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A Lonely Place to Die - Todesfalle Highlands
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
A Lonely Place to Die - Todesfalle Highlands
Von Jan-Thilo Caesar
Der Berg ruft! – und zwar vor allem britische Filmemacher. Nach den halsbrecherischen und oft blutig endenden Kletterpartien in Neil Marshalls „The Descent" und Danny Boyles „127 Hours" ist nun auch Julian Gilbey („Footsoldier") auf den Geschmack dünner Bergluft gekommen und inszenierte mit „A Lonely Place To Die" ein Genre-Mashup zwischen Survival-Drama und Entführungsthriller vor der beeindruckenden Kulisse der schottischen Highlands. Entstanden ist ein kühler, spannender Independent-Schocker, der auf clevere Weise mit der Erwartungshaltung seines Publikums spielt, dabei jedoch manchmal das Gefühl für das richtige Timing vermissen lässt.

Die erfahrene Bergsteigerin Alison (Melissa George), ihre Begleiter Rob (Alec Newman) und Ed (Ed Speleers) sowie das Touristenpärchen Alex (Garry Sweeney) und Jenny (Kate Magowan) stoßen bei einer Klettertour in den Bergen auf ein junges serbisches Mädchen namens Anna (Holly Boyd), das in einem zugeschütteten Erdloch mitten im Nirgendwo versteckt wurde. Obwohl Anna kein Wort Englisch spricht, wird schnell klar, dass sie entführt wurde. Es beginnt ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel mit den skrupellosen Kidnappern, die sich als ebenso unbarmherzig erweisen wie die raue Landschaft der Highlands...

Schon zu Beginn ist klar, wo die Stärken von „A Lonely Place To Die" liegen: Drei Bergsteiger klettern eine steile Felswand hinauf, als plötzlich einer von ihnen den Halt verliert und kopfüber den Abgrund entgegenblickt – was in einer der schwindelerregendsten Kameraperspektiven der vergangenen Jahre resultiert. Auch wenn die Handlung des Gebirgsthrillers nicht unbedingt für einen Innovationspreis in Frage kommt, geht Gilbey doch zumindest äußerst überlegt und zielstrebig an seine vierte Regiearbeit. Der Brite scheint die Gedanken seiner Zuschauer stets erahnen zu können und lockt sie immer wieder auf falsche Fährten, was für einige trickreiche Wendungen und durchgehend hohes Tempo sorgt. So hat es zunächst den Anschein, die Bergsteiger-Gruppe wäre das Opfer des perfiden Spiels zweier hinterwäldlerischer Jäger, bis dann wenig später die wahren Schurken auftauchen und mit den beiden tumben Almöhis kurzen Prozess machen.

Schauspielerisch überzeugt vor allem Sean Harris („Brighton Rock"), obgleich seine Antagonisten-Rolle als Entführer eher eindimensional angelegt ist. Harris macht dennoch das Beste daraus und liefert einen hassenswerten Schurken ab. Melissa George („Amityville Horror") als durchtrainierte Bergsteigerin Alison wird erfreulicherweise nicht zum Blickfang für das männliche Publikum degradiert, sondern darf auch ihre sportlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen – immerhin hat die australische Schauspielerin ihre Karriere als Athletin begonnen. Nicht zuletzt dank des Ensembles gerät die Hatz in der Höhe zum nervenkitzelnden Spektakel. Im letzten Drittel des Films verlegt Gilbey das Geschehen dann jedoch in eine nahe Kleinstadt und die Handlung bricht in zwei Erzählstränge auf: Während Alison und ihr Freund das kleine Mädchen in Sicherheit bringen wollen, mischt sich nun auch noch der Vater des Opfers ein – und dass mit Serben nicht zu spaßen ist, wissen wir spätestens seit „A Serbian Film". Leider kosten diese Sequenzen, die etwas lose aneinandergereiht wirken, viel Spannung und ziehen den Film unnötig in die Länge. Dagegen kommen die grandiosen Klettereinlagen fast schon zu kurz und auch das Ende – das hier natürlich nicht verraten werden soll – leidet stark unter dem überflüssigen Bruch in der Dramaturgie.

„A Lonely Place To Die" fängt ebenso vielversprechend an, wie er unbefriedigend endet. Trotzdem braucht sich „A Lonely Place To Die" nicht unbedingt vor alpinen Thriller-Gipfelstürmern wie „Cliffhanger" oder „Mörderischer Vorsprung" zu verstecken - Spannender wurde das schottische Hochland schon lange nicht mehr präsentiert...
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