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    Storm Hunters
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Storm Hunters
    Von Christoph Petersen

    Als wir vor einigen Wochen unsere negative Kritik zu „Transformers 4“ veröffentlicht haben, wurde uns von Fans der Reihe vorgeworfen, wir könnten mit simpel gestrickten Spaß-Actionern generell nichts anfangen. Aber ganz so einfach ist das sicherlich nicht. Denn wenn ein Filmemacher handwerklich gut gemachte Action-Unterhaltung abliefert, anstatt das Publikum à la Michael Bay in „Ära des Untergangs“ einfach nur ohne Spannungsbogen oder Verschnaufpausen in voller Lautstärke zuzudröhnen, dann sind wir die letzten, die nach einem „Mehr“ an Plot verlangen. Ein gutes Beispiel dafür ist nun Steven Quales Tornado-Thriller „Storm Hunters“, der zwar auch nur ein Minimum an Handlung, aber über seine knappen 89 Minuten (und länger muss ein solcher Film auch nicht sein) hinweg immer kurzweilige Katastrophen-Action bietet. Und dass zudem die Effekte (trotz CGI-Tornados ist angenehm viel Handgemachtes dabei) sowie das Sound-Design (am besten nach einem Kino mit Dolby Atmos Ausschau halten) oberes Hollywood-Niveau erreichen, schadet natürlich auch nicht.

    An der örtlichen Highschool in Silverton steht die Abschlussfeier auf dem Plan und der stellvertretende Schulleiter Gary Morris (Richard Armitage, „Hobbit“-Trilogie) hat seine Söhne Donnie (Max Deacon) und Trey (Nathan Kress) dazu verdonnert, alles mit ihren Kameras mitzufilmen. Unterdessen rollt ein Team von Sturmjägern um Anführer Pete (Matt Walsh) in einem panzerartigen Gefährt namens Titus heran, um Filmaufnahmen im Auge eines Tornados zu machen – denn während die Wetterfachleute im Fernsehen eine andere Stoßrichtung für das Unwetter vorhersagen, hat die Team-Meteorologin Allison Stone (Sarah Wayne Callies) Silverton als wahrscheinlichsten Ort für das Auftreten von Tornados berechnet. Und tatsächlich: Ein Wirbelsturm hinterlässt eine Schneise der Verwüstung in der Stadt, dabei wird auch nahezu das gesamte Dach der Highschool abgedeckt. Aber gerade als die Bewohner von Silverton wieder zum Durchschnaufen kommen und den entstandenen Schaden begutachten, müssen sie erkennen, dass der erste Tornado kaum mehr als ein laues Lüftchen war verglichen mit dem, was da noch auf sie zuweht…

    Nachdem Roland Emmerich drei Jahre vor dem titelgebenden Datum in „2012“ alle erdenklichen Naturdesaster zusammengeschmissen hatte, schien das Katastrophenfilm-Genre für die großen Hollywoodstudios vorläufig ausgereizt zu sein, denn steigern ließ sich das so leicht natürlich nicht mehr. Erst jetzt wagen sie sich mit frischen Ansätzen wieder an den klassischen Naturkatastrophenfilm heran und bevor es Dwayne Johnson 2015 in „San Andreas“ mit den Folgen eines verheerenden Erdbebens zu tun bekommt, macht nun „Final Destination 5“-Regisseur Quale den Anfang: In „Storm Hunters“ peppt er das herkömmliche Genrekonzept mit einem Found-Footage-Ansatz, einem spannungssteigernden Slasher-Kniff und begeisternden Effekten auf, wobei die schon im Trailer zelebrierte Flughafen-Verwüstung noch zu den schwächsten Szenen zählt. Diese ist hier nämlich eine der erfreulich wenigen Zerstörungs-Sequenzen, die ausschließlich am Computer entstanden, während ansonsten überraschend viel handgemacht ist – und das merkt man auch: Die sich am Horizont zusammenbrauenden Tornados mögen aus dem Rechner stammen, aber die vom Himmel fallenden Autos, die durch Haustüren krachenden Baumstämme und damit auch die Gefahr für die Protagonisten fühlen sich jederzeit echt an.

    Weil es den Sturmjägern ebenso wie dem YouTube-Duo Donk (Kyle Davis) und Reevis (Jon Reep), das sich nach Art von „Jackass“ bei haarsträubenden Aktionen aufnimmt, gerade darum geht, Filmaufnahmen der Tornados zu machen, benötigt die Herkunft des Found-Footage-Materials erfreulich wenige Erklärungen - nur bei all dem Kameraeinsatz in der Familie Morris (Abschlussfeier, Zeitkapsel-Projekt und Uni-Bewerbungsvideo) musste sich Drehbuchautor John Swetnam spürbar ins Zeug legen. Dafür bringt Regisseur Quale das Beste aus zwei Welten zusammen: Wie es sich für Found Footage gehört, bekommt das Publikum Aufnahmen geboten, die es mitten in den Sturm hineinversetzen, aber weil dieses Material zum größten Teil innerhalb der Handlung mit professioneller Ausrüstung gedreht wird, müssen die Zuschauer trotzdem keine nervig-verwackelten, streifenreichen Handkamera-Bilder in Kauf nehmen. Und dann gibt es noch einen besonderen Kniff, den „Storm Hunters“ den meisten Katastrophen-Filmen voraushat: Gleich in der Eröffnungsszene wird eine Gruppe Teenager von einem Tornado überrascht und