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Blue Crush 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Blue Crush 2
Von Jan Görner
Fast ein Jahrzehnt ist es her, dass John Stockwells „Blue Crush" von 2002 durch die Verbindung von Coming-of-Age-Drama mit feministischem Unterton und sehenswerten Surf- und Landschaftsaufnahmen ein moderater Erfolg beschieden war. Reichlich spät erscheint nun mit „Blue Crush 2" eine Direct-to-DVD-Fortsetzung. Verkündete Stockwell im Erstling noch, dass die Leidenschaft fürs Wellenreiten keine Sache des Geschlechts ist, lautet die Botschaft im Sequel von Mike Elliott („Beethovens großer Durchbruch") nun, dass man sogar weiblich, weiß und wohlhabend sein kann – und trotzdem eine begeisterte Surferin. Man höre und staune.

Die privilegierte Dana (Sasha Jackson) lebt mit ihrem Vater Joel (Gideon Emery) in Beverly Hills. Ihre große Liebe gilt dem Meer und dem Surfen. Eines Tages beschließt Dana, die südafrikanischen Spots zu besuchen, die ihre früh verstorbene Mutter schon immer surfen wollte. Auf dem Weg zum Strand schließt sie Freundschaft mit der Einheimischen Pushy (Elizabeth Mathis), welche Dana – nachdem dieser all ihre Wertsachen gestohlen wurden - mit in eine Surfer-Kommune nimmt. Um in ein professionelles Frauen-Surfteam aufgenommen zu werden, muss Pushy sich mit ihrer Erzrivalin Tara (Sharni Vinson) auseinandersetzen, während Dana sich nicht zwischen dem nachdenklichen Tierfreund Tim (Ben Milliken) und seinem Kumpel, dem großspurigen Grant (Chris Fisher) entscheiden kann. Auf ihrer gemeinsamen Odyssee nehmen die jungen Frauen dabei zum ersten Mal ihr Schicksal selbst in die Hand...

„Blue Crush 2" offenbart höchstens noch geistige Nähe zum ersten Teil. Keine der Original-Figuren hat einen Auftritt und das ist eigentlich auch nicht nötig; vielmehr ist dieses Sequel - sieht man vom Titel einmal ab - ein gänzlich eigenständiges Werk. Neu ist es trotzdem nicht. Gläubig folgt Regisseur Mike Elliot dem gängigen Surferfilm-Muster: Surf-Aufnahmen in extremer Zeitlupe zu fetzigem Pseudo-Garagenrock, anschließend Charaktermoment samt uninspiriert dahergeschriebenem Dialog, Tanzcollage zu leichtem Popsound, noch eine Extrarunde Jugendromanze und dann schnell zurück aufs Brett. Auftragen, Auswaschen, Wiederholen, fertig. Das Augenmerk liegt dabei klar auf den ästhetisierten Surf-Sequenzen. Der Schmelz der Geschichte, die Adoleszenz-Reise einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst, trägt sich schnell ab. Hölzernes Spiel und Klischee-Figuren tun ihr Übriges, um „Blue Crush 2" als narrative Niete auszuweisen.

Wenn zwischen den Slow-Mo-Ausflügen noch Zeit bleibt, verwendet Drehbuchautor Randall McCormick („Speed 2", „Scorpion King: Aufstieg eines Kriegers") viel Zeit darauf, das sorgenfreie Leben in der selbst gezimmerten Wellenreiter-Siedlung zu porträtieren. Dass jemand, dessen erklärte Hauptsorge es ist, möglichst bald die „perfekte Welle" zu erklimmen, keine echten Probleme haben kann, versteht sich von selbst. Umso gewollter und windiger wirkt es schließlich, wenn sich z.B. der Love Interest als gieriger Wilderer herausstellt. Aber nicht nur die Zeichnung der Nebenfiguren ist verpfuscht. Als deutlich schwerwiegender erweist sich die Charakterisierung der Protagonistinnen. Mit der Etablierung Danas als verwöhntes reiches Mädchen, das gerne vorgibt, es zu hassen, reich zu sein, tun sich Elliot und McCormick keinen Gefallen.

Wie schrecklich es ist, wenn der Erziehungsberechtigte fordert, doch gefälligst Nobel-Geländewagen statt Fahrrad zur Fortbewegung zu nutzen, das dürfte wohl der geringste Teil des Publikums nachvollziehen können. Auf der anderen Seite ist Pushys Herkunft aus einem der Schwarzen-Slums lediglich Hintergrund für einen launigen Disco-Abend im Elendsviertel. Mit dem Ausfall von Drehbuch und Regie können auch die Darsteller „Blue Crush 2" nicht vor dem Absaufen retten. Am ehesten überzeugt noch der hauptsächlich im Videospiel-Geschäft tätige Gideon Emery („Takers") als besorgter Vater Joel. Auch die TV-erfahrene Australierin Sharni Vinson („Step Up 3D") als biestiges Alpha-Weibchen Tara verkauft sich zumindest nicht unter Wert.

Unglücklicherweise sind es aber die Hauptdarstellerinnen Elizabeth Mathis („Unstoppable - Außer Kontrolle") und Sasha Jackson, welche hier im Zentrum stehen. Das ungelenke Spiel des Gespanns ist phasenweise schlichtweg unerträglich. Fairerweise sei erwähnt, dass Dialogzeilen à la „Du hättest sie nicht nach Los Angeles bringen dürfen! Das hat sie umgebracht, nicht der Krebs!" keinem Vertreter der spielenden Zunft die Arbeit erleichtern. Unfreiwillig komisch wird „Blue Crush 2" dann im Abspann: Die besonders schwierigen Surf-Stunts wurden von Männern durchgeführt. Mit dem verwehten Nachruhm eines ohnehin eher durchschnittlichen Originals im Rücken, ist „Blue Crush 2" höchstens Dutzendware. Mit fast zwei Stunden Laufzeit erweist sich der halbgare Direct-to-DVD-Titel zudem als echte Geduldsprobe.
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