Jayne Mansfield's Car
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Jayne Mansfield's Car

3,0


Von Carsten Baumgardt

Am 29. Juni 1967 endete eine Weltkarriere. Schauspielerin und Sexsymbol Jayne Mansfield starb bei einem verheerenden Verkehrsunfall in Slidell, Louisiana. Lange Jahre hielt sich gar das Gerücht, ihr Kopf sei bei dem Desaster abgetrennt worden, dabei stellte sich später heraus, dass sie nur ihre blonde Perücke verlor. Mansfield, von einigen als Billig-Kopie der legendären Marilyn Monroe belächelt, liebte den großen Auftritt und hielt auch schon mal eine Pressekonferenz in ihrer Badewanne ab, verfügte aber über einen herausragenden IQ jenseits der 160. Diese kuriose Melange aus Intelligenz, Extravaganz und dumm-blonden Klischees muss einem Parade-Exzentriker wie Billy Bob Thornton einfach gefallen. Und so ist es kein Wunder, dass seine schrullige und atmosphärisch dichte Südstaaten-Komödie „Jayne Mansfield's Car" sich auf den Mythos Mansfield bezieht.

Morrison, Alabama, 1969. Patriarch Jim Caldwell (Robert Duvall) vermittelt seiner Familie ur-amerikanische Werte. Es wurmt den patriotischen Hardliner auch nach Jahren noch, dass seine Frau Naomi ihn und die Kinder Carroll (Kevin Bacon), Skip (Billy Bob Thornton), Jimbo (Robert Patrick) und Donna (Katherine LaNasa) einst Richtung England verlassen hat. Die Nachricht des plötzlichen Krebstods seiner Ex-Frau trifft Jim dennoch hart und er lässt es zu, dass Naomis Witwer Kingsley Bedford (John Hurt) die sterblichen Überreste mit seinen beiden Kindern Phillip (Ray Stevenson) und Camilla (Frances O'Connor) zurück in die USA bringt. Trotz des Hasses, den Jim auf Kingsley projiziert, freunden sich die beiden Männer an. Was sie eint, ist die Faszination für den Krieg. Wer dort tapfer gedient hat, dessen Ansehen steigt in den Augen der beiden augenblicklich. Deswegen nagt es auch an Jim, dass sein Lieblingssohn Jimbo im Krieg nur als Gefangener in Aktion trat, anstatt wie seine beiden Brüder Skip und Carroll als dekorierte Helden. Beim Aufeinandertreffen der beiden Familien auf dem Anwesen der Caldwells kollidieren nicht nur die Kulturen. Zwischen Sonderling Skip und Camilla sowie der verheirateten Donna und Phillip geht es schnell zur Sache...

Wenn Regisseur Billy Bob Thornton (Drehbuch-Oscar für „Sling Blade", „All die schönen Pferde") einen Film inszeniert, zeichnen sich diese Werke immer durch eine eigenwillige, sehr spezielle Atmosphäre aus und wirken dabei fast wie aus der Zeit gefallen. „Jayne Mansfield's Car" beginnt Thornton mit einem in Zeitlupe zelebrierten Intro, zu dem ein hypnotischer Score erklingt – schon hier etabliert Thornton eine unverwechselbare Südstaaten-Stimmung, in ganz wenigen Momenten findet er den Ton seines Films, führt den Handlungsort und dessen Besonderheit en: Die Vereinigten Staaten befinden sich im Krieg mit Vietnam, aber während woanders die Menschen auf die Barrikaden gehen, regt sich in Morrison, Alabama nur zaghafter Protest. Wer hier demonstriert, wird eher wie ein Aussätziger angesehen. Der Krieg wird dennoch zum roten Faden des Films: Jede der Figuren hat eine intensive Beziehung dazu, hat irgendwo gekämpft oder auch nicht, begehrt auf, verteidigt oder romantisiert das Töten.

Aber nicht nur am Krieg scheiden sich die Geister, denn gerade am Anfang hetzt Thornton Amerikaner und Briten amüsiert aufeinander und lässt sie in einem komischen Culture-Clash kollidieren. Erst nach diversen, den wechselseitigen Vorurteilen geschuldeten Spannungen finden die Parteien zueinander. Was „Jayne Mansfield's Car" dabei sehenswert macht, sind die kleinen Spinnereien, die Thornton seinen Schauspielern gestattet. An erster Stelle steht er dabei selbst, denn sein Skip ist ein wandelndes Kuriosum, ein dekorierter Kriegsflieger, der immer gleich zum Punkt kommt – ohne die höflichen Umwege, die sich in der sozialen Interaktion zum Standard verfestigt haben. So fragt er Camilla etwa ohne Umschweife, ob sie sich nicht für ihn ausziehen wolle, damit er sich zu dieser Anregung einen runterholen könne. Thornton spielt das ganz ernst, ohne eine Miene zu verziehen – und gerade darin steckt die Komik.

Aus dem engagierten Ensemble sticht neben dem gewohnt extravaganten Thornton vor allem Robert Duvall („Der Pate", „Apocalypse Now") heraus, der als autoritärer Patriarch keinesfalls so griesgrämig ist, wie es zunächst den Anschein hat. Wenn sein Jim Caldwell im unwissentlichen LSD-Rausch mit einer Flinte durch die Wälder jagt, dann kommt zur darstellerischen Vehemenz der erzählerische Übermut – immer wieder bricht Thornton seine ernsthaften Themen mit Ironie, stilisierten Zeitlupen und schwarzem Humor. Mit absurden Szenen wie jenen mit dem titelgebenden Unfallauto von Jayne Mansfield, das in der Nähe des Caldwell-Anwesen wie eine morbide Trophähe präsentiert wird, übertüncht der Regisseur auch die Ziellosigkeit, die die Dramaturgie seines Films kennzeichnet - die Atmosphäre ist dem Filmemacher allemal wichtiger als ein stringenter Handlungsverlauf.

Fazit: Billy Bob Thorntons Südstaaten-Kuriosum „Jayne Mansfield's Car" ist ebenso außergewöhnlich, skurril, durchgedreht und doch irgendwie liebevoll wie der Regisseur selbst. Man weiß nicht immer, was Sinn und Zweck dieser Übung ist und wo das hinführt, unterhaltsam ist Thorntons Film über den Zusammenprall zweier Kulturen dennoch.

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