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Die Schlümpfe 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Die Schlümpfe 2
Von Björn Becher

Keine zwei Wochen nachdem „Die Schlümpfe“ im Sommer 2011 in den amerikanischen Kinos gestartet war, kündigten die Macher bereits eine Fortsetzung an. Sie schenkten dafür erneut Regisseur Raja Gosnell das Vertrauen, schließlich war es ihm gelungen, den Klassiker behutsam zu modernisieren. Er erweckte die alte Schlumpfwelt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein schien, mit moderner 3D-Technik zu neuem Leben und schlug amüsante Funken aus der ersten Begegnung der blauen Wichte mit unseren neuesten technischen Errungenschaften. Dass die Handlung kaum mehr Substanz als eine 20-minütige Episode der alten Zeichentrickserie hatte, wurde dabei von der eindrucksvollen 3D-Optik und der nahezu perfekten Kombination aus realen Schauspielern und Animationsfiguren übertüncht. In der Fortsetzung „Die Schlümpfe 2“ ist der Fortschritt nun auch im Schlumpfendorf angekommen, so dass vom betulichen Charme der Comics und der TV-Serie nun so gut wie gar nichts mehr zu spüren ist. Die Optik von Gosnells neuem Film ist zwar wieder eine Wucht, wozu auch der bestens in Szene gesetzte Schauplatz Paris seinen Teil beiträgt. Das reicht allerdings dieses Mal bei weitem nicht, um die eklatanten Schwächen auszugleichen. Bis auf den einen oder anderen gelungenen Witz ist „Die Schlümpfe 2“ eine lahme Veranstaltung, bei der den kleinen blauen Racker überwiegend nur Statistenrollen bleiben.

Seit den Ereignissen in „Die Schlümpfe“ sitzt der fiese Zauberer Gargamel (Hank Azaria) in unserer Welt fest, wo er es als vermeintlicher Illusionskünstler zu globalem Ruhm gebracht hat. Das reicht dem Griesgram aber nicht, denn er träumt von der Weltherrschaft. Dafür braucht er jedoch mehr Schlumpf-Essenz, seine Vorräte des Stoffs, der die Basis seiner Zauberkraft bildet, gehen rapide zur Neige. In seiner Not versucht der Zauberer, die Essenz selbst herzustellen, doch er scheitert: Die entstandenen frechen Lümmel Zickie (Christina Ricci / Christiane Paul) und Hauie (JB Smoove / Michael Kessler) haben zwar die Statur von Schlümpfen, sind aber lehmfarben statt blau. Da nur die ebenfalls einst von Gargamel geschaffene Schlumpfine (Katy Perry / Hannah Herzsprung) das Geheimnis kennt, wie aus einem Lümmel ein Schlumpf wird, lässt der Zauberer sie von Zickie entführen. Papa Schlumpf (Jonathan Winters) eilt natürlich gleich zur Rettung seiner Adoptivtochter, unterstützt wird er vom Tollpatsch Clumsy (Anton Yelchin), dem immerzu schlecht gelaunten Muffi (George Lopez) und dem stetig seine Schönheit bewundernden Beauty (John Oliver). Weitere Hilfe erhalten die Schlümpfe von ihren menschlichen Freunden Patrick (Neil Patrick Harris) und Grace Winslow (Jayma Mays) sowie von Patricks Stiefvater Victor (Brendan Gleeson). Gemeinsam geht es nach Paris, wo Gargamel seine dunklen Pläne in Angriff nehmen will…

Seit der Belgier Peyo 1958 das erste Comic-Abenteuer der blauen Wichte mit den charakteristischen weißen Mützen verfasste, sind weit über 50 Jahre vergangen. Viele neue Figuren und Helden haben inzwischen die Kinderzimmer erobert, aber die zeitlosen Schlümpfe haben (fast) allen Moden widerstanden und sind trotzdem ungemein populär geblieben. Nun katapultiert Regisseur Raja Gosnell jedoch auch Schlumpfhausen und seine Bewohner endgültig in die Gegenwart. Staunten die kleinen Helden im ersten Film noch über so etwas Sonderbares wie Google, gibt es in ihrer Mitte nun den Social Schlumpf (Mario Lopez), der auf „Schlumpfbook“ die neuesten Ereignisse aus dem Dorf postet und sich darüber freut, wie viele Likes es schon gegeben hat. Gosnell setzt dieser zeitgeistigen Modernisierung nur zu Beginn einen originellen Anachronismus entgegen: Wenn der Erzähler-Schlumpf (Tom Kane) seinen Kameraden und dem Zuschauer die Geschichte der Herkunft von Schlumpfine erläutert, macht er dies mittels eines Pop-Up-Buches: Gosnell verknüpft so eine der frühesten 3D-Erzählformen mit dem heutigen 3D-Kino – ein starker Auftakt. Doch für solche geistreichen Anspielungen ist bald kein Platz mehr, von nun an konzentrieren sich die Macher ganz auf das Heute und da sind amüsante Momente (etwa wenn Gargamels Katze Asrael ihre Facebook-Seite pflegt und die Weltherrschaftspläne auf einen Tablet-PC überträgt) absolute Ausnahmen – stattdessen werden Stolper-Action-Einlagen zelebriert, denen zudem der Schwung fehlt.

