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Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern
Von Christoph Petersen
Was für eine verpasste Chance! Der neunmalige Oscar-Moderator Billy Crystal hat für die Familien-Komödie „Die Bestimmer – Kinder haften für ihre Eltern" extra einen charmant-selbstironischen Song mit dem Titel „Come Out, Come Out, Mr. Doody!" (auf Deutsch sinngemäß: „Komm raus, komm raus, Mr. Großes Geschäft!") geschrieben, mit dem er als Baseball-Stadionsprecher Artie Decker seinen Enkel bei dessen Gang auf eine öffentliche Toilette anfeuert. Und weil Crystal die Rechte an dem Stück für einen symbolischen Dollar an die Produktionsfirma übertragen hat, wären eigentlich auch alle Voraussetzungen erfüllt gewesen, um das Toiletten-Ständchen bei den Oscars als Bester Song zu nominieren. Was wäre das für eine Show geworden: Oscar-Gott Crystal gibt bei der Verleihung neben Adele (für „Skyfall" nominiert) seinen „Mr. Doody"-Song zum Besten! Doch die „Bestimmer"-Produzenten haben das Stück leider nicht einmal zur Vorauswahl eingereicht. Also muss man nun doch ins Kino gehen, um Crystal singen zu hören. Aber der Weg ins Filmtheater lohnt sich nicht nur wegen des Songs, denn Andy Fickmans „Die Bestimmer" verbreitet trotz des autoritären deutschen Titels auch sonst eine Menge gute Laune.

Als der beliebte Stadionsprecher Artie Decker (Billy Crystal) von dem halb so alten Chef des Baseballvereins in den Vorruhestand geschickt wird, bricht für den Sprücheklopfer vom alten Schlag eine Welt zusammen. Die Begründung für seinen Rauswurf: Er weiß nicht, was Tweets sind, und einen Lieblings-Angry-Bird hat er auch nicht! Und als ob der unerwartete Rentenantritt nicht schon schlimm genug wäre, bittet Tochter Alice (Marisa Tomei) Artie und seine Frau Diane (Bette Midler) auch noch, für eine Woche auf die drei technikabhängigen, unter Berücksichtigung modernster kinderpsychologischer Erkenntnisse großgezogenen Enkel aufzupassen. Bei diesem Zusammenprall zwischen Old School und New School ist das perfekte Familienchaos natürlich vorprogrammiert...

Vollautomatische Häuser, Therapiestunden für Vorschüler, Hashtagging – und mittendrin ein knurriger Billy Crystal („Harry und Sally", „City Slickers"), der diese schöne neue Welt mit seinen gewohnt trockenen Sprüchen kommentiert. Es ist fast so, als würde er auf der Oscar-Bühne stehen und die Stars aufziehen, nur dass in „Die Bestimmer" statt Brangelina nun eben überfürsorgliche Glucken-Eltern und die Abgründe des technologischen Fortschritts als Ziele herhalten müssen. Billy Crystal hat es jedenfalls zehn Jahre nach seiner letzten großen Kino-Hauptrolle (2002 in „Reine Nervensache 2") immer noch drauf, außerdem spricht er hier aus eigener Erfahrung: Die Idee zu „Die Bestimmer" stammt von ihm selbst und der Film enthält neben dem Enkel-Babysitting auch noch eine Menge anderer autobiografischer Elemente. So ist nicht nur Artie, sondern auch der reale Crystal ein riesiger Baseball-Fan - 2008 bestritt der Komödiant sogar ein offizielles Trainings-Spiel für die New York Yankees, wofür er extra einen eintägigen Profivertrag unterschrieb.

Trotz Crystals trockenem Humor bleibt „Die Bestimmer" im Kern aber eher versöhnlich als bissig (womit die Macher in den politisch gespaltenen USA offenbar einen Nerv getroffen haben, denn dort entwickelte sich der Film zu einem mittelschweren Kassenhit). Und dafür zeichnen in erster Linie – wie sollte es auch anders sein – die Frauen verantwortlich: Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei („Mein Vetter Winnie") ist wie immer toll (wenn auch diesmal etwas unterbeschäftigt) und die große Diva Bette Midler („Freundinnen") vier Jahre nach „The Women" doch noch einmal in einer Hauptrolle auf der großen Leinwand zu sehen, das ist allein schon den Eintritt wert. Selbst wenn sie in vielen Szenen vor allem als Stichwortgeberin für Crystal fungiert, gibt es doch zwei herausragende Momente, in denen sie es allen noch einmal zeigen kann. Der lustige: Midler scheißt die allzu strenge Geigenlehrerin ihrer Enkelin grandios zusammen. Der berührende: Gemeinsam mit Crystal singt sie den The Monotones-Klassiker „The Book of Love". Da fällt dann selbst die leicht verstörende Nebenhandlung um ein unsichtbares Känguru kaum negativ ins Gewicht.

Fazit: „Die Bestimmer" ist auf angenehme Art altmodische Familienunterhaltung mit einem toll aufgelegten Billy Crystal.

P.S.: „Come out, come out, Mr. Doody – and swim in the swimming pool. I know, it's dark where you're hiding, but out here it's really cool..."
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Kommentare

  • Aykan Y.
    die bestimmer
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