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    Die Tribute von Panem 2 - Catching Fire
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Die Tribute von Panem 2 - Catching Fire
    Von Christoph Petersen

    Nach den Dreharbeiten zu „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ avancierte Jennifer Lawrence nicht nur zum weltweit umkreischten Superstar, sie sahnte mit gerade einmal 22 Jahren auch noch den Oscar als Beste Hauptdarstellerin in „Silver Linings“ ab (sie ist damit die zweitjüngste Siegerin in dieser Kategorie überhaupt). Inzwischen pendelt die preisgekrönte Nachwuchsschauspielerin zwischen Rollen in potentiellen Oscar-Filmen wie „American Bullshit“ oder „Serena“ und ihrem immer größer werdenden weltweiten Superhit-Franchise – mit kleinen Abstechern ins ähnlich erfolgsträchtige „X-Men“-Universum. Nun könnte man leichtfertig auf die Idee kommen, dass die Rückkehr zu den „Panem“-Filme für Lawrence nach der unglaublichen Entwicklung der vergangenen Jahre schauspielerischen Stillstand bedeuten würde. Aber wer Francis Lawrence‘ „Die Tribute von Panem 2: Catching Fire“ nicht einfach als „noch einen Jugend-Fantasy-Blockbuster“ abtut, sondern sich die Protagonistin unvoreingenommen anschaut, muss erkennen, dass diese Einschätzung völliger Unsinn ist: Katniss Everdeen ist im zweiten Film traumatisierte Kriegsheimkehrerin, schlagfertige Kick-Ass-Amazone und sich selbst aufopfernde dramatische Heldin in einem – und Jennifer Lawrence beherrscht alle diese Facetten glänzend! So hat „Catching Fire“ mehr erzählerische Tiefe als der erste Teil, allerdings kann die Inszenierung der Hungerspiele selbst mit der in „Tödliche Spiele“ nicht ganz mithalten.

    Kurze Zeit nachdem es den Tributen Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) mit einem Trick gelungen ist, die 74. Hungerspiele gemeinsam zu überleben, obwohl es ja eigentlich nur einen Sieger geben darf, steht ihnen nun eine Propagandatour durch die zwölf Distrikte bevor. Weil viele Zuschauer in Katniss‘ List mit den giftigen Beeren jedoch keinen Akt der Liebe zu Peeta, sondern eine Protestaktion gegen das Kapitol erkannt haben, macht Präsident Snow (Donald Sutherland) der aufmüpfigen Siegerin eine klare Ansage: Entweder sie und Peeta spielen während der Tour glaubhaft ein Liebespaar oder es wird Krieg geben! Aber auch wenn sich Katniss alle Mühe gibt, klingen ihre Huldigungen des Kapitols wie erzwungen und auswendig gelernt. Das spürt auch das Publikum und tun immer mehr Protestler mit dem Pfeifen der Melodie von Katniss‘ gefallener Mitstreiterin Rue ihren Unmut kund. Gerade als Präsident Snow das Siegerpaar deshalb eliminieren lassen will, kommt sein neuer Spielleiter Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) auf die geniale Idee, zur Feier des Jubiläums bei den 75. Hungerspielen ausschließlich ehemalige Sieger gegeneinander antreten zu lassen. Als bisher einziger weiblicher Gewinner aus dem 12. Distrikt müsste Katniss auf jeden Fall erneut in die Arena einziehen...



    Nachdem die dystopische Gesellschaft um das tyrannisch herrschende Kapitol, die unterjochten zwölf Distrikte und die live im TV übertragenen Hungerspiele bereits in „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ eingeführt wurden, handelt der zweite Teil nun davon, wie ein Funken Hoffnung in der unterdrückten Bevölkerung den Willen zum Aufstand entfacht. Für diese politische Ebene seiner Erzählung findet Regisseur Francis Lawrence („Wasser für die Elefanten“, „Constantine“) noch stärkere Bilder und Metaphern als sein Vorgänger Gary Ross. Er spielt die Kontraste zwischen Reich und Arm, Mächtigen und Ausgebeuteten wirkungsvoll aus und verdichtet sie zu treffsicherer anti-totalitärer Gesellschaftskritik: Während die Menschen in den Distrikten hungern, werden auf den dekadenten Partys des Kapitols spezielle Kotzdrinks gereicht, nach denen man sich übergeben muss – sonst könnte man ja gar nicht all die angebotenen leckeren Speisen probieren und das wäre doch wirklich zu schade. Der von Luxus und Überfluss ausgeschlossenen Mehrheit begegnet das Regime dagegen mit Verachtung und willkürlich-brutalen Vergeltungsakten, die Lawrence durchaus nicht beschönigt. Allein der Kamerablick auf den zerschundenen Rücken des ausgepeitschten Gale (Liam Hemsworth bleibt einmal mehr die Rolle des unglücklich Schmachtenden) spricht da Bände.