Erschreckend ist dabei vor allem, dass Gosnell und seinen fünf (!) Drehbuchautoren kaum mehr etwas zu den Schlümpfen selbst einfällt. Wie schon beim ersten Film wird das Schlumpfendorf nach wenigen Minuten verlassen und es geht stattdessen in die Großstadt. Das Ambiente von Paris wird dabei zwar gut zur Geltung gebracht (das Team durfte unter anderem erstmals in der eindrucksvollen Oper drehen), aber gelegentlich wird so die Kulisse zur Hauptsache und die eigentlichen Protagonisten geraten in den Hintergrund. Ein zusätzliches und vielleicht noch entscheidenderes Manko ist, dass schon kurz nach Filmbeginn nur noch fünf Schlümpfe überhaupt eine größere Rolle spielen und die kunterbunte Vielfalt der blau-weißen Truppe überhaupt nicht mehr zur Geltung kommt. Dass Beauty an jedem Spiegel stehen bleibt und sich selbst bewundert, wird so genauso schnell langweilig wie Muffis Nörgelei. Letzteres ist anscheinend auch den Filmemachern aufgefallen, denn sie dichten dem Griesgram einen Sinneswandel aus heiterem Himmel an: Mit einem Mal sieht der nun alles positiv und nennt sich Optimisti… Nach einem guten Gag über den neuen Charakter stellt sich das Problem der mangelnden Abwechslung dann aber von neuem ein.

Die erzählerische Eintönigkeit fällt umso deutlicher ins Gewicht, als dass „Die Schlümpfe 2“ die schon im Vorgänger eher seltenen anarchischen und spielerischen Momente fast vollständig fehlen. Dass die Schlümpfe gerne Verben durch die Vokabel „schlumpfen“ ersetzen, spielt kaum eine Rolle mehr, Auch das prägnante Lalala des Schlumpfenlieds wird diesmal nicht sehr gelungen eingesetzt und hat offenbar nur den schrecklichen neuen Britney-Spears-Song „Ooh La La“ inspiriert, den Zickie am Ende intonieren darf. Statt der drei Äpfel großen Schlümpfe stehen ohnehin meist die menschlichen Figuren ungewohnt deutlich im Mittelpunkt. Die Beziehung von Patrick zu seinem Stiefvater Victor spiegelt dabei gewissermaßen das Verhältnis von Schlumpfine zu Papa Schlumpf. Während Patrick Winslow im ersten Teil lernte, ein guter Vater zu sein, muss er nun lernen, Victor ein guter Sohn zu sein. Schlumpfine ist sich unterdessen unsicher, ob sie zu ihrem eigenen Stiefvater Papa Schlumpf oder zu ihrem „Erzeuger“ Gargamel gehört. Diese thematisch durchaus schlüssige Doppelung hemmt den Erzählfluss, zumal die den beiden Teilgeschichten gemeinsame Erkenntnis, dass die Erziehung und nicht die Herkunft entscheidend ist, insgesamt viel zu ausführlich ausgewalzt wird.

Hank Azarias Gargamel wiederum verkommt in diesem Film trotz erneut eindrucksvoller Maske endgültig zum reinen Knallchargen-Bösewicht (es gibt für einen Schurken schließlich kaum etwas Schnöderes als die Weltherrschaft anzustreben) – auch wenn es eine amüsante Idee ist, dass der Fiesling für seine Wutausbrüche und nicht immer ganz gelungenen Zaubereien als neue Sensation der Show-Magier-Welt gefeiert wird. Neuzugang Brendan Gleeson („The Guard“) ist als Victor darstellerisch dagegen ein voller Gewinn und spielt mit fast schon erdrückender Wärme und Präsenz die amüsanteste Figur. Diese sorgt nach ihrer zwischenzeitlichen Verwandlung in eine Ente auch für die spaßigsten Momente. Neben dem verzauberten Vogel sind vor allem die beiden Lümmel für einigen netten Schabernack verantwortlich. Während Zickie das Herz auf dem rechten Fleck trägt, ist Hauie so überdeutlich als tumber Einfaltspinsel gezeichnet, dass seine totale Begriffsstutzigkeit und sein begrenzter Wortschatz ihn letztlich sympathisch erscheinen lassen. Dass eine Ente und zwei Lümmel noch für den größten Spaß sorgen, ist allerdings nicht unbedingt ein Kompliment für einen Film, der „Die Schlümpfe 2“ heißt.

Fazit: Die Macher glauben weiter an ihr Erfolgskonzept. Bereits vor dem Start von „Die Schlümpfe 2“ haben sie eine weitere Fortsetzung angekündigt. Bleibt zu hoffen, dass sie sich für „Die Schlümpfe 3“ wieder auf die eigentlichen Stärken ihrer drei Äpfel großen Helden besinnen und der Film im Vergleich zu „Die Schlümpfe 2“ vor allem eins wird: schlumpfiger!

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