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    The Loft
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    The Loft
    Von Andreas Staben
    Als Alfred Hitchcock in Hollywood ein Remake eines seiner eigenen britischen Filme („Der Mann, der zu viel wusste“) drehte, hat er das Original nach landläufiger Meinung deutlich übertroffen. Ähnliches strebt der Belgier Erik van Looy („The Alzheimer Case“) an, der seinen Thriller „Tödliche Affären“ von 2008 nun unter dem Titel „The Loft“ in die USA verpflanzt. Von Antwerpen und Düsseldorf geht es nach Los Angeles und San Diego, ansonsten wird die ausgeklügelte Konstruktion des Originaldrehbuchs von Bart de Pauw auch in der Bearbeitung durch Wesley Strick („Kap der Angst“) beibehalten und im Detail noch zugespitzt. Es entsteht ein sonnengleißender und dennoch düsterer Hochglanz-Krimi über männliche Abgründe, bei dem die erzählerischen Schrauben am Ende soweit überdreht werden, dass nicht nur die Lügen und Geheimnisse der Protagonisten auffliegen, sondern auch das gesamte filmische Kartenhaus in sich zusammenfällt. Während beim Original einige raue Ecken und Kanten für eine gewisse beunruhigende Bodenhaftung sorgten, verkommt die Neuverfilmung gerade durch ihre ausgestellte und durchaus reizvolle Perfektion zur etwas abgehobenen Stilübung.

    Der Architekt Vincent Stevens (Karl Urban) überrascht seine Freunde mit einem ungewöhnlichen Geschenk: Er überreicht Luke (Wentworth Miller), dem Psychiater Chris (James Marsden), Filip (Matthias Schoenarts) und Marty (Eric Stonestreet) unter dem Siegel der Verschwiegenheit jeweils einen Schlüssel für das Luxus-Loft in seinem neuesten Gebäude und bietet ihnen damit die Gelegenheit für außereheliche Affären im Designer-Ambiente, die sie schließlich alle fünf nutzen. Es scheint das perfekte Arrangement zu sein, bis Luke eines Tages eine Frauenleiche im Apartment vorfindet. Die Schlüsselinhaber werden zusammengetrommelt und sind sich bald uneins über das weitere Vorgehen. Sollen sie zur Polizei gehen oder alles vertuschen? Die Spannungen wachsen und schnell verdächtigen sich die Freunde gegenseitig...


    Schon der belgische „Loft“ wurde wegen seiner windungsreich verschachtelten Struktur und überraschenden Twists häufig mit Bryan Singers und Christopher McQuarries Mindfuck-Thriller „Die üblichen Verdächtigen“ verglichen, doch beim Remake ist die Verwandtschaft noch deutlicher. Wie ein gut geöltes Uhrwerk läuft die Handlung aus Mord und Intrigen, Täuschung und Betrug hier ab und wird vom schick-sterilen Designer-Look perfekt ergänzt. Für jene Zuschauer, die das Original nicht kennen, ist das ziemlich spannend und der Spaß beim Mitraten wird erst im letzten Drittel getrübt, wenn es dann doch zu einigen recht abstrusen Wendungen kommt. Allerdings bleibt das Vergnügen so oder so ein äußerliches, denn die Welt des Hollywood- „Loft“ ist eine reine Projektion, bevölkert von weitgehend leblosen Kunstfiguren. Die „Masters of the Universe“-Attitüde von Typen wie dem arroganten Vincent mag ein konsequenter Ausdruck der Abgehobenheit und Realitätsferne eines gewissen Milieus (und auf einer selbstreflexiven Ebene auch großer Teile des Hollywood-Kinos) sein, doch fehlt van Looys Spiel der verheißungsvoll glänzenden Oberflächen die menschliche Fallhöhe - trotz eines spektakulär gefilmten Sturzes, der die Erzählung rahmt.

    Regisseur Erik van Looy zeigt uns eine seelenlose Macho-Welt von Luxus und Privilegien, Macht und Geld: Frauen sind hier nur hübsche Staffage (gespielt von Isabel Lucas, Rachael Taylor und Rhona Mitra) und selbst die zaghaften Skrupel des als Sympathieträger vorgesehenen Psychiaters Chris erscheinen nur als fernes Echo echter Emotionen. Es lässt sich darüber streiten, ob der schöne Schein hier entlarvt wird oder ob die Filmemacher ihm selbst erliegen – letztlich trifft wohl beides irgendwie zu, was „The Loft“ zumindest interessant macht. Aber das hier kühl aufgefächerte Themenspektrum von angedeuteter Korruption über Überwachungswut und Voyeurismus bis zu sexueller Ausbeutung besitzt ohne menschliches Drama nur Schlagwortcharakter - mehr als das kann es ohne mehrdimensionale Figuren kaum geben. Dass etwa der im Original wie im Remake von Matthias Schoenarts („Der Geschmack von Rost und Knochen“) verkörperte Filip im ersten Film voller Komplexe steckte und eine faszinierend beunruhigende Präsenz besaß, während er nun nur noch vage Aggression ausstrahlt, ist symptomatisch.

    Fazit: Für Freunde filmischen Rätselratens durchaus spannendes, aber oberflächliches Thriller-Remake.
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