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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Blade
Von Jonas Reinartz
Ein Mann und eine Frau. Sie sind jung, sie sind verliebt – und die verführerische Dame, im Übrigen dargestellt von Ex-Pornosternchen Traci Lords, entpuppt sich als Vampirin. Im Grunde hätte es ihm, trotz aller hormonellen Verwirrung, doch irgendwie dämmern müssen, dass Nachtclubs, die sich in unmittelbarer Nähe zu einem Schlachthof (man beachte die subtile Symbolik) befinden, nichts Gutes verheißen. Es kommt also, wie es kommen muss. Wahre Fontänen von Blut werden durch eine Sprinkleranlage abgegeben, alle anwesenden Gäste entpuppen sich als durstige Untote und die Lage scheint völlig aussichtslos. Doch da wir es hier mit einer Adaption eines Marvel-Comics zu tun haben, ist freilich der Retter in der Not nicht weit und beendet die Party frühzeitig. Tiefgang darf bei Stephen Norringtons „Blade“ natürlich nicht erwartet werden, sondern stylishe Action zu stampfender Musikuntermalung. Wer nicht mehr erhofft und verschmerzen kann, dass die potentiell faszinierende Mythologie des „Blade“-Universums sträflich unterentwickelt bleibt, kann sich zwei Stunden durch weitgehend sinnfreies Kirmes-Kino prima unterhalten lassen.

Blade (Wesley Snipes) ist ein so genannter „Daywalker“, eine Mischung aus Mensch und Vampir. Dieses Schicksal ereilte ihn, da seine Mutter, die bei seiner Geburt verstarb, gebissen wurde. Der stoische Einzelgänger hat gelernt, diese Tatsache zu akzeptieren und es sich zum Ziel gesetzt, Vampire, also gewissermaßen seine eigene dunkle Seite, erbittert zu bekämpfen. Blutdurst verspürt auch er, doch sein Mentor Whistler (Kris Kristofferson) verabreicht ihm regelmäßig ein als Ersatz dienendes Serum. Daneben rüstet er seinen Schützling mit diversen ausgeklügelten Hightech-Waffen aus, so dass dieser effizient zur Tat schreiten kann. Abwechslung in seinen Alltag bringt die toughe Ärztin Dr. Karen Jenson (N’Bushe Wright), die ihm seit einer unliebsamen Begegnung mit einem Blutsauger zur Seite steht. Hilfe kann der Daywalker gut gebrauchen, denn es braut sich Unheil zusammen. Der hochnäsige Deacon Frost (Stephen Dorff) hegt finstere Pläne. Mithilfe einer jahrtausendalten Prophezeiung beabsichtigt er, das Ende der Menschheit einzuläuten.

Ein angenehmer und friedliebender Zeitgenosse scheint Regisseur Stephen Norrington nicht zu sein. Wie wiederholt berichtet wurde, trieb sein wutschnaubendes Auftreten bei den Dreharbeiten zu Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (2003) Sean Connery derart zur Weißglut, dass es beinahe zu einer Keilerei zwischen den beiden gekommen wäre, wobei angemerkt werden sollte, dass der Vorzeige-Schotte ebenfalls als recht schwierig gilt und man Klatsch und Tratsch eher vorsichtig aufnehmen sollte. Allerdings muss doch etwas vorgefallen sein, denn Connery verabschiedete sich in den vorzeitigen Ruhestand und Norrington tauchte ebenfalls unter. Seitdem hat er sich stark zurückgezogen, arbeitet nur sporadisch, etwa als Bildhauer für Exorzist: Der Anfang (2004). Dies stellt einen Rückzug zu seinen Wurzeln dar, denn der 1964 geborene Engländer studierte Kunst und begann in den 80er Jahren eine Karriere als Effektspezialist. Mit Erfolg, wie u.a. seine Beteiligung an James Camerons in den englischen Pinewood-Studios gefilmten Action-Klassiker Aliens - Die Rückkehr (1986) beweist. 1995 erschien Norringtons Regiedebüt „Death Machine“, ein unorigineller Alien/The Terminator-Klon. Was ihn allerdings zeitweilig reizvoll machte, war seine Optik. Sicherlich nicht originell, doch in naher Anlehnung an die Ästhetik britischer ehemaliger Werbefilmer wie Ridley (Blade Runner, Black Hawk Down) und Tony Scott (Top Gun, Deja Vu) leistete der Debütant zumindest in dieser Hinsicht gute Arbeit, was generell auch über sein zugegebenermaßen schmales Œuvre ausgesagt werden kann. Ihn interessieren Design und Look mehr als Handlung und Charaktere, was einem Film wie „Blade“ auch überhaupt nicht schadet, sondern eher zugute kommt. Zusammen mit dem unterschätzten Kameramann Theo van de Sande gelingen ihm hippe Breitwand-Kompositionen, manchmal ein wenig zu sehr auf cool getrimmt, jedoch immer eine Augenweide.

Stil ist das, was ihn und seine Protagonisten bestimmen - allzu viele Gedanken über die Handlung sollte sich niemand machen. Bis zu seinem Drehbuch zu Batman Begins war es für David S. Goyer noch ein weiter Weg, so fallen etwa überflüssige Sprüche der Figuren, die lediglich kommentieren, was sich vor ihnen abspielt, negativ auf. Diese Schwäche gibt der Autor mittlerweile jedoch unumwunden zu und sie trägt auch ein wenig zum B-Movie-Charme bei, um mehr handelt es sich schließlich nicht, wenn auch mit mittlerem Budget und Hochglanz-Bildern. Über Wesley Snipes Darstellung lässt sich sicherlich trefflich streiten, spätestens seit Clint Eastwoods legendärem Auftritt in Für eine Handvoll Dollar (1964) haben Antihelden ja mimisch äußerst sparsam zu sein, betrachtet man seine Physis, steht es jedoch außer Frage, dass er die Idealbesetzung darstellt. Stephen Dorff gleitet desöfteren ins platte Chargieren ab, ganz zu schweigen von Donal Logue als Quinn, der mitunter die Nerven des Zuschauers überstrapaziert. Als schlicht großartig erweist sich die Idee, Trash-Legende Udo Kier („Andy Warhol’s Dracula“, Armageddon) als Vampirfürsten Dragonetti zu besetzen. Allein aufgrund seiner Rollenvergangenheit besitzen seine Auftritte eine faszinierende Ausstrahlung und Würde, die dem Film sonst abgehen. Man hätte sich doch mehr Einblicke in die Parallelgesellschaft der Nosferatus gewünscht, einer perfekt organisierten Welt im Verborgenen. Ähnliches gilt für den Hintergrund des Vampirismus, der eine deutliche Ähnlichkeit zum HIV-Virus aufweist und den finalen Twist. Hier wurde zwar einiges an Potential verschenkt, überraschen wird dies allerdings kaum jemanden. Spektakuläre Kämpfe gegen zahlreiche Untote stehen eben im Vordergrund.

Viel Lärm um nichts? Das wäre ein zu hartes Urteil für diese urbane Schlechtenachtgeschichte voller Rasanz und Coolness. Freunde mit einer Vorliebe für die finsteren Gestalten mit den scharfen Eckzähnen und/oder perfekt fotografierter Action treffen mit „Blade“ garantiert keine schlechte Wahl.
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