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Die Pinguine aus Madagascar
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Die Pinguine aus Madagascar
Von
Sie sind das Salz in der Suppe, das Comedy-Gold für jeden Animationsfilm. Die Rede ist von den verschrobenen Nebenfiguren wie Timon und Pumbaa in „König der Löwen“, Kronk in „Ein Königreich für ein Lama“, Scrat in „Ice Age“ oder den Minions in „Ich – Einfach unverbesserlich“. Solche Figuren werden gern auch für TV-Serien, Direct-to-DVD-Produktionen oder Kurzfilme in den Mittelpunkt gerückt, die Pinguine aus „Madagascar“ aber sollen nun auch einen abendfüllenden Animationskinofilm von Simon J. Smith und Eric Darnell tragen. Doch taugen die in der „Madagascar“-Trilogie bewusst sehr wohldosiert eingesetzten watschelnden Spaßmacher auch als Kinohelden? Im Falle des programmatisch betitelten „Die Pinguine aus Madagascar“ muss diese Frage mit einem entschieden-unentschiedenen „Jein“ beantwortet werden. So erfrischend einige der Ideen gerade zu Beginn sind, so gelungen man sich da noch selbst auf Korn nimmt, so beliebig wirkt die Animationskomödie im späteren Verlauf, auch weil die von den Mitgliedern der Hip-Hop-Band Die Fantastischen Vier gesprochenen Pinguin-Protagonisten zu sehr im eindimensionalen Nebenfiguren-Schema verbleiben. Der Film ist zwar niemals langweilig und bietet immer wieder auch gelungene Momente, bisweilen gibt es aber auch einigen Leerlauf.

Zum zehnten Geburtstag ihres jüngsten Mitglieds Private (Stimme: Christopher Knights/Smudo) lässt die von Skipper (Tom McGrath/Michi Beck) angeführte, vierköpfige Pinguin-Gang den aus „Madagascar 3: Flucht durch Europa“ bekannten Zirkus hinter sich und bricht in Fort Knox ein. Man will allerdings nicht die dort liegenden Goldreserven stehlen, sondern vielmehr an ein paar besonders leckere und nur noch im dortigen Personalraum erhältliche Käsechips gelangen. Doch das Abenteuer endet jäh, als der finstere Tintenfisch Dave (John Malkovich), der sich gerne auch mal als menschlicher Forscher Dr. Octavius Brine tarnt, das Quartett bis ins italienische Venedig entführt. Er hasst die Pinguine, weil sie ihm mit ihrem süßen Aussehen einst im Zoo die Show stahlen. In letzter Sekunde werden die Pinguine von vier Angehörigen der Geheimorganisation Nordwind gerettet, die von einem als Agent Geheimsache bekannten Wolf (Benedict Cumberbatch/Heino Ferch) angeführt werden. Doch der fiese Bösewicht und seine Oktopus-Bande sind damit noch lange nicht gestoppt, denn Dave will allen Pinguinen auf der ganzen Welt an die Federn. Das ist die Chance für Skipper, Ideenfabrikant Kowalski (Chris Miller/Thomas D), Hitzkopf Rico (Conrad Vernon/And.Ypsilon) und den jungen Private dem hochnäsigen Team von Nordwind zu zeigen, dass auch sie echte Agenten und keine Witzfiguren sind…




„Die Pinguine aus Madagascar“ beginnt mit einem richtig gelungenen Prolog „vor einigen Jahren“. Es wird gezeigt, dass Skipper, Kowalski und Rico das Pinguin-Leben bereits als Kleinkinder kritisch sehen und sich fragen, was das endlose Marschieren in einer Reihe soll. Als plötzlich ein Ei durch die Eislandschaft kullert und dies keinen der älteren Pinguine kümmert, sind sie mittendrin in ihrem ersten Abenteuer und wir als Zuschauer in einem lustigen Vorspann, in dem vor allem die durch „Die Reise der Pinguine“ losgetretene Tier-Doku-Welle aufs Korn genommen wird. Mit für einen Kinderfilm teils ziemlich bissigen Kommentaren wird das Knuddel-Image der Seevögel aufs Korn genommen, bis auf die vier Helden sind alle anderen Pinguine ziemlich dumme Herdentiere, die alles nur machen, weil es schon immer so war. Die Krönung ist der Auftritt eines Dokumentarfilmers (im Original gesprochen von Regielegende Werner Herzog!), der gerne ein wenig nachhilft, um spannende Bilder zu bekommen. Mit ähnlich hoher Schlagzahl und Trefferzahl geht es erst einmal weiter und so wird beim Einbruch in Fort Knox zum Beispiel ein Zebrastreifen (!) zur Tarnung genutzt: ein clever in Szene gesetzter Einfall, bei dem eine Lachsalve im Kinosaal garantiert ist.

