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    Jupiter Ascending
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Jupiter Ascending
    Von Christoph Petersen
    Eine Weltraum-Oper! Sind die nicht längst out? Und es gibt einen sprechenden Waschbären mit Raketenwerfer! Wer soll das denn ernstnehmen? Keinem Marvel-Projekt wurde vorab mit so viel Skepsis begegnet wie „Guardians of the Galaxy“, zumindest bis die Comic-Verfilmung an den US-Kassen zum zweiterfolgreichsten Kinostart des Jahres 2014 avancierte. Die Frage, wie zum Teufel die Marvel-Masterminds das nur wieder geschafft haben, ist in diesem Fall übrigens leicht zu beantworten: mit haufenweise augenzwinkerndem Humor! Nun kommt die nächste Space-Extravaganz in die Kinos und es ist jetzt schon sicher, dass sie es an den Kassen deutlich schwerer haben wird: Denn im Gegensatz zum „Guardians“-Spaßvogel James Gunn nehmen die „Matrix“-Schöpfer Andy und Lana Wachowski das Genre bei ihrem 175 Millionen Dollar teuren Science-Fiction-Blockbuster „Jupiter Ascending“ sehr viel ernster. Das ist aller Ehren wert in einer Zeit, in der mutige großgedachte Konzepte oft nur noch mit „Ironie“ zur Abfederung präsentiert werden, aber leider gelingt es nur bedingt: Für Sci-Fi-Fans ist der Film allein schon aufgrund seiner unerschrockenen Ideen und bahnbrechenden Designs ein Muss, aber der Publikumsmehrheit wird es schwerfallen, die beiden blass bleibenden Helden ins Herz zu schließen.

    Weil man mit dem Putzen der Toiletten reicher Leute nicht genügend Geld verdient, um ein teures Teleskop zu kaufen, möchte Jupiter Jones (Mila Kunis) in einer Klinik ihre unbefruchteten Eizellen spenden. Doch dann entpuppen sich der gerade noch so kompetent wirkende Chefarzt und seine Kollegen plötzlich als Gestaltenwandler-Aliens, die ihrer Patientin den Garaus machen wollen. Zum Glück platzt gerade noch rechtzeitig der mit Wolfs-DNA hochgezüchtete Ex-Supersoldat Caine (Channing Tatum) herein, um Jupiter zunächst vor einem intergalaktischen Kopfgeldjäger-Trio zu retten und ihr dann zu eröffnen, dass es in Wahrheit Tausende von bewohnten Planeten im Universum gibt. Nach einer  Attacke von Raumgleitern, die dabei die halbe Chicagoer Skyline in Schutt und Asche legen, flüchten Caine und Jupiter zu seinem früheren Kollegen Stinger (Sean Bean), der seit dem Ende seiner Militärkarriere als Bienenzüchter auf der Erde lebt. Und die Bienen sind es auch, die es zuerst erkennen, denn sie haben die genetische Veranlagung, Royals zu erschnüffeln: Ohne etwas davon zu ahnen, ist Jupiter in Wahrheit eine Space-Adelige, die einen Anspruch darauf hat, große Teile des Universums zu erben. Aber wer derart wohlhabend ist, der hat natürlich auch eine Menge Feinde…


    Wenn man das erste Drittel so zusammenfasst, dann klingt das zugegeben ziemlich abgehoben – und in der Pressevorführung gab es auch einige Lacher, die an der jeweiligen Stelle sicher nicht beabsichtigt waren. Aber ein paar unfreiwillig komische Momente (neben einer absichtlich kafkaesk-satirischen Behörden-Sequenz in der Tradition von „Asterix erobert Rom“) nimmt man doch gerne in Kauf, wenn sich dafür zwei der bedeutendsten Sci-Fi-Filmemacher unserer Zeit treu bleiben und nach der supererfolgreichen „Matrix“-Trilogie, dem unterschätzten „Speed Racer“ und dem megaambitionierten „Cloud Atlas“ weiter kompromisslos ihre Visionen umsetzen: Denn das filmische Universum von „Jupiter Ascending“ ist sicher keine Mainstream-Massenware, sondern derart vollgestopft mit technischen Konzepten, wissenschaftlichen Ideen, biografischen Details, verschiedenartigen Rassen, höfischen Intrigen und wirtschaftlichen Verstrickungen, dass es auf der Leinwand tatsächlich vor Leben geradezu wimmelt. Wir glauben zwar nicht, dass es für diesen Original-Stoff über diesen Film hinaus noch eine Zukunft als Franchise gibt, aber wenn doch, dann wäre es ein Leichtes, aus diesem ein komplexes Universum nach Art etwa von „Star Wars“ zu entwerfen.

    Der Weltenentwurf ist beeindruckend und auch die meist genügend Übersicht bietenden Action-Sequenzen sind durchaus spektakulär: Neben imposanten Raumschiff-Gefechten spielen dabei vor allem Caines Anti-Schwerkraft-Schuhe eine Rolle, mit denen er wie mit Skates durch die Luft rast. Da gehen die Verfolgungsjagden plötzlich in alle Richtungen (wie in „Minority Report“, nur noch viel schneller) und auch das 3D bietet zur Abwechslung mal einen echten Mehrwert. Und neben den technischen Attraktionen gibt es auch einige sehr ordentliche schauspielerische Leistungen. Das Prunkstück liefern dabei die Darsteller der intriganten adligen Geschwister, die nach dem Tod ihrer Mutter nach der wirtschaftlichen Vorherrschaft im Universum gieren und Jupiter deshalb ihr rechtmäßiges Erbe abluchsen wollen: Tuppence Middleton gibt Kalique als verzogene Göre und eine Art intergalaktisches It-Girl, während Douglas Booth („Noah“) seinen Titus als abgründig-verschlagenen Verführer anlegt.

    Aber das ist alles nichts gegen den Dritten im Bunde: Die Performance von Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) als Overacting zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts! Seinem Balem scheint bei jedem schmerzvoll herausgepressten Wort die ganze Last des Universums auf den Schultern zu liegen – das ist derart grandios-überzogen, dass es schon wieder genial ist. Im Gegensatz dazu bleiben die beiden Hauptdarsteller jedoch ziemlich blass, was gar nicht unbedingt an den Stars selbst, sondern eher am Drehbuch der Wachowskis liegt: Spätestens wenn Jupiter ihre Erbschaft des halben Universums mit kaum mehr als einem Achselzucken hinnimmt, ist ihre Glaubwürdigkeit als Erdenmädchen in einem Cinderella-im-Weltall-Märchen endgültig dahin, und Channing Tatum als pflichtbewusst-steifen Soldaten ohne Lizenz für augenzwinkernde Oneliner zu besetzen, ist eine Vergeudung seines Talents als Leading Man – da helfen selbst seine supercoolen Skateschuhe nur bedingt.

    Fazit: Ungewöhnlich-ernsthafte Weltraum-Oper mit opulent-epischen Designs, spektakulären Sci-Fi-Konzepten, turbulent-luftiger 3D-Action und zwei enttäuschenden Protagonisten.
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