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    Voll abgezockt
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Voll abgezockt
    Von Christoph Petersen
    In Europa ist sie zwar noch nicht so bekannt wie auf der anderen Seite des Atlantiks, aber es gibt aktuell keinen Comedy-Star, der an den US-Kinokassen eine so sichere Bank ist wie Melissa McCarthy. Nachdem die im TV (mit „Gilmore Girls" und „Mike & Molly") großgewordene Komikerin in dem Überraschungshit „Brautalarm" ihren Co-Stars die Show gestohlen hat, ist nun auch das hauptsächlich mit ihr beworbene Roadmovie „Voll abgezockt" von Seth Gordon („Kill The Boss") in ihrer Heimat finanziell durch die Decke gegangen. Außerdem zweifelt kaum ein Branchen-Analyst daran, dass ihre im Juni in den USA startende FBI-Komödie „Taffe Mädels" mit Sandra Bullock ebenfalls ganz groß absahnen wird. Also: Woher kommt dieser Erfolg? McCarthy ist eine Comedy-Naturgewalt, die ihre zotigen Pointen mit vollem Körpereinsatz und ohne jede Rücksicht auf den guten Geschmack abfeuert! Doch wo ihr das oscarnominierte Skript zu „Brautalarm" noch die perfekten Vorlagen servierte, lässt „Voll abgezockt"-Autor Craig Mazin die ohne Netz und doppelten Boden agierende McCarthy nun wiederholt abstürzen – was vor allem für das sich fremdschämende Publikum immer wieder schmerzhaft endet.

    Als er einen Anruf seines Kreditkartenunternehmens erhält, gibt Buchhalter Sandy Bigelow Patterson (Jason Bateman) am Telefon seine persönlichen Daten heraus. Doch am anderen Ende der Leitung befindet sich gar keine Kundenberaterin, sondern die Kreditkartenbetrügerin Diana (Melissa McCarthy), die ihre ausschweifenden Shopping-Trips finanziert, indem sie die Identität ihrer Opfer annimmt. Und Sandy trifft es sogar besonders hart: Diana räumt nicht nur sein Konto leer, sie zeigt den gefälschten Ausweis auch vor, als sie für eine Nacht im Gefängnis landet. Damit ist gegen Sandy plötzlich ein Strafverfahren anhängig, das dem hypothekenabzahlenden Familienvater sogar seinen neuen Job kosten könnte. Um seine Existenz zu retten, bleibt Sandy nur eine Woche, um Diana in Miami aufzuspüren und sie die 3.000 Kilometer zurück zu den örtlichen Behörden nach Denver zu schleppen...

    Roadmovies mit zwei grundverschiedenen Helden, die sich zunächst nicht ausstehen können, dann aber doch Freunde werden, sind fast so alt wie das Kino selbst. Aber wo es früher noch gereicht hat, dass das Flugzeug von Steve Martin und John Candy in dem Feiertags-Klassiker „Ein Ticket für zwei" wegen eines Schneesturms nicht abheben kann, bedarf es inzwischen offenbar eines deutlich aufwendigeren Story-Konstrukts, um die beiden Protagonisten zusammenzubringen: So dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis Sandy und Diana endlich das erste Mal aufeinandertreffen. Allein die juristische Erklärung dafür, warum der Polizei die Hände gebunden sind und Sandy die Betrügerin persönlich in Miami einsammeln muss, bedarf gleich mehrerer Dialogszenen – und ergibt auch dann noch keinen rechten Sinn! Jerry Eetens und Craig Mazins Idee des Identitätsklaus hat sich auf drei Zeilen zusammengefasst in Produktionsmeetings sicherlich super verkauft. Aber wie Mazin („Scary Movie 3", „Hangover 2") den Plot nun zu einer abendfüllenden Filmhandlung auswalzt, ist mehr als umständlich.

    Treffen die Stars dann endlich aufeinander, ergänzen sie sich ziemlich gut. Jason Bateman („Wie ausgewechselt") überzeugt in seiner Paraderolle als zurückhaltender Bürokrat, während Melissa McCarthy auch diesmal nur eine Gangart zu kennen scheint: Vollgas! Leider werden die beiden vom Drehbuch im Stich gelassen: Was in „Brautalarm" noch frivol, frech und charmant rüberkam, wirkt in „Voll abgezockt" nur noch bemüht provozierend und damit platt. Das liegt nicht zuletzt daran, wie McCarthys Figur hier angelegt ist: Auch Megan in „Brautalarm" walzte schon alles nieder, was ihr in den Weg kam, aber am Ende war sie trotzdem eine Frau, die genau wusste, was sie wollte. Diana wird von Regisseur Seth Gordon hingegen gleich in einer der ersten Szenen, in der sie sich in einer Bar mit ausgegebenen Lokalrunden für kurze Zeit Freunde erkauft, als ganz, ganz armes Würstchen entlarvt. Trotz einer nicht sehr glaubwürdigen 180-Kehrtwende am Ende, lacht das Publikum die meiste Zeit über die brachial-resolute White-Trash-Shopping-Queen statt mit ihr – und das macht nun mal deutlich weniger Spaß!

    Fazit: Die gut harmonierenden Stars Melissa McCarthy und Jason Bateman geben ihr Möglichstes, um gegen das verhunzte Drehbuch von „Voll abgezockt" anzuspielen. Am Ende unterliegen sie trotzdem.
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