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    UglyDolls
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    UglyDolls

    Eine etwas andere Toy Story

    Von Christoph Petersen
    Sogar Barack Obamas Tochter Sasha hatte eine UglyDoll-Schlüsselkette an ihrem Rucksack. In Deutschland sind die UglyDolls zwar längst nicht so bekannt wie in den USA, trotzdem befindet sich das Spielzeug-Label, das 2002 von David Horvath und Kim Sun-Min gegründete wurde und dessen Figurendesigns ganz bewusst nicht den traditionellen Schönheitsidealen entsprechen, weiterhin auf einem weltweiten Siegeszug. Kein Wunder also, dass die „hässlichen Puppen“, die mit ihren Plüschtieren, Keksdosen und iPhone-Hüllen längst große Teile der Popkultur für sich erobert haben, nun auch einen eigenen Kinofilm (sowie im selben Atemzug auch eine begleitende Streaming-Serie) bekommen.

    Aber wo das „Ugly“ in der Welt der UglyDolls weniger für „hässlich“ als vielmehr für „speziell“ und „einzigartig“ steht, ist das Animations-Abenteuer „UglyDolls“ von Kelly Asbury („Shrek 2“, „Sherlock Gnomes“) nun genau das leider nicht: Für ein Puppen-Musical, das die Andersartigkeit seiner plüschigen Protagonisten feiert, ist der Film letztendlich schrecklich konventionell geraten. Dabei wäre es fast ganz anders gekommen, denn noch vor zwei Jahren war ein Mann für die Regie, das Drehbuch und die Produktion vorgesehen, dessen „UglyDolls“-Version ganz bestimmt sehr viel unangepasster und damit zugleich sicherlich sehr viel „uglier“ ausgefallen wäre.

    Eigentlich ist Uglyville ein echt toller Ort - trotzdem nagt an Moxy die Gewissheit, dass es da noch etwas anderes geben muss.


    Uglyville ist ein wirklich schöner, sonniger Ort mit immer gut gelaunten Bewohnern und einem in der Mitte durchgebrochenen Knopf als Mond. Auch Moxy (Stimme im Original: Kelly Clarkson) mit ihrer auffälligen Zahnlücke ist eigentlich rundherum glücklich. Zugleich spürt sie aber auch, dass es da noch etwas anderes geben muss, nämlich einen Ort, an dem Kinder mit ihren Puppen spielen. Nach einer aus dem Ruder gelaufenen Wahrsager-Session, in der Moxy nur genau das aus den Teeblättern herausliest, was sie herauslesen will, macht sie sich mit einer Gruppe von Freunden auf den Weg, um die sagenumwobene „große Welt“ zu finden. Zunächst einmal stoßen die UglyDolls auf ihrer Expedition aber auf eine Stadt, in der es nur absolut makellose Puppen zu geben scheint. Deren Anführer Lou (Nick Jonas) führt ein strenges Regiment, um seine Untertanen auf das Leben mit einem Kind vorzubereiten. Denn wer nicht „vollkommen perfekt“ ist oder zu oft in der Waschmaschine landet, der wird letztendlich im Recycling entsorgt ...

    Spaßige Songs, öder Plot, müde Gags


    Anders als die Garbage Pail Kids, deren Kinofilm „Die Schmuddelkinder“ zu den wohl skurrilsten Leinwandergüssen der Achtzigerjahre zählt und die als Parodie der damals sehr erfolgreichen Cabbage Patch Kids tatsächlich möglichst abstoßend designt wurden, sind die UglyDolls natürlich überhaupt nicht hässlich, sondern auch mit einem Ohr zu viel oder einem Auge zu wenig total süß und niedlich. Dazu passen dann auch die Popsongs der allerersten „American Idol“-Gewinnerin Kelly Clarkson und Teenie-Idol Nick Jonas, die auf eine „High School Musical“-Art tatsächlich gelungen und eingängig sind. Aber darüber hinaus fehlt der Story und dem Humor des Films das nötige anarchische Moment, um sich von der ursprünglichen Konzeption als Spielzeug-Werbefilm freizuschwimmen. Stattdessen fühlt sich der vollkommen vorhersehbare Plot über weite Strecken an wie eine unnötig in die Länge gezogene Serienepisode.

    Das wird dann leider doch recht schnell langweilig. Man mag von dem 2016 in den Kinos gestarteten, ebenfalls auf einer Spielzeugreihe basierenden „Trolls“ halten, was man will – aber zumindest haben die Macher dort den Wahnsinn, den die neonfarbenen Trollfrisuren der Plastikpuppen evozieren, mit aller Kraft auf die Leinwand geworfen. Bei der Story zu „UglyDolls“ geht Drehbuchdebütantin Alison Peck hingegen an jeder Stelle auf Nummer sicher. Dabei schmiert sie dem Zuschauer die Moral, dass Andersartigkeit und Individualität etwas ganz Wertvolles sind, zwar sehr dick aufs Brot, verzichtet in ihrem Skript aber im selben Moment weitgehend auf diese Tugenden. Da kann man kaum anders, als sich vorzustellen, wie der Film wohl geworden wäre, wenn wie zwischenzeitlich geplant tatsächlich Robert Rodriguez („From Dusk Till Dawn“, „Spy Kids“) das Ruder übernommen hätte? Aber der hat dann ja stattdessen von James Cameron dessen Herzensprojekt „Alita: Battle Angel“ übernommen – und so werden wir es leider nie erfahren.

    Leider haben sich die Macher in den Musical-Szenen für sehr eintönige Hintergründe entschieden ...


    Mit Kosten von 45 Millionen Dollar hat „UglyDolls“ nur etwa ein Viertel des Budgets einer Pixar-Produktion (aktuell „A Toy Story“) und die Hälfte des Budgets eines Films von Illumination-Entertainment (aktuell „Pets 2“) verschlungen. Aber zumindest zu Beginn fällt das gar nicht groß negativ auf. Vor allem Uglyville ist mit seinen Häusern, die alle aus Stoffresten zusammengeflickt sind und so einen ähnlichen Selbstbastel-Charme ausstrahlen wie die Welten in dem Videospiel „Yoshi’s Crafted World“, sehr gelungen. Aber mit dem Beginn der Expedition wirkt der Film zunehmend immer leerer und grauer. Dass Lous „Institution der Perfektion“ quasi nur aus grauen Betonflächen besteht, mag zwar zur Handlung passen, aber trotzdem wirkt der Film in diesen Passagen einfach unglaublich leblos, langweilig und ja, tatsächlich hässlich (nur eben nicht auf so eine spaßige, kreative Art wie die UglyDolls selbst). Und auch die uniformen Hintergründe während der Musical-Szenen haben wohl eher weniger mit einer künstlerischen Vision als den knappen finanziellen Mitteln zu tun.

    Fazit: Ein Außenseiter-Animations-Musical zur Spielzeug-Vermarktung – mit eingängigen Popsongs und einer schrecklich generischen Story, deren Mutlosigkeit dem Individualitätsideal der UglyDolls eigentlich diametral entgegensteht.

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