allerdings nicht, schließlich bleiben all die derben Scherze ohne echte Konsequenzen für Handlung und Figuren. In den Staaten mag die R-Rated-Comedy vielleicht noch anrüchig, zumindest aber wirtschaftlich relevant sein. In Europa hat die Restricted-Altersfreigabe, die für alle Kinobesucher unter 17 Jahren erwachsene Begleitpersonen vorschreibt, jedoch keine besondere Bedeutung. Auch wenn das komödiantische Timing der Darsteller stimmt und zumindest jeder fünfte Gag richtig sitzt, will der Funke hier einfach nicht überspringen. Dafür pendelt Green zu unentschlossen zwischen vorgeblicher Drastik und konventioneller Moral.

    Im Gegensatz zu den Gags ist die Erzählung in jeder Hinsicht auf Nummer sicher konstruiert: Tagedieb Noah muss Verantwortung lernen. Und zwar im Verlauf einer lose thematisch zusammengehaltenen Sketchparade, bei der „Moon"-Star Sam Rockwell als psychotischer Drogendealer in einem Bodybuilder-Verschlag noch die heftigsten Lacher provoziert. Zur Halbzeit beginnt Green dann damit, das moralische Sicherheitsnetz auszuspannen, so dass am Ende auch ja alle schlauer sind: Noahs egozentrisch-lüsterne „Freundin" Marisa wird abgeschafft, die wilden Kids werden von ihren Spleens geheilt und der Sitter selbst ist endlich über sich hinausgewachsen.

    Fazit: Harmlos bleibt harmlos – wenn ein Film so pädagogisch blitzblank wie David Gordon Greens „Bad Sitter" aufgelöst wird, machen derbe Gags dabei auch keinen Unterschied mehr.
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