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Kriegerin
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Kriegerin
Von Robert Cherkowski
Die Welt rechter Skinheads (sogenannte Boneheads) ist eine hypermaskuline Hölle, in der sich die Mitglieder selbstbehaupten, indem sie anderen gegenüber gewalttätig werden. Von trüben Zukunftsaussichten desillusioniert und aufs gesellschaftliche Abstellgleis geschoben, ist es der archaische Männerbund, der den wütenden Jugendlichen mit simpler Ideologie und leicht verständlichen Feindbildern ein trügerisches Auffangnetz bietet. Der Hass beeinflusst dabei sowohl ihre Gedanken, ihre Sexualität und ihre sozialen Strukturen. Es gibt etliche Filme aus dem Ausland („American History X", „Romper Stomper") und auch einige deutsche Produktionen („Oi! Warning", „Führer Ex"), die sich dieser Thematik widmen, dabei aber ihr Hauptaugenmerk stets auf den männlichen Part legen. Was jedoch führt Frauen dazu, sich in diese aggressive Männerwelt zu begeben, die mit ihren Ritualen so gar nicht zu den üblichen weiblichen Tugenden passen will? Auch David Wnendts Drama „Kriegerin" bietet keine schlüssige Antwort auf diese Frage, sondern variiert stattdessen bloß einige der typischen Klischees und verheddert sich auch noch beim Erzählen.

Es ist nicht nur eine „Kriegerin", die hier im Mittelpunkt steht, sondern gleich ein Kriegerinnen-Duo, das sich jedoch erst einmal finden muss: Auf der einen Seite steht Marisa (Alina Levshin), eine hartgesottene, 20-jährige Skinheadbraut, die ihren Frust nicht runterschluckt, sondern direkt in den Frontalangriff übergeht. Was genau sie ins braune Milieu getrieben hat, bleibt lange offen. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass eine familiäre Desorientierung - gemixt mit verdrängten Traumata - sie direkt an den rechten Rand geführt hat. Für die 15-jährige Svenja (Jella Haase) ist der Rechtsextremismus eine extreme (und extrem wirksame) Methode, um ihrem spießigen Mittelstandshaushalt zu entfliehen, der der hochintelligenten, aber auch sehr zornigen Halbwaisen zum Halse raushängt. Als sich die beiden Frauen anfreunden, scheinen sich zwei Seelenverwandte gefunden zu haben. Doch dann schlägt Marisas gewalttätiger Freund nach dem Absitzen einer Haftstrafe wieder in seinem alten Milieu auf und die Situation eskaliert...

Für das Abdriften der jungen Rebellinnen sucht der Regisseur nicht nach neuen oder tiefergehenden Erklärungsmustern, sondern bringt die üblichen Argumente: Zukunftsangst, innerer Aufruhr, die falsche Liebe zur falschen Zeit oder die schlichte Wut auf alles und jeden. Trotzdem hätte man gerne mehr darüber gewusst, was die charakterfeste Marisa und die intelligente Svenja eigentlich an dem dumpf-dämlichen Umfeld finden, in das sie sich da begeben. Immerhin vermeidet es David Wnendt, „Kriegerin" zum zähen Problemfilm werden zu lassen. Stattdessen legt er gerade zu Beginn ein gutes Tempo vor, das er leider nicht bis zum Schluss aufrechterhalten kann. Sobald der Schwung nachlässt, offenbaren sich die Defizite: Nicht nur der aus melancholischem Gitarrengezupfe bestehende Score wirkt dabei unglücklich.

Auch visuell vergreift sich der Regisseur wiederholt im Ton. Speziell wenn er immer mal wieder auf die verwackelte Optik einer Handykamera umschneidet, wirkt das eher wie der unpassende Versuch, auf Biegen und Brechen auch gleich noch den Einfluss der neuen Kommunikationsmedien mit zu verhandeln. Diese Spielchen stören nicht nur den filmischen Fluss, sie besitzen auch schlicht keine erzählerische Relevanz. Und wenn Wnendt im Schlussakt dann völlig die Zügel aus den Händen gleiten, zerfällt „Kriegerin" in kurze Fragmente, die kaum zueinanderpassen, sondern lediglich dazu dienen, auf den letzten Metern noch schnell ein Ende mit Schrecken heraufzubeschwören. Da können auch die Darstellerinnen nicht mehr viel retten, obwohl Alina Levshin („Im Angesicht des Verbrechens") und Jella Haase die einsamen Lichtblicke in diesem konfusen Film sind. Während Levshin als Marisa eine in sich gekehrte und unheimlich brodelnde Performance abliefert, die mit wenig Aktion viel Wirkung erzielt, spielt Jella Haase als Svenja beherzt auf und gibt als rebellisch-zorniger Teenager ordentlich Gas.

Fazit: Gerade Jella Haase sollte man im Auge behalten. Wie zuletzt in „Lollipop Monster" liefert sie erneut eine eindrückliche Darbietung als selbstbestimmt heranwachsendes Riot Grrrl. Leider reichen die Leistungen der Hauptdarstellerinnen jedoch nicht aus, um auch den Rest des Films über den Durchschnitt zu hieven.
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