    Der Höhepunkt des Zynismus der Herrschenden wird erreicht, wenn Präsident Snow mit seinem neuen Spielleiter eine an Perfidität nicht mehr zu übertreffende Medienstrategie durchspricht: Sie wollen Bilder von Katniss‘ Hochzeitvorbereitungen (von der Kleiderwahl bis zum Kuchenprobieren) mit Aufnahmen von Folterungen und Exekutionen in den Distrikten zusammenschneiden – mit der manipulativen Montage soll die Heldin als herzlos gebrandmarkt und die Liebe des Volkes zu ihr gebrochen werden. Mit dieser Medienschelte geht Francis Lawrence noch viel weiter als Gary Ross mit seiner auch schon treffenden Castingshow-Satire im ersten Teil, die hier mit dem erneuten Auftritt von Stanley Tucci als aalglatter Showmaster Caesar Flickerman ebenfalls variiert wird. Dieses Element wird diesmal wie einige andere Aspekte, die schon in „Tödliche Spiele“ thematisiert wurden (wie etwa der Kampf um Sponsoren), allerdings recht schnell abgehandelt, aber das ist angesichts einer ohnehin schon recht langen Laufzeit von 147 Minuten gut zu verschmerzen. Hier wurde ähnlich wie bei den „Harry Potter“-Filmen geschickt bei schon Bekanntem gekürzt, ohne die Treue und die Nähe zur Buchvorlage aufzugeben.
     
    Was für einzelne Plot-Elemente gilt, die schon im ersten Teil vorkamen, lässt sich auch von den wiederkehrenden Darstellern - von Josh Hutcherson als Katniss‘ Co-Tribut und Fast-Ehemann Peeta bis zu Donald Sutherlands charismatisch-fiesem Präsident Snow – sagen: Es wird bewährte Qualität geboten. Für etwas Abwechslung sorgen dazu einige Neuzugänge wie Philip Seymour Hoffman („Mission: Impossible 3“) als zynischer Zeremonienmeister und Sam Claflin („Snow White and the Huntsman“) als früherer Hunger-Games-Gewinner Finnick Odair, aber letztlich gehört der Film ganz eindeutig Jennifer Lawrence. Und die ist auch bei dem tödlichen Spektakel der Hungerspiele, das diesmal inmitten eines von einer Dschungellandschaft umgebenen Sees beginnt, wieder voll in ihrem Element. Als Katniss ins Wasser springt, um als erste zu ihrem Bogen zu gelangen, treten aber auch die Unterschiede in den Inszenierungen von „Tödliche Spiele“ und „Catching Fire“ endgültig unübersehbar zu Tage: Wo Gary Ross mit seiner Wackelkamera noch auf eine raue Realitätsnähe abzielte (und damit auch manchen Kinozuschauer ziemlich nervte), behält Francis Lawrence seinen geleckten Blockbuster-Look nun selbst während des fantastisch angehauchten Kriegsspiels konsequent bei.

    Der Oberflächenglanz erweist sich als zweischneidige Angelegenheit. Wenn den Dschungelsets eine etwas sterile Studioatmosphäre anhängt, passt das ganz gut, schließlich sind die Hungerspiele nichts anderes sind als ein über alle moralischen Grenzen hinweg auf die Spitze getriebenes Reality-TV-Format: „Germany‘s Next Topmodel“ trifft „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ - und wer nicht genügend Unterstützung von den Sponsoren erhält, der wird eben im Leichensack abtransportiert! Weniger angebracht ist das „Glattgebügelte“ hingegen, wenn es um die Kämpfe selbst geht: Bekommen es die Protagonisten mit bissigen Affen oder giftigem Nebel zu tun, dann hält die Kamera gerne und lange drauf, aber sobald sich zwei Tribute im Zweikampf gegenüberstehen, ist das Duell entweder im Handumdrehen beendet oder es findet gleich im Off statt. Hier war Gary Ross deutlich konsequenter als sein Nachfolger, der die wirklich schmerzhaften Momente ausblendet und damit die Gefahr in Kauf nimmt, den Schrecken zu verharmlosen. Dabei wäre eine härtere Gangart allemal angemessen gewesen – zumal hier vor den Hungerspielen eine solche Wut gegen das faschistische Kapitol und seinen tyrannischen Herrscher angefacht wird. So dürfte Francis Lawrence der Umstand, dass es im auf zwei Filme aufgeteilten dritten und letzten Buch keine Hungerspiele mehr gibt, voll in die Karten spielen und wenn er „Flammender Zorn 1 + 2“ mit derselben epischen Kraft inszeniert wie die erste Hälfte von „Catching Fire“, dann stehen uns noch zwei starke Fantasy-Blockbuster ins Haus.

    Fazit: „Die Tribute von Panem 2: Catching Fire“ ist noch epischer und in seiner Gesellschaftskritik noch treffsicherer, aber bei der Inszenierung der Hungerspiele auch glattgebügelter als sein Vorgänger und hält so insgesamt das überzeugende Niveau von „Tödliche Spiele“.

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