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Love Is All You Need
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Love Is All You Need
Von Robert Cherkowski
Nirgendwo ist die Luft so dünn wie auf dem Karriere-Gipfel. Das weiß auch Susanne Bier, die 2011 für ihr Drama „In einer besseren Welt" den Oscar für den Besten nicht-englischsprachigen Film gewonnen hat. So ein Erfolg lässt sich nicht einfach wiederholen, doch die Erwartungshaltung an den „Film danach" ist dennoch so hoch, dass man ihr kaum gerecht werden kann. Statt dabei erneut auf ein schweres Drama zu setzen, geht Susanne Bier mit „Love Is All You Need" in eine ganz andere Richtung und lässt es ruhig angehen. Ihr zwölfter langer Spielfilm ist eine lockere Fingerübung und gleicht eher einem entspannten Spaziergang entlang der Mittelmeerküste als einem Griff nach den Sternen. Die bittersüße Romanze „Love Is All You Need" ist sicher nicht Biers Meisterwerk, aber dafür darf sich der Zuschauer hier fühlen wie ein gern gesehener Gast im Haus eines guten Freundes.

Ida (Trine Dyrholm) sieht ein Licht am Ende des Tunnels. Nach langen Jahren scheint sie endlich den Krebs besiegt zu haben und kann sich nun wieder den schönen Seiten des Lebens widmen. Ein erster Schritt ist die Reise ins italienische Sorrent, wo sie der Hochzeit ihrer Tochter Bitten (Lina Kruse) mit Patrick (Sebastian Jessen) beizuwohnen gedenkt. Kurz vor der Abreise wird sie jedoch Zeuge, wie ihr etwas tumber Gatte Leif (Kim Bodnia) sie mit der jungen Tilde (Christiane Schaumburg-Müller) betrügt. Empört reist Ida allein nach Italien. Auch Patricks Vater Philip (Pierce Brosnan) hat es nicht leicht. Nach dem Unfalltod seiner Frau hat er sich in die Arbeit gestürzt und hält seine Mitmenschen auf Distanz. Am Flughafen lernen sich Ida und Philip kennen und nutzen die gemeinsame Reise, um sich zunächst ausgiebig anzugiften, bevor sie sich - am Ziel angekommen - langsam näherkommen. Probleme macht nur Philips zänkische Schwägerin Benedikte (Paprika Steen), die ihrerseits in den attraktiven Witwer verschossen ist und jede Gelegenheit zum Herumzicken nutzt. Als dann noch Leif mitsamt neuer Flamme auftaucht, ist das Chaos perfekt, denn auch mit der geplanten Hochzeit gibt es Probleme.

Auch wenn sich die Inhaltsangabe mehr oder weniger wie die einer Beziehungskomödie der Marke Woody Allen liest – der in diesem Jahr mit „To Rome With Love" bekanntermaßen eine eigene italienische Reise antrat – und sich eine beachtlich große Darstellerriege am bunten Treiben beteiligt, liegt der Fokus von „Love Is All You Need" bei der sich anbahnenden Liebelei zwischen Ida und Philip. Trine Dyrholms („Die Königin und der Leibarzt", „In deinen Händen") Ida bildet dabei das emotionale Zentrum: Gerade vom Krebs geheilt, das Scheitern ihrer Ehe vor Augen schwankt sie zwischen Lebensmut und Lebenswut und hadert mit der Frage, ob sie den romantischen Anwandlungen Philips nachgeben soll oder jede Gefahr weiterer Verletzungen fürs Erste meiden sollte. Brosnan wiederum verleiht dem mürrischen Patrick eine zurückgelehnte Gelassenheit wie sie nur ein ehemaliger Geheimdienstler ihrer Majestät innehat. Das, was ihm Dyrholm an Facettenreichtum voraus hat, macht er mit schierer Starpower und Präsenz wett und liefert einen weiteren sehenswerten Beitrag zu seinem entspannten Post-007-Alterswerk. Zu beobachten wie sich die verletzten, von Schicksalsschlägen und Enttäuschungen gebeutelten Eltern umkreisen, sich zaghaft einander nähern und doch immer wieder auf verschämte Distanz gehen, macht den Reiz von „Love Is All You Need" aus.

Bei einem so gut aufgelegten Darstellergespann, einer entspannten Inszenierung und einem gehörigen Maß an Emotionen, die nur selten in die Nähe des Kitsch geraten, fallen einige problematische Seiten nicht sehr stark ins Gewicht, aber sie sind dennoch unübersehbar. Es zeigt sich etwa gelegentlich, dass Susanne Bier zwar eine große Dramatikerin ist, Komik jedoch nicht unbedingt zu ihren Stärken gehört. Während ihr der grundsätzlich eher lockerer Erzählton durchaus liegt, misslingen ihr ab und zu die reinen Komödien-Momente und es laufen einige witzig gemeinte Pointen ins Leere. Was bleibt, ist ein Film zum gelegentlichen Schmunzeln, der vielleicht etwas lang geraten ist und allzu viele Nebenfiguren und –handlungen aufbietet. Darüber können auch engagierte Darsteller wie Line Kruse („Eine Familie") und Sebastian Jessen als Ehepaar in spe oder Christiane Schaumburg-Müller als Leifs neue junge Freundin nicht immer hinwegspielen. Aber den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen nicht die kleineren Fehlgriffe, sondern die großen Gefühle und die hervorragend aufgelegten Hauptdarsteller.

Fazit: „Love Is All You Need" ist eine sommerliche Tragikomödie um das Suchen und Finden neuer Liebe: ein sehr schöner Film mit kleinen Schwächen.
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