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The Comedian
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Comedian
Von
Don Rickles starb am 6. April 2017 im Alter von 90 Jahren. Der jüdische Stand-up-Komiker und gelegentliche Sitcom-Star sowie Hollywood-Nebendarsteller war eine Legende im amerikanischen Showbusiness. Er ist berühmt geworden als sogenannter „insult comic“, der von der Bühne aus Stars wie Normalsterbliche veräppelte oder beleidigte. Sein Spott machte vor nichts und niemandem Halt, aber er fand immer wieder auch aufrichtige Worte, um seine Zuhörer zu Tränen zu rühren. Die melancholische Tragikomödie „The Comedian“ ist zwar keine Filmbiografie über Rickles, aber der berühmte insult comic war ein unübersehbares Vorbild für ihre Hauptfigur des alternden Komikers in Karrierenöten. Mit seinem alten Herzensprojekt verbeugt sich Hauptdarsteller Robert De Niro liebevoll vor dem ganzen Berufsstand des Stand-up-Komikers, aber vor allem vor Rickles, mit dem er 1995 in Martin Scorseses „Casino“ sogar gemeinsam vor der Kamera stand. Scorsese sollte ursprünglich auch die Regie bei „The Comedian“ übernehmen, aber der Job ging letztendlich an den Routinier Taylor Hackford („Ray“, „Ein Offizier und Gentleman“). So ist der Film nicht etwa eine verkappte Fortschreibung von Scorseses „The King Of Comedy“ geworden, an die der Meisterregisseur gedacht haben soll, sondern eine solide, manchmal etwas holprige Showbiz-Hommage mit einem Robert De Niro in Hochform.

Jackie Burke (Robert De Niro) war einst der Star der kultigen Familien-Sitcom „Eddie’s Home“, doch inzwischen fällt es dem Endsechziger schwer, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Seine Auftritte als selbstironischer, aber auch bissig-beleidigender Stand-up-Komiker schaffen nur neue Probleme: Nach einem blutigen Handgemenge mit einem erzürnten Zuhörer landet Jackie gar wegen schwerer Körperverletzung hinter Gitter und muss im Anschluss noch Sozialstunden in einem Obdachlosenheim ableisten. Dort trifft er auf die schnell gewaltbereite Harmony (Leslie Mann), die ebenfalls zum Zwangsdienst verurteilt wurde und die er dazu überredet, ihn auf die Hochzeit seiner lesbischen Nichte (Lucy DeVito) zu begleiten. Damit setzt Jackie eine Kette von Ereignissen in Gang, über die er bald keine Kontrolle mehr hat...

The Comedian Trailer DF

Als „The Comedian“ Ende 2016 in die amerikanischen Kinos kam, war die launige Loser-Ballade mit dem melancholisch-verträumten Jazz-Soundtrack von Spike Lees Hauskomponisten Terence Blanchard („25 Stunden“) nicht nur ein Kassenflop, sondern wurde auch fast einhellig von der Kritik verrissen. Das zweistündige Drama um die Irrwege eines schlecht gelaunten, zynischen Standup-Komikers sei zu lang, zu konstruiert und vor allem nicht witzig. Der große Wurf ist Taylor Hackford mit „The Comedian“ tatsächlich nicht gelungen, aber die teilweise extremen Anfeindungen sind trotzdem kaum nachvollziehbar. Der Film ist ein launiges Charakterdrama, mal anrührend und mal etwas schleppend, aber oft eben auch sehr amüsant, wenn sich die Figuren ständig sarkastische Sprüche zuwerfen als befänden sie sich in einem immerwährenden rap battle. Diese Stand-up-Szenen sind das Herzstück des Films und auch die Höhepunkte, das darum herum angelegte Drama bleibt dagegen ziemlich unausgegoren und viele der hochkarätigen Darsteller sind sichtbar unterfordert (das gilt vor allem für die grandiose Edie Falco aus „Die Sopranos“ als Jackies geduldige Agentin).

Die zahlreichen Cameo-Auftritte von Komikern wie Billy Crystal („Harry und Sally“) sorgen für Abwechslung, aber letztlich wirklich stechen nur Judd-Apatow-Ehefrau Leslie Mann („Immer Ärger mit 40“) und De Niro selbst mit ihren komplizierten, nicht immer sympathischen Figuren heraus. Ihre Probleme und Rangeleien sind nicht realistisch, aber unterhaltsam. So überzeugt „The Comedian“ als Beziehungsdrama kaum und als Mediensatire nur im Ansatz, doch der nächste spektakulären Auftritt von Jackie Burke kommt bestimmt. Dafür sorgt Taylor Hackford zuverlässig und dann sind alle Einwände zumindest vorübergehend vergessen.

Fazit: „The Comedian“ funktioniert als tragikomisches Drama nicht so recht, aber durch die zahlreichen tollen Stand-up-Szenen ist er für alle Freunde der eher klassischen US-Comedy trotzdem ein Muss. Außerdem glänzt Robert De Niro als alternder Humorist in der Krise.
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Kommentare

  • Keetenheuve

    Das war The King of Comedy von Scorsese. Da entführt DeNiro einen berühmten Komiker (Jerry Lewis).

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