Doch je stärker in „Die Pinguine aus Madagascar“ die Jagd auf den Bösewicht in den Vordergrund rückt, desto eintöniger gerät das Geschehen. Während der Schurke an sich noch recht originell ist – so sorgt sein stetiger Wechsel zwischen seinem wahren Ich als Tintenfisch und seiner Tarnung als menschlicher Forscher im weißen Kittel für ein paar Schmunzler -, sind alle anderen Figuren so eindimensional, dass bald nur noch die immer gleichen Witze wiederholt werden: Skipper gibt Befehle, Kowalski analysiert die Lage, Rico frisst alles und Private wird ignoriert, weil er für die anderen nur das kleine Maskottchen ist. Er darf dann als einziger eine Entwicklung durchmachen und zeigen, was er kann, doch das kommt genauso erwartet wie der ganze Rest des Finaldrittels. Dieses erzählerische Problem wird dadurch noch vergrößert, dass es mit Nordwind gleich noch ein zweites vierköpfiges Team mit ähnlicher Binnendynamik gibt. Dort ist Schneeeule Eva (Anne Mahendru/Conchita Wurst) darauf beschränkt, Kowalski schöne Augen zu machen, und der etwas einfältige Polarbär Corporal (Peter Stormare) darf immer nur wiederholen, wie knuffig er die Pinguine findet. So hat jede Figur ihren Running Gag, der bis zur absoluten Ermüdung wiederholt wird.

Auch mit den vielen überbordenden Action-Szenen gelingt es den Machern zu selten, das Geschehen wirklich aufzupeppen. „Die Pinguine aus Madagascar“ sieht ohne Frage richtig gut aus – kein Vergleich zur eher hölzern animierten TV-Serie mit den vier Figuren. Unmotivierte Schauplatzwechsel in Sekundenschnelle wie der von Fort Knox im US-Bundestaat Kentucky nach Venedig ergeben zwar keinen Sinn (offensichtlich hatte jemand eine Idee für eine Actionszene mit Gondolieri – also musste man schnell in die Lagunenstadt), sorgen aber für Abwechslung. Es geht dann auch noch nach Shanghai und New York, so können sich die Regisseure zumindest in sehenswerten Kulissen austoben und lokale Gegebenheiten nutzen, was aber wenig hilft, wenn ein Großteil der Gags immer gleich bleibt. Die besten Momente gibt es noch, wenn eine Spur Selbstironie mitschwingt. So nehmen die Macher einmal sogar selbst ihre übertrieben plötzlichen Schauplatzwechsel aufs Korn. Dazu gibt es immer wieder ein paar herausragende visuelle Elemente und Ideen (vor allem wenn Dave zur Umsetzung seines Plans schreitet), so dass „Die Pinguine aus Madagascar“ zwar gegen Ende etwas ermüdend ist, aber bis zum Schluss auch immer wieder unterhaltsame Sequenzen bietet.

Fazit: „Die Pinguine aus Madagascar“ hat einen starken Anfang, bietet danach aber nur noch durchschnittliche Unterhaltung und zeigt, dass lustige Nebenfiguren nicht automatisch als Protagonisten für einen ganzen Film geeignet sind.
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Kommentare

  • Jacques S.
    Wenn die Synchro schwach ist, sollte man den Film einfach im Original sehen. Von mir aus mit Untertiteln. Die Synchro sollte nie als ein Qualitätskriterium für einen Film herangezogen werden. Dies zu den Kommentaren, ansonsten stimme ich weitgehend mit Filmstarts überein, würde dem Film aber 3 Sterne geben, da er doch von Anfang bis Ende kurzweilig und unterhaltsam ist, viel mehr hatte ich auch nicht erwartet von so einem Spin-Off.
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