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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
Sprung in den Tod
Von René Malgo
Der neurotische Gangster Cody Jarrett (James Cagney) stellt sich freiwillig für einen Diebstahl, den er nicht begangen hat. Dieser wurde zur gleichen Zeit verübt, als er und seine Gang einen Zug ausraubten, während mehrere Menschen den Tod fanden. So gelingt es Cody, der immer enger gewordenen Schlinge der Polizei um seinen Hals zu entkommen und eine geringe Haftstrafe zu verbüßen. Doch die Polizei fällt nicht darauf herein und schickt Hank Fallon (Edmond O’Brien) unter dem Namen Vic Pardo als verdeckten Ermittler ins Gefängnis. Er soll das Vertrauen von Cody gewinnen und so in Erfahrung bringen, wo das Geld des Zugüberfalls abgeblieben ist. Während sie im Gefängnis sind, wird Codys Mutter (Margaret Wycherly) getötet. Sie ist es, die den mutterbezogenen Gangster Cody all die Jahre geleitet hat. Als Cody von ihrem Tod erfährt, dreht er durch und bricht aus. Er nimmt ein paar Vertraute sowie Fallon mit. Nun plant er blutige Rache.

Es begann 1931 als Gangster Tom Powers in Warners „Der öffentliche Feind“. Mit seiner Rückkehr zu Warner Bros. im Jahre 1949 und der Rolle in „Sprung in den Tod“ schloss sich der Kreis für James Cagney. Mit einer kraftvollen Performance als durchgeknallter, psychotischer Gangster Cody Jarrett setzte er Maßstäbe und bot eine der besten Leistungen seiner Karriere. Danach hagelte es für Cagney Angebote für weitere Rollen dieser Art. Doch „Sprung in den Tod“ sollte zu den letzten der klassischen Gangsterfilme gehören. Ähnlich wie Spiel mir das Lied vom Tod für den Western und Im Zeichen des Bösen für den Film Noir rundete „Sprung in den Tod“ eine altbewährte Stilrichtung ab und legte mit Innovationen gleich selbst den Grundstein für eine neue Epoche. „Sprung in den Tod“ zählt zu den besten Gangsterfilmen seiner Zeit und erweiterte mit Noir-Elementen und eigenwilligen, starken Charakterisierungen das Genre um neue Facetten.

Die Femme Fatale des Films ist Virginia Mayo als Codys Frau Verna. Sie hält sich nicht, ihren Mann respektvoll liebend, im Hintergrund zurück. Sie ist eine starke Frau, vulgär und nicht ungefährlich. Sie hat eine Affäre mit Codys erstem Mann in der Bande und beide planen, sie Cody zu beseitigen. Virginia Mayo kann mit ihrer exzellenten Leistung der gewaltigen Performance von Cagney die Stirn bieten und bleibt ihm ebenbürtig. Gleiches gilt auch für Margaret Wycherly. Sie spielt die listige Mutter des Gangsters mit teuflischem Vergnügen und widersetzt sich damit ihrem sonstigen Rollenklischee der alten, frommen Gutfrau.

Starke Mutterfigur und die Mutterbezogenheit des Hauptdarstellers erinnern an Werke von Alfred Hitchcock. Die Härte und Gewalttätigkeit des Films, die verdorbenen Frauenfiguren, sie entspringen deutlich der Ära des Film Noir, erweisen sich aber auch für ihre Zeit als gewagt. Die Thematik des Films fand Verwendung und Referenz in vielen nachfolgenden Filmen, unter ihnen auch „Reservoir Dogs“ und „Gangster No. 1“. Die Geschichte vom Cop, der undercover das Vertrauen eines Obergauners erschleichen muss, ist heutzutage hinreichend bekannt und wurde schon mehrfach verwendet.

Zu Recht bekam die scharfsinnige Drehbuchadaption von Ivan Goff und Ben Roberts nach einer Geschichte von Virginia Kellogg eine Oscarnominierung. Weitere Nominierungen, insbesondere für Cagney, wären eigentlich drin gewesen, aber dafür war der Film seiner Zeit dann doch zu weit voraus. Gründliche Charakterisierungen, intelligente Einfälle (der Raubüberfall mit einem Tankwagen zum Beispiel), ausgezeichnete Dialoge und vor allem psychologische Stimmigkeit bis ins letzte Detail sprechen für Film und Story.

Regisseur Raoul Walsh gehörte zu den besten seiner Zunft. Das stellte er mit „Sprung in den Tod“ eindrucksvoll unter Beweis. Schon mit „Die wilden Zwanziger“ hatte er 1939 einen überragenden Gangsterfilm mit James Cagney abgeliefert. Dieser übertrifft „Sprung in den Tod“ zwar nicht, präsentiert dafür aber die einmalige Charakterstudie eines verrückten Gangsters. Die straffe Erzählweise und musikalische Begleitung von Max Steiner machen einen Großteil der vom Film ausgehenden kraftvollen Dynamik aus. Jene ist bemerkenswert und dank der stimmigen Regie brennen sich zahlreiche Bilder in das Gedächtnis ein. Der mitreißende Film mündet in einem packenden Finale, welches dem Bösewicht einen denkwürdigen Abgang verschafft.

Als „Maschinenpistolen“ erlangte das Werk hierzulande Bekanntheit. Mittlerweile wurde der Titel, wie so oft, umgeändert. „Sprung in den Tod“ heißt der Gangster-Thriller nun. Der eine Titel ist nicht unbedingt besser als der andere, wobei die Geschichte mit Maschinenpistolen eigentlich gar nichts zu tun hat. Wer also Gangster mit den typisierenden Thompson-Maschinenpistolen erwartet und erhofft, wird enttäuscht werden. Gerade einmal taucht eine Maschinenpistole auf und das auch nur am Rande in Händen der Polizei. In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu erwähnen, dass der Betrachter in „Sprung in den Tod“ nur auf tüchtige und integere Polizisten trifft. Entgegen sonstigen, vor allem später aufgetretenen Genregesetzen fehlen hier die korrupten und unfähigen Cops. Das erhöht die Spannung, denn die Gangster haben es mit ebenbürtigen Gegnern zu tun, müssen sich nicht selbst ein Bein stellen, sondern werden tatsächlich von der Polizei in die Enge getrieben. Es scheint fast so, als wurde schon mal vorgreifend auf nachfolgende Gangster-Thriller eine Lanze für die Polizei gebrochen.

Die beängstigende Intensität eines James Cagney und die sich keinem Genregesetz unterwerfende Eigenständigkeit des außergewöhnlichen Gangster-Thrillers machen aus dem Film ein besonderes Stück Geschichte Hollywoods.
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