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War Dogs
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
War Dogs
Von Frank Schnelle
Wie verschieden zwei Menschen sein können, erkennt man zum Beispiel daran, wie unterschiedlich sie am Telefon ihre Ware an den Mann zu bringen versuchen. Der eine, anständig, seriös, gutwillig, scheitert kläglich dabei, eine Ladung Bettwäsche an Altenheime zu verkaufen – er ist der richtige Mann mit dem falschen Produkt. Der andere, großspurig, schmierig, unverschämt, landet einen Volltreffer, als er einem US-Offizier eine Ladung Gewehre andreht – er ist der falsche Mann mit dem richtigen Produkt. Die kurze Szene genügt Regisseur Todd Phillips („Hangover“), um die Charakter-, aber auch die Machtverhältnisse zu klären, bevor seine beiden Protagonisten sich in ihr wildes Abenteuer stürzen. Das Duo, so gut es sich auch ergänzen mag, wird nie ganz auf demselben Level agieren. Trotzdem oder gerade deshalb legen die jungen Männer als Waffenhändler eine spektakuläre „Erfolgsgeschichte“ hin, die so unglaublich ist, dass sie eigentlich nur wahr sein kann. Basierend auf einem „Rolling Stone“-Artikel aus dem Jahr 2011, interpretiert „War Dogs“ den millionenschweren Schelmenstreich, der sich Mitte der Nullerjahre tatsächlich abgespielt hat, in erster Linie als Komödie. Nicht sonderlich subtil, aber immer effizient und unterhaltsam zitiert und karikiert Phillips dabei die großen Gangsterfilme von Martin Scorsese und Brian De Palma.

Miami, 2005. Mit Anfang zwanzig hat David (Miles Teller) als Unternehmer schon einige Bauchlandungen hinter sich. Jetzt jobbt er als Masseur und ahnt, dass das nicht reichen wird, um eine Familie zu versorgen. Seine Freundin Iz (Ana de Armas, „Knock Knock“) ist schwanger. Hilfe naht in Form von Davids altem Schulfreund Efraim (Jonah Hill), der mit seiner Firma Waffen im Internet vertickt. Dabei ist er auf eine Goldader gestoßen: Die US-Regierung ist dazu übergegangen, Rüstungsaufträge für den Irak-Krieg im Internet auszuschreiben. Auch kleinere Anbieter haben so die Chance, ein paar Krümel vom großen Kuchen abzubekommen. Als Efraim ihm anbietet, mit ihm zusammenzuarbeiten, zögert David zunächst. War er nicht immer gegen den Krieg? Aber die Aussicht auf schnellen Reichtum ist dann doch zu verlockend...



In seiner „Hangover“-Trilogie lud Phillips Alltägliches mit Bizarrerie und Exzentrik auf, hier geht er den genau umgekehrten Weg: Die Blitzkarriere von David und Efraim, die als Schreibtischtäter beginnen, bald aber selbst im Nahen Osten und auf dem Balkan mitmischen, inszeniert er mit komödiantischem Understatement als beinahe ruhigen Fluss. Die Idee dahinter: Die Story mit ihren wahnwitzigen Prämissen und kruden Wendungen ist von Haus aus dermaßen over the top, dass es der Übertreibung und Zuspitzung kaum noch bedarf. Auf sympathische Weise präsentiert sich Phillips über weite Strecken als klassischer Geschichtenerzähler, der seinen Figuren Raum und dem Plot Zeit zum Atmen lässt und mit großer handwerklicher Eleganz zu Werke geht. Ein paar stilistische Mittel wie Davids’ Voice-over und den Rückblenden-Einstieg leiht er sich dabei ebenso bei „GoodFellas“ wie das Gefühl der Gangster-Grandezza, die früher oder später einen Dämpfer erhalten muss. Das funktioniert alles ganz hübsch, ist aber nicht sonderlich originell. Ähnlich verhält es sich mit den ungezählten Anspielungen auf Brian De Palmas „Scarface“, von denen es ein paar weniger auch getan hätten.

In investigativer Hinsicht begnügt sich „War Dogs“ damit, die hanebüchene Vergabepraxis der US-Militärbehörden zu Zeiten der Bush-Cheney-Administration mit groben Pinselstrichen zu skizzieren. Das genügt, um das Lachen im Halse stecken bleiben zu lassen, geht aber nicht so bitter-satirisch ans Eingemachte wie etwa „Lord Of War – Händler des Todes“ für die Waffenschieber- oder unlängst „The Big Short“ für die Finanzbranche. Dafür machen Miles Teller („Whiplash“, „Fantastic Four“) und vor allem der fulminant aufspielende Jonah Hill („21 Jump Street“, „The Wolf Of Wall Street“) das Ganze zu einem echten Vergnügen – und allein die Brille von Bradley Cooper („American Sniper“) als undurchsichtiger Waffenschieber Henry Girard stiehlt sowieso allen die Show.

Fazit: Von Todd Phillips elegant inszenierte, auf schier unglaublichen Tatsachen basierende Komödie, die das Rad nicht neu erfindet, aber bestens unterhält.
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Kommentare

  • Der Eine vom Dorf
    Das sehe ich ganz genauso.
  • Peter H.
    Hill sieht ja wieder fetter aus als je zuvor. Der hatte doch zuletzt so viel abgenommen!
  • Slevinho
    Was genau hat das mit dem Film zu tun oder seiner Rolle ?
  • Slevinho
    Was du nicht sagst, aber wieso ist sein gewicht für den film und seine Rolle so ein Thema für dich ? Nicht zu verstehen
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