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    Das verborgene Gesicht
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Das verborgene Gesicht
    Von Ulf Lepelmeier
    Ewige Zweifel und unbändige Eifersucht sind Gift für eine Beziehung und verleiten Liebende zu unüberlegten und übereilten Verzweiflungsaktionen, die in einem einzigen Moment das gesamte Leben umwerfen können. Regisseur Andrés Baiz befasst sich in seinem aus zwei Perspektiven erzählten Eifersuchtsthriller „Das verborgene Gesicht" mit dieser dunklen Seite der Liebe und beschreibt einen besonderen Versuch die Treue des Partners zu testen, der die eifersüchtige Fallenstellerin in eine schreckliche Lage versetzt. Das ist durchaus gut gespielt und solide umgesetzt – gelegentlich sogar richtig spannend. Aber es vergeht fast die halbe Spieldauer, ehe der wie eine Versuchsanordnung konstruierte und zu Beginn allzu kompliziert erzählte Film sein volles Potential entfaltet.

    Als Adrián (Quim Gutiérrez) ein Jahresvertrag als Dirigent des Symphonieorchesters von Bogotá angeboten wird, fällt seine Freundin Belén (Clara Lago) schnell die Entscheidung, mit ihm zusammen von Spanien nach Kolumbien auszuwandern. Doch dort zweifelt sie bald an der Treue Adriáns, der einer Violinistin seines Orchesters schöne Augen zu machen scheint. Als Belén von der alten Hauseigentümerin über einen mit Einwegspiegeln und einem Abhörmechanismus ausgestatteten Panikraum unterrichtet wird, hinterlässt sie ihrem Freund eine Abschiedsvideobotschaft und versteckt sich im verborgenen Refugium, um zu beobachten, wie Adrián auf ihr Verschwinden reagiert. Dummerweise bekommt sie daraufhin die Stahltür nicht mehr auf – dank Schallisolierung hat sie zudem keine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. So muss die Eingesperrte mitansehen, wie ihr Freund Trost in den Armen der naiven Kellnerin Fabiana (Martina García) findet...

    Genau wie sein Debüt, das Kriminaldrama „Satanás", erzählt der kolumbianische Regisseur Andrés Baiz auch seinen zweiten Langfilm aus verschiedenen Perspektiven. Was als nur bedingt spannender Mystery-Thriller beginnt, wandelt sich zum schmerzhaften Beziehungsthriller, als der Blickwinkel von der schreckhaften Fabiana zur verzweifelt in der geheimen Kammer festsitzenden Belén wechselt. Während die anderen Suspense-Elemente äußerst konventionell ausfallen und zudem sehr früh aufgelöst werden, ist die tragische Situation der physisch und psychisch festsitzenden Belén fesselnd inszeniert und gespielt.

    Fast zwangsläufig leidet man mit der ungehört vor Eifersuchtsschmerz und Verzweiflung aufschreienden Belén mit, die in Fabiana die ehrlose Kontrahentin sieht, zugleich aber darauf angewiesen ist, dass die merkwürdige Geräusche hörende Kellnerin auf sie aufmerksam wird. Dabei verschiebt sich mit dem Wechsel der Erzählperspektive auch der Eindruck, den die beiden Frauen beim Publikum hinterlassen, was sich als ein sehr wirkungsvoller Kniff erweist. Weniger herausfordernd, sondern eher störend fallen unterdessen einige Handlungslücken auf, das alles spielt aber keine Rolle mehr, als Beléns missliche Situation in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt wird und die Geschichte an Fahrt aufnimmt.

    Dass das letzte Drittel des Films mit der eingesperrten Eifersüchtigen im Zentrum am intensivsten und eindringlichsten gerät, liegt nicht zuletzt an Clara Lago („For The Good Of Others") in der Rolle der gefangenen Belén. Sie macht von allen Darstellern die beste Figur und meistert die Rolle der eifersüchtigen Liebenden in einer scheinbar ausweglosen Situation mit Bravour. Lago verleiht sowohl Beléns unbändigem Überlebenswillen als auch ihrer schieren Verzweiflung den nötigen Nachdruck. Im Vergleich dazu bleibt die Figur des Dirigenten Adrián, um dessen Aufmerksamkeit und Liebe die beiden Frauen buhlen, derweil ziemlich farblos: Quim Gutiérrez („Dunkelblau Fastschwarz") wirkt weder als Vollblutmusiker noch als Geliebter wirklich passioniert, vielmehr lässt er Adrián starr und unnahbar erscheinen. Martina García („Rabia - Stille Wut") wiederum bekommt als verspielt-naive Fabiana kaum Gelegenheit, sich zu profilieren, macht aber das Beste aus der Rolle.

    Fazit: „Das verborgene Gesicht" ist ein handwerklich solides und vor allem im letzten Drittel sehr spannendes Eifersuchtsdrama über die beängstigende Vorstellung, in den eigenen vier Wänden eingesperrt zu sein und machtlos mitansehen zu müssen, wie die ärgsten Albträume wahr werden.
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