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    Auf der Suche
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Auf der Suche
    Von Christian Horn

    Nach „Unterwegs" und „Rückenwind" ist „Auf der Suche" der dritte Langspielfilm des deutschen Regisseurs Jan Krüger, dessen Filme im Umkreis der Berliner Schule (u.a. Christian Petzold, Thomas Arslan, Ulrich Köhler, Christoph Hochhäusler) verortet werden. Das im Forum der Berlinale 2011 aufgeführte Drama ist weit weniger von Improvisationen geprägt als Krügers bisherige Filme, vielmehr ist es vergleichsweise stringent erzählt. Weil Regisseur und Autor Krüger jedoch bisweilen dramaturgischen Stillstand zulässt und mit dem Spannungsaufbau bemerkenswert streng haushält, schleichen sich auch deutliche Längen in den mit Corinna Harfouch prominent besetzten Film ein.

    Weil ihr in Marseille lebender Sohn Simon (Trystan Wyn Puetter) verschwunden ist, reist Valerie (Corinna Harfouch) von Deutschland nach Frankreich, um sich gemeinsam mit Simons Ex-Freund Jens (Nico Rogner) auf die Suche nach dem Vermissten zu begeben. Mit dem Autohändler Jalil (Mehdi Dehbi) und der Krankenschwester Camille (Valerie Leroy) lernen die beiden zwei Bekannte Simons kennen, die ein neues Licht auf das Leben des jungen Mannes werfen. So wirkt die Suche nach Simon bald auch auf die Suchenden zurück, die sich fragen müssen, ob sie den Verschwundenen wirklich kannten oder sich nur ein Bild von ihm erdacht haben...

    Wie in den bisherigen Filmen von Jan Krüger stellt auch „Auf der Suche" das Motiv der Reise in den Mittelpunkt. Zwar bleiben Jens und Valerie die meiste Zeit über in Marseille, doch innerhalb der Stadt steuern die Suchenden immer wieder verschiedene Orte an, um Hinweise auf Simons Verbleib zu finden – ganz abgesehen davon, dass beide nach Frankreich gereist sind und im Hotel wohnen, bleibt das Reisemotiv auf diese Weise stets präsent. Es ist aber nicht nur eine äußere, sondern vielmehr noch eine innere Reise zu Simon, die beide bewältigen müssen: Die Mutter und der Ex-Freund lernen neue Seiten am Vermissten kennen und müssen diese in ihr Bild von Simon integrieren. Bald entsteht vor diesem Hintergrund eine von Jan Krüger subtil ausgeführte Konkurrenz zwischen Valerie und Jens, die sich in einem Kampf um das „richtige" Verständnis des Vermissten manifestiert.

    Dass „Auf der Suche" trotz dieser spannenden Figurenkonstellation Längen hat, liegt wohl an einem Missverständnis: Obwohl das Drehbuch kaum Informationen über Valerie und Jens preisgibt und die Figuren somit kaum in die Nähe des Publikums rückt, bringt der Regisseur die Geschichte zeitweise zum Stillstand und zeigt die Figuren in ruhigen Alltagsszenen. So entstehen regelmäßig Leerstellen, die Corinna Harfouch und Nico Rogner, wenngleich sie ihre Figuren eindringlich verkörpern, nicht füllen können. Allenfalls die sorgfältig komponierten, mit Nähe und Distanz spielenden Bilder von Kamerafrau Bernadette Paaßen schaffen hier eine gewisse Spannung für den weiteren Handlungsverlauf. Glücklicherweise kehrt Jan Krüger jedoch immer rechtzeitig zur Erzählung zurück und verhindert, dass sein Film in kunstvoller Trivialität versandet.

    Fazit: Verglichen mit Jan Krügers ersten Langfilmen ist „Auf der Suche" fast schon konventionell. Wo bislang Improvisationen, ein Hang zum Dokumentarischen und eine gewisse Verspieltheit vorherrschten, dominiert in Krügers drittem Film eine strenge Form. Ein wenig spröde ist der Film mit seiner stockenden Erzählung zwar geworden, belanglos ist die Suche des ungleichen Paares aber keineswegs.

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