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    Good Vibrations
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Good Vibrations
    Von Asokan Nirmalarajah
    Nach seiner Premiere auf dem Belfaster Filmfestival Ende Mai 2012 lief „Good Vibrations“, der zweite Langfilm des verheirateten Regie-Duos Lisa Barros D‘Sa und Glenn Leyburn, fast ein Jahr lang erst einmal auf europäischen Festivals und sorgte dort mit einigen positiven Stimmen für Aufsehen. Als das britisch-irische Musik-Biopic über den Werdegang der lokalen Produzentenlegende dann schließlich im März 2013 in den britischen Kinos anlief, überschlugen sich Teile der Presse endgültig mit Lobeshymnen. Der namhafte Filmkritiker Mark Kermode erklärte „Good Vibrations“ sogar zum besten Film des Kinojahres 2013. Nun kommt die liebevoll gestaltete Hommage an einen Wegbereiter der irischen Punk-Szene der 70er Jahre auch in die deutschen Kinos. Ganz kann sie dabei der vorauseilenden Reputation aber trotz des charismatischen Hauptdarstellers und des exzellenten Soundtracks nicht gerecht werden.

    Belfast, Ende der 70er Jahre. Terri Hooley (Richard Dormer) liebt und lebt Musik. Schon als Kind vergrub sich der Belfaster DJ in seine Plattensammlung und träumte von einer besseren Welt. Doch seit den sich häufenden Unruhen zwischen seinen protestantischen und katholischen Freunden ist er dazu verdammt, seine Platten in leeren Nachtclubs aufzulegen. Eines Abends begegnet er dort seiner späteren Frau Ruth (Jodie Whittaker). Mit ihrer Unterstützung beschließt Terri dem Untergang seiner Stadt Einhalt zu gebieten und eröffnet auf der meistzerstörten Straße von Belfast einen Plattenladen namens „Good Vibrations“. Doch die Kassen bleiben leer. Ein junger Kunde weist Terri auf das Problem hin: Die vielleicht wichtigste neue Musikbewegung der Stadt ist in den Regalen nicht vertreten: der Punk. Terri besucht daraufhin eine Szene-Bar und willigt schnell ein, die lokalen Punk-Bands zu produzieren und zu veröffentlichen – auf einem eigens gegründeten Label…


    In der Schlüsselszene von „Good Vibrations“ ist zu sehen, wie Terri Hooley die mitreißende Kraft der Punk-Musik und des großen Gemeinschaftsgefühls der Szene erstmals am eigenen Leib verspürt. Verärgert von den Übergriffen militanter Gruppen aus seiner Nachbarschaft und der willkürlichen Gewalt der Polizei, lässt er sich von der antiautoritären Haltung der Punk-Rocker anstecken. Als er sieht wie die Gruppe Rudi mit dem Song „Big Time“ einige Polizisten aus dem Pub pöbelt, fängt Terri Hooley sofort Feuer für die neue Musikrichtung und will sie um jeden Preis verbreiten. Dabei legt er jedoch eine Naivität an den Tag, die ihn wiederholt in den finanziellen Ruin zu stürzen droht. Das fehlende Problembewusstsein Terris spiegelt sich bedauerlicherweise auch im Film selbst: Bisweilen werden die familiären und sozialen Probleme allzu plakativ und oberflächlich geschildert. Trotz des ironisch-verspielten Humors und der nostalgisch gefärbten Optik, eröffnet die grobschlächtige Figuren- und Milieuzeichnung schlussendlich zu selten befriedigende Einblicke in die Geschichte der Belfaster Punk Szene.

    Richard Dormer, bekannt für seine Nebenrolle als Lord Beric Dondarrion aus der HBO-Kultserie „Game of Thrones“, vermittelt den Enthusiasmus und Aktivismus von Terri Hooley mit viel Charme und Spielfreude. Sein wohlklingender irischer Akzent, seine vor Freude funkelnden Augen und sein Dauergrinsen tragen den Film oft über die Schwächen von Drehbuch und Regie hinweg. Dem regieführenden Ehepaar Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn gelingt es daneben zu selten, den charismatischen Hauptdarsteller mit ihrer Inszenierung zu unterstützen. Nur bei den peppigen Montagen und der Wiedergabe der vielen populären Songs der Ära - von The Undertones über Rudi bis zu The Outcasts, die alle durch das Good-Vibrations-Label berühmt wurden - zeigt sich, welch große Klasse in „Good Vibrations“ steckt. Die Drehbuchautoren Colin Carberry und Glenn Patterson verlassen sich voll und ganz auf die eigenwillige Perspektive Terri Hooleys, folgen darüber hinaus den konventionellen Biopic-Strukturen, bei denen sich Triumphe und Rückschläge bis zum großen Finale, in diesem Fall ein ekstatisches Konzert, abwechseln. Auf der Strecke bleiben dabei komplexere Einblicke in Terris Leben und die Belfaster Gesellschaft jener Zeit.

    Fazit: „Good Vibrations“ will dem „Godfather of Punk“ Terri Hooley huldigen und gute Laune erzeugen, schafft das aber nur bedingt. Ein gut aufgelegter Hauptdarsteller und die eklektische Auswahl an Punk- und Rock-Songs beleben den Film, so dass dieser trotz der halbherzigen Dramaturgie noch sehenswert ist.

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