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    Fast & Furious 7
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Fast & Furious 7
    Von Björn Becher
    Ein schlichtes „Für Paul“ steht am Ende von „Fast & Furious 7“ auf der Leinwand. Vorher waren noch einmal Aufnahmen des während der Dreharbeiten im November 2013 verstorbenen Paul Walker in seiner Rolle als Brian O’Conner zu sehen, die er seit dem Reihenauftakt mit „The Fast and the Furious“ zwölf Jahre zuvor verkörpert hatte. Der Bilderbogen ist ein ergreifender Abschied von dem beliebten Hauptdarsteller und zugleich ein perfekter Schlusspunkt für einen Film, bei dem es hervorragend gelungen ist, vermeintliche Widersprüche zu vereinen: Das „Over the top“ extravaganter Action-Choreographien steht ganz selbstverständlich neben der Rückbesinnung auf die weitaus bodenständigeren Anfänge der Reihe, lautes Krachwumm neben leisem Abschiednehmen. Kameradschaft und Familienwerte werden dabei wieder einmal großgeschrieben und in zuweilen platt-überdeutlichen Dialogen offen beschworen, was aber zu der absolut ehrlich wirkenden Seifenopern- Emotionalität des Films passt. Der bisher eher für Horrorfilme bekannte Regisseur James Wan („Saw“, „Conjuring“) setzt hier das Werk seines Vorgängers Justin Lin fort und schließt zugleich einen Kreis: Das Ergebnis ist ein etwas lang geratenes Action-Spektakel, in dem nicht jedes Detail streng logisch betrachtet Sinn ergibt, das aber ganz viel Spaß und dazu eine Menge Gefühl bietet.

    Owen Shaw (Luke Evans) liegt als Krüppel im Krankenhaus und sein großer Bruder Deckard (Jason Statham) sinnt auf Rache. Das erste Ziel der perfekt ausgebildeten, seit Jahren im Verborgenen lebenden Killermaschine ist Agent Hobbs (Dwayne Johnson), über dessen Computer kommt Deckard an die Namen von Dominic „Dom“ Toretto (Vin Diesel) und seiner Crew. Als erster fällt Han (Sung Kang) der Rache zum Opfer, anschließend verübt Deckard einen Bombenanschlag auf Brian O’Conner (Paul Walker) und seine Familie. Dom trommelt alle zusammen, um der neuen Bedrohung Herr zu werden, doch er muss bald einsehen, dass der rachesüchtige Gegner ihm immer einen Schritt voraus ist. Da kommt das Angebot des mysteriösen Mr. Nobody (Kurt Russell) gerade recht: Dom und seine Leute sollen für den Anführer einer streng geheimen Militärabteilung die Hackerin Ramsey (Nathalie Emmanuel) aus der Hand von Terroristen befreien. Im Gegenzug können sie Deckard mit Ramseys Überwachungssoftware aufspüren und ihn mit Unterstützung von Mr. Nobodys Soldaten ausschalten. Leichter gesagt als getan! Ein lebensgefährliches Abenteuer beginnt, das Dom und Co. von L.A. über Kasachstan und Abu Dhabi wieder zurück auf ihre Straßen in der kalifornischen Heimat führt…




    Seit dem dritten Film „The Fast and The Furious: Tokyo Drift“ ist Chris Morgan der Stammautor der Reihe. Er hat dem Franchise neues Leben eingehaucht und zwar nicht erst mit dem entsprechend betitelten „Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile“, sondern schon mit dem oft belächelten Ausflug nach Tokio, der hier anknüpfend an das Ende von „Fast & Furious 6“ endgültig in das Reihenuniversum integriert wird. Aber das ist nicht der einzige Brückenschlag in die Vergangenheit, denn es geht hier zwischendurch ganz zurück zu den Wurzeln, wenn durch Los Angeles geheizt oder wenn ein kleiner Abstecher in die Welt der (nun allerdings nicht mehr illegalen) Eins-gegen-Eins-Rennen unternommen wird, bei denen leichtbekleidete Frauen in Zeitlupe das Startsignal geben, während das Kameraauge unter ihre viel zu kurzen Röckchen lugt. Die Szene dient zugleich dazu, Dom und Letty (Michelle Rodriguez) kurz einzuführen. Seine Sehnsucht nach der alten Zeit und ihre Suche nach dem alten Ich werden dem Zuschauer geschickt noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Beim insgesamt gut gelungenen Spagat zwischen neuen Attraktionen und dem Blick in den Rückspiegel gibt es in der Handlung von „Fast & Furious 7“ allerdings auch den ein oder anderen Schlenker zu viel. Dabei ist der ganze aus arg dünnen Fäden geknüpfte Erzählstrang um die Hackerin Ramsey und die Terroristen vor allem ein Vorwand für die rasant-absurden Actionszenen rund um den Globus – aber genau die erwarten wir hier natürlich auch.

    „Autos können nicht fliegen“ sagt der mit seinem Leben als Minivan fahrender Familienvater hadernde Brian früh zu seinem kleinen Sohn, aber diese später noch variierte Behauptung wird selbstverständlich bald auf spektakuläre Weise widerlegt, wenn die Crew in ihren Wagen aus einem Flugzeug springt. Die Macher setzen gegenüber den Vorgängern noch einmal einen drauf und übertreffen sich mit abgefahrenen Stunts und Ideen selbst. Dabei fliegen die Autos mehr als einmal durch die Lüfte, dazu rasen sie auch durch unzugängliches Unterholz oder durch ein Penthouse in einem Luxus-Wolkenkratzer. In der „Fast & Furious“-Reihe sind Autos zudem längst keine bloßen Fahrzeuge mehr, sondern Waffen. So rasen die Kontrahenten aufeinander zu, als wären sie bei einem Ritterturnier und im Finale treten die vielseitigen Flitzer sogar im Straßenkampf mit einer Drohne an, wobei halb Los Angeles in Schutt und Asche gelegt wird. „Fast & Furious 7“ bietet Action satt - in immer neuen Variationen. Mit Cast-Zugängen wie Martial-Arts-Superstar Tony Jaa („Ong Bak“), MMA-Meisterin Ronda Rousey und nicht zuletzt Jason Statham („The Transporter) sind da natürlich auch harte Handkanten-Fights angesagt.

    Jason Stathams Deckard Shaw gehört gleich die allererste Szene, in der er als monströser und anscheinend unbesiegbarer Widersacher für Dom & Co. eingeführt wird. Sein Besuch am Krankenbett seines Bruders mündet in eine grandiose Pointe: James Wan zeigt uns nach und nach die Spur der Zerstörung, die der von Statham überzeugend als eiskalter Racheengel verkörperte Berserker auf dem Weg in das Hospital angerichtet hat - die Taten selbst bleiben überaus wirkungsvoll ausgeklammert. Auf ähnliche Weise wirkt der Schurke umso bedrohlicher, je weniger er sagt, zumal ihm einige bedeutungsschwangere Zeilen in den Mund gelegt werden, in denen es mit der Harte-Männer-Ernsthaftigkeit doch etwas übertrieben wird. Noch stärker ist Vin Diesel von dieser Dialogschwäche betroffen, mit seinen verkniffenen Kalendersprüchen schießt er zuweilen deutlich über das Ziel hinaus. Gelegentliche kernige One-Liner („Daddy muss arbeiten“) bieten da ein willkommenes Gegengewicht, bleiben aber hauptsächlich Dwayne Johnson vorbehalten. Der ist diesmal zwar nur eine Randfigur, doch dadurch entfalten seine Einsätze erst ihre besondere Durchschlagskraft. Für Auflockerung sorgen auch Roman (Tyrese Gibson) und Tej (Ludacris) mit ständigen Frotzeleien, sie haben zudem die etwas fadenscheinige Erklärbär-Aufgabe, die absurd-abgefahrenen Pläne der Crew noch einmal zusammenzufassen, damit jedem klar ist, dass etwas völlig Unmögliches versucht werden soll... Und schließlich ist da noch Paul Walker.

    Paul Walker ist stärker noch als Vin Diesel das Herz der „Fast & Furious“-Reihe. Während Diesels Dom immer mit Ernst an die Sache geht, steht sein Brian für eine besondere Mischung aus Leichtigkeit und Professionalität, die letztlich auch das Franchise selbst kennzeichnet. Mit Jeans, Vans und Kapuzensweater geht Brian auf heikle Missionen und dabei ist es egal, ob dies die richtige „Arbeitskleidung“ ist: Sie ist lässig und das auf völlig natürliche, unaufdringliche Weise. Schon mit Auftritten in Filmen wie „Running Scared“ oder „Kill Bobby Z“ hatte der wegen seines Sunny-Boy-Charmes zuweilen unterschätzte Walker seine schauspielerischen Qualitäten nachhaltig bewiesen; seine ganz eigene Kombination aus Talent und Charisma ist nun auch in „Fast & Furious 7“ noch einmal deutlich zu sehen, vor allem in den emotionalen Gesprächen zwischen Brian und seiner schwangeren Frau Mia (Jordana Brewster). Wenn Brian ihr vorsorglich Lebewohl sagt, falls er die Auseinandersetzung mit Deckard Shaw nicht überleben sollte, dann rührt die beachtliche Wirkung der durch ihre Lebendigkeit beeindruckenden Szene längst nicht nur daher, dass sie zugleich auch so etwas ist wie der Abschied des Schauspielers Paul Walker von seinen Fans. Und gerade dadurch führt sie uns den Verlust noch einmal schmerzlich vor Augen.

    Nach dem Tod von Paul Walker noch deutlich vor Ende der Dreharbeiten wurde gerätselt, wie „Fast & Furious 7“ zu Ende gebracht werden kann. Den Machern ist es mit Bravour gelungen. Wir wissen zwar, dass das Drehbuch geändert wurde, Walkers Brüder als Body-Doubles eingesprungen sind und außerdem alte Aufnahmen des Schauspielers sowie viel Computertechnik genutzt wurden, doch von alldem ist im Film so gut wie nichts zu merken – im Gegenteil: „Fast & Furious 7“ ist eine runde Angelegenheit! Durch Walkers tragischen Tod werden nicht nur die ohnehin schon angelegten Emotionen verstärkt, sondern es wird sogar die Spannung gesteigert. Das Problem vieler Heldengeschichten ist ja, dass die Hauptfiguren überleben müssen, weil sie für den nächsten Teil wieder gebraucht werden. Bei der Konfrontation mit Deckard Shaw wissen wir nun, dass Doms Crew auch draufgehen kann – Han hat es schließlich schon erwischt. Und wir wissen auch, dass Paul Walker für „Fast & Furious 8“ nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn ausgerechnet sein Brian O’Conner nun in die brenzligsten, scheinbar ausweglosen Situationen gerät, dann lässt sich nicht ahnen, wie es ausgeht. Dass er das erste Mal überlebt, verraten wir noch, zumal es in allen Trailern zu sehen ist. Wie es im Anschluss ausschaut, ist eine andere Frage, die wir bewusst unbeantwortet lassen.

    Fazit: „Fast & Furious 7“ ist genau der ebenso mitreißende wie emotionale Action-Abschied geworden, den sich die Fans der Reihe und von Paul Walker erhofft haben.



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