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Mann tut was Mann kann
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Mann tut was Mann kann
Von
Die Feststellung mag ein wenig überspitzt klingen, aber im Kern ist sie wahr: In deutschen Komödien benehmen sich die meisten Protagonisten wie pubertierende Halbstarke. Ob Maximilian Brückner (Jahrgang `79) in „Resturlaub", Diana Amft (Jahrgang `75) in „Frisch gepresst" oder Stephan Luca (Jahrgang `74) in „Kein Sex ist auch keine Lösung" – die Figuren, die die drei Mittdreißiger in diesen Filmen spielen, haben allesamt den Reifegrad eines 15-jährigen Teenagers. In der neuen Komödie des „Sophie Scholl"-Regisseurs Marc Rothemund ist das angenehm anders: Die Stars Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers verhalten sich in „Mann tut was Mann kann" tatsächlich wie Erwachsene, die das Leben zwar noch nicht gemeistert haben, aber zumindest verstehen, wo der Hase langläuft. Und das hat Auswirkungen: Nicht nur hört man ihnen wirklich gerne zu, wenn sie – immer mit einem Glas Rotwein in der Hand – am Esszimmertisch rumphilosophieren, der Humor des Films ist auch ungleich charmanter als in vielen vergleichbaren Komödien. Dass sich am Ende doch das eine oder andere Klischee einschleicht, verzeiht man da gerne.

Der geschiedene Paul (Wotan Wilke Möhring) ist inzwischen ein überzeugter Single, dem sein neuer Rottweiler Fred als Wohngenosse vollkommen ausreicht. Doch dann verliebt sich Paul nicht nur Hals über Kopf in die – leider verlobte - Tierärztin Iris (Jasmin Gerat), auch in seinem schnieken Berliner Singe-Appartement wird es zunehmend eng: Erst zieht sein rotweingenießender Kollege Guido (Jan Josef Liefers) ein, weil der von seiner Frau wegen einer Affäre mit seiner Sekretärin rausgeschmissen wurde. Bald darauf folgt der taxifahrende Möchtegernkünstler Bronko (Fahri Yardim), der Paul als Privatchauffeur zur Seite steht, nachdem dieser nach einer Alkoholkontrolle (der vermaledeite Rotwein) seinen Lappen abgeben musste. Und schließlich nimmt auch noch Pauls Freund und Computer-Nerd Günther (Oliver Korittke) die Wohnzimmercouch in Beschlag, weil er sich zwar unsterblich in die Kellnerin Iggy (Karoline Schuch) verknallt hat, bei der aber einfach nicht landen kann und nun mit seinem gebrochenen Herzen auf keinen Fall allein sein möchte. Fortan wird von dem problembeladenen Männer-Quartett in Pauls Loft philosophiert und Rotwein getrunken und philosophiert und Rotwein getrunken...


„Mann tut was Mann kann" bietet eine Reihe wunderbar charmant-trockener Pointen (Stichwort Alkoholkontrolle), trotzdem ist die stärkste Szene des Films eine ganz andere: Wie oft mussten wir im Kino nicht schon schmerzhaft-peinliche Aufklärungsgespräche über uns ergehen lassen, in denen die Eltern wild vor sich hin stammeln und die Kinder sich fremdschämen. In „Mann tut was Mann kann" läuft das zum Glück ganz anders. Auf die Frage seiner Teenager-Tochter, ob und wie Liebe und Sex eigentlich zusammenhängen, reagiert Paul mit einer Direktheit, Offenheit und Natürlichkeit, die bewundernswert ist. Es sind solche Momente, in denen klar wird, dass das Drehbuchautoren-Duo (bestehend aus Regisseur Marc Rothemund und Romanautor Hans Rath) seine Protagonisten ernst nimmt und nicht bereit ist, sie sofort für die nächste Pointe zu opfern. Diese Natürlichkeit scheint sich übrigens zu einem Markenzeichen Rothemunds zu entwickeln, immerhin war sein vorherige Komödie „Groupies bleiben nicht zum Frühstück" gerade deshalb so großartig, weil er darin zwar eine typische Hollywoodstory um einen verliebten Popstar erzählt, dies aber auf eine derart lebensnahe und ehrliche Art, dass man sich in den Film einfach verlieben musste.

Neben Wotan Wilke Möhring („Das Leben ist nichts für Feiglinge") sticht vor allem Jan Josef Liefers aus der Besetzung heraus. Ähnlich wie in seiner Rolle als Münsteraner „Tatort"-Gerichtsmediziner Professor Boerne spielt Liefers auch hier einen gehobenen Genießer, der mit trockenen Kommentaren nur so um sich schmeißt. Was im „Tatort" jedoch immer häufiger zur reinen Karikatur verkommt, ist in „Mann tut was Mann kann" viel geerdeter. Nicht sonderlich gut getroffen haben die Autoren hingegen Computer-Nerd Günther. Zwar tut Oliver Korittke („Bang Boom Bang") sein Möglichstes, um Klischees zu vermeiden. Aber der ganze Hacker-Plot ist schon technisch ein solcher Unsinn, dass die Figur ihre Glaubwürdigkeit verliert (was übrigens auch für die Reaktionen seiner Angebeteten auf seine „kreativen" Liebesbekundungen gilt). Und auch das Finale inklusive gecrashter Hochzeit hätte besser in eine herkömmliche romantische Komödie gepasst (was im Umkehrschluss aber natürlich auch bedeutet, dass „Mann tut was Mann kann" eben nicht 08/15, sondern durchaus etwas Besonderes ist).

Fazit: Für gute 100 Minuten ziehen wir gerne in diese Männer-WG ein – denn in „Mann tut was Mann kann" verhalten sich die Erwachsenen tatsächlich mal wie Erwachsene und nicht wie liebestolle Teenager. Erst im konstruierten Finale gerät der Film dann doch noch kurzzeitig ins wieder und wieder geklärte RomCom-Fahrwasser, aber da ist man sowieso schon längst auf der Seite der Rotwein-Philosophen.
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