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Honey 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Honey 2
Von Maren Koetsier
Der Videoclip-Regisseur Bille Woodruff hat schon mit seinem Kinodebüt „Honey" bewiesen, dass mit Tanzfilmen auch lange nach „Dirty Dancing" Kasse zu machen ist – unabhängig davon, dass der Streifen mit Jessica Alba von der Kritik überwiegend verhauen wurde. Immerhin: „Honey" bescherte der bis dahin vor allem als Seriendarstellerin bekannten Alba („Dark Angel") ihren Leinwand-Durchbruch. Ob dem „The Vampire Diaries"-Serienstar Katerina Graham mit ihrer Rolle als Maria im zweiten Teil ein ähnliches Glück zu Teil wird, muss sich zeigen. Dass Tanzfilme auch rund acht Jahre nach „Honey" unverändert ankommen, haben die Besucherzahlen für „Step Up 3D" von 2010 beweisen. Es ist also nicht verwunderlich, dass Woodruff sein kommerziell erfolgreiches Debüt fortführt. Da der Tanzfilm noch enger schematisiert ist als etwa das bereits für seine Formelhaftigkeit verschriene Genre der romantischen Komödie, steht er dabei vor der großen Herausforderung, den x-ten Ausflug aufs Tanzparkett mit neuen, reizvollen Facetten zu legitimieren. Das gelingt ihm mit „Honey 2" durchaus - wenn auch mit Abstrichen.

Die 17-jährige Maria (Katerina Graham) wird aus der Jugendhaft entlassen und kommt in die Obhut von Connie Daniels (Lonette McKee), Honeys Mutter und Leiterin eines Tanzstudios. Ihre Bewährungsauflagen machen Marias Leben nicht gerade leichter. Anstatt noch einmal die Schule zu besuchen, leistet Maria Sozialstunden im Tanzstudio ab und arbeitet in einem kleinen Supermarkt. Auch wenn sie energisch versucht, ihr altes Leben mit einem Neustart hinter sich zu lassen – es gelingt ihr zunächst nicht. Ihr ehemaliger Freund Luis (Christopher Martinez) versucht sie wieder in das Milieu zu ziehen, das ihr so viele Schwierigkeiten bereitet hat. Doch Maria bleibt stark und schließt sich der „HD"-Crew, einer Tanztruppe aus dem Studio von Connie, an. Zusammen trainieren sie, um in die Fernsehshow „Battlezone" zu kommen und die „718"-Crew von Luis zu schlagen...

Beim unveränderten Tanzfilm-Erfolg der vergangenen Jahre ist es nachvollziehbar, dass Woodruff sein Kinodebüt aus der Schublade hervorholt und ein Sequel feilbietet. Die Geschichte der ursprünglichen Protagonistin Honey ist mit dem gleichnamigen Film zwar bereits auserzählt – im Sequel-Kalkül macht dieser Umstand allerdings schlichtweg keinen Unterschied. „Honey 2" spielt einmal mehr in der Bronx, das Tanzstudio von Honey existiert, ihre Mutter Connie ist die Leiterin, aber von Honey selbst und ihrem Vater fehlt jede Spur. Die Drehbuchautoren Blayne Weaver („Weather Girl") und Alyson Fouse („Scary Movie 2") haben eine beinahe vom Original losgelöste Geschichte geschrieben, mit Maria ein neues Gesicht eingeführt und sie ins Filmuniversum des Vorgängerfilms gesetzt. Die Fortsetzung wird über den Titel als Marke verkauft, hätte inhaltlich aber auch als alleinstehender Film ohne diesen Bezug funktioniert.

Maria durchläuft einen Integrationsprozess. Aus der Jugendhaft entlassen, stellt sich die 17-Jährige die Frage, wer sie sein will und wie ihr Leben aussehen soll. Zunächst weiß sie bloß, dass nichts mehr so sein soll wie zuvor. Warum? Das muss sich Woodruffs Publikum selber zusammenreimen. Denn die Szenen, in denen ihre Vergangenheit illustriert wird, sind so bunt gezeichnet, dass darüber zu keinem Zeitpunkt Dringlichkeit vermittelt wird. Vor allem der Prolog im Gefängnis erinnert eher an ein Feriencamp. Um über die fehlende Tiefe der klischeebeladenen Figuren hinwegzutäuschen, lässt Woodruff die Emotionen der Figuren durch Tanz und Musik überspielen. Die Handlung ist sprunghaft, ein Konflikt jagt den nächsten, immer wieder tauchen neue Hindernisse auf. Maria bekämpft sich selbst, ihre Pflegemutter, ihren Ex- und neuen Freund und beinahe jeden anderen. Das wird auf Dauer ermüdend. Immerhin sorgen die tollen Tanzszenen, die Woodruff mit nahezu zwanghaftem Rhythmus einschiebt, für willkommene Auflockerung.

ChoreographRosero McCoy, der schon bei „Step Up" und zahlreichen Musiksequenzen bekannter Filme wie „Vanilla Sky" oder „After the Sunset" mitgewirkt hat, übertrifft sich ein ums andere Mal mit seinen Tanzsequenzen. Geschickt setzt Woodruff Zeitlupen ein, um die Dynamik dieser Szenen hervorzuheben. Für den Soundtrack zeichnen zum großen Teil die Produzenten und Komponisten Kadis & Sean verantwortlich. Mit R&B, Soul, Hip-Hop und härteren Sounds bietet der Film einen ausgewogenen und abwechslungsreichen Musikmix, der Lust auf den nächsten Diskobesuch macht. Im letzten Kapitel nehmen die Tanzsequenzen dann aber Überhand und schieben die Handlung weit in den Hintergrund. Gerade die Handlungsbögen um die TV-Fernsehshow „Battlezone" dienen nur noch als Einschub.

Dutzende verschiedene Tänze, aufgeführt von ebenso vielen unterschiedlichen und überzeugenden Schauspielern und Tänzern, werden innerhalb weniger Minuten einfach abgespult, bis „Honey 2" in einem audiovisuellen Mahlstrom mündet. Der Film wirkt in diesen Momenten, als hätte Woodruff eine Casting-TV-Show im Schnelldurchlauf inszeniert. „Honey 2" ist schlichtweg überladen: Der Regisseur baut Twists ein, wo keine nötig sind, während er sein Publikum mit Tanzsequenzen en masse und verschiedensten Musikstilen bombardiert – hier wäre weniger tatsächlich mehr gewesen. Genrefans werden trotzdem ihre Freude an „Honey 2" haben – nicht zuletzt wegen der für sich genommen starken Tanzdarbietung, vor allem von Hauptdarstellerin Katerina Graham, und der Videoclip-lastigen, kinetischen Inszenierung, über die das Tanzparkett-Treiben beeindruckend eingefangen wird.
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