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Magic Mike
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Magic Mike
Von
Vom Tellerwäscher zum Millionär: Mit dieser Formel wird seit jeher die ur-amerikanische Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass es jeder im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu etwas bringen kann, wenn er sich nur ordentlich ins Zeug legt. In Hollywood hat dieser Glaube auch in den Zeiten gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Krisen Hochkonjunktur, entsprechend kommt kaum eine Starbiografie ohne das frühe Kapitel von frustrierenden Jobs als Kellner oder Taxifahrer aus, ehe Ruhm und Geld winken. Die Geschichte haben wir schon hundertmal gehört. Die Variante „Ich habe als 18-Jähriger acht Monate als Stripper in einem Club gearbeitet und es hat Spaß gemacht" war dagegen auch für Oscar-Preisträger Steven Soderbergh neu. Erzählt hat sie ihm der längst reiche und berühmte Channing Tatum („Für immer Liebe", „21 Jump Street") bei den Dreharbeiten zu „Haywire". Der Regisseur meinte, das wäre ein guter Filmstoff und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Tatums alter Kumpel und Produktionspartner Reid Carolin verfasste das Drehbuch, der inzwischen 32-jährige Star ließ noch einmal die Hüllen fallen und Soderbergh setzte das Ganze in Szene. Das Ergebnis ist die Stripper-Sause „Magic Mike", ein freizügiger, aber dennoch dezenter Blick hinter die Kulissen eines ungewöhnlichen Milieus und über weite Strecken ein unerwarteter Spaß.

Tampa, Florida: Mike (Channing Tatum) ist die Hauptattraktion im Strip-Club von Dallas (Matthew McConaughey), aber eigentlich würde er am liebsten Designermöbel kreieren. Doch dafür bekommt er keinen Kredit, obwohl er als „Magic Mike" im Club gut verdient und außerdem auch noch als Dachdecker sowie in der Autopflege arbeitet. Bei einem seiner Tagesjobs lernt er den jungen Adam (Alex Pettyfer) kennen, dem gerade ein Football-Stipendium durch die Lappen gegangen ist und der nun bei seiner Schwester Brooke (Cody Horn) auf der Couch übernachtet. Mike nimmt Adam unter seine Fittiche und überredet Dallas, dem Jungen eine Chance als Stripper zu geben. Der erweist sich als Naturtalent und etabliert sich schnell unter dem Künstlernamen „The Kid". Unterdessen wünscht sich Mike mehr als die ungezwungenen Sex-Dates mit der Studentin Joanna (Olivia Munn) und fühlt sich zu der bodenständigen Brooke hingezogen. Doch dann kündigt Dallas an, mit dem ganzen Laden ins lukrativere Miami überzusiedeln und Adam lässt sich auf Drogengeschäfte ein: Mike muss einige wichtige Entscheidungen treffen...



„Women, money and a good time": Mit diesen Worten wird das Leben, das Mike und seine Kollegen führen, einmal beschrieben. Frauen, Geld und jede Menge Spaß – so ließe sich auch die erste Hälfte des Films zusammenfassen, der in den Details übrigens nach Tatums Auskunft nicht sonderlich autobiografisch ausgefallen ist. Steven Soderbergh (der Regisseur ist unter Pseudonym einmal mehr auch für die Kameraarbeit und den Schnitt verantwortlich) filmt die Auftritte der „Cock-rocking Kings of Tampa" als die gut choreographierten Tanznummern, die sie sind: Da werden zum unvermeidlichen „It's Raining Men" nicht nur die Hüften, sondern auch Regenschirme geschwungen, am 4. Juli sind alle in Stars and Stripes gehüllt und der erste Auftritt von Adam wird von „Like a Virgin" begleitet. Die Stripper verkörpern mit einem gutgelaunten Augenzwinkern Männlichkeitsklischees, sie sind als Soldaten, als Tarzan oder als Cowboys zu sehen. Dabei gibt es viel nackte Haut (einmal ist sogar kurz zu erhaschen, was eine Penis-Pumpe so möglich macht), aber Soderbergh verzichtet auf jeden Voyeurismus. Vielmehr zeigt er uns hinter den Kulissen eine erstaunlich gelöste Atmosphäre von Kameradschaft und Teamgeist – da ist „Magic Mike" ganz anders als Filme über Stripperinnen wie „Showgirls" oder „Striptease", wo stets Anrüchigkeit und Ausbeutung in der Luft liegen.

Wer Channing Tatum in „Step Up" gesehen hat, weiß, dass er ein hervorragender Tänzer mit perfekter Körperbeherrschung ist. Das zeigt er hier einmal mehr und seine Stripnummern haben trotz ihrer Offenherzigkeit (bereits nach zwei Minuten bekommen wir übrigens erstmals seinen nackten Hintern zu sehen) etwas von intim-romantischen Ausdruckstänzen. Alex Pettyfer („Ich bin Nummer Vier") in der Rolle, die vage nach dem jungen Channing Tatum modelliert ist, fehlt dieses tänzerische Talent, aber sein jugendlicher Ungestüm und sein sichtbar wachsendes Selbstbewusstsein passen zu dem Part des Neulings. Allen die Schau stiehlt jedoch Matthew McConaughey („Der Mandant", „Killer Joe"). Sein Dallas mit dem genüsslich zelebrierten texanischen Singsang ist ein selbstverliebter Gockel wie er im Buche steht und dennoch liegt ihm das weibliche Publikum zu Füßen. Er ist der Zeremonienmeister, der scheinbar die Regeln erklärt, aber wenn er sich in den Schritt fast und dann mit neckisch erhobenem Zeigefinger verkündet: „Nicht anfassen!", dann ist er vor allem der perfekte Anheizer. Und gewissermaßen zur Belohnung zieht er, der sich eigentlich schon längst aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat, seine Nummer ganz am Ende doch noch einmal durch und legt einen atemberaubend-egomanischen Striptease hin.

Auf der Bühne und ohne Kleider zeigen sich alle in Bestform, aber Soderbergh wäre nicht Soderbergh, wenn er sich damit zufrieden geben würde. Irgendwann gibt es dann doch die bösen Drogen und den leeren Sex und die fehlende Akzeptanz, aber auch wenn McConaughey uns überzeugend zeigt, wie kaputt Dallas ist und Tatum/Mike durchaus glaubwürdig seine Anständigkeit beteuert, wirkt diese Wendung ins Kritische insgesamt ein wenig wie eine Pflicht- und Stilübung mit demonstrativ ungesund eingefärbten Florida-Außenaufnahmen. Dass diese Stripper Läuterung brauchen, erscheint hier nur als eine filmische (und soziale) Konvention, denn in der Erzählung fehlt weitgehend jene analytische Klarsicht, die Soderbergh-Filme mit eindeutig politischen Themen wie „Traffic", „Che" oder „Contagion" oft kennzeichnet. Und so lässt sich „Magic Mike" am Ende am ehesten mit „Ocean's Eleven" vergleichen: Beides sind Filme über Männer, die professionell, stilvoll und mit stolzem Vergnügen ihre nicht ganz alltägliche Arbeit tun – und dabei zu einem ordentlichen Profit nicht nein sagen.

Fazit: Channing Tatum, Alex Pettyfer und Matthew McConaughey lassen die Hüllen fallen: In Steven Soderberghs vergnüglicher Stripper-Komödie zeigen sie nicht nur, was sie haben, sondern auch, was sie können - „Magic Mike 2" ist schon in Planung.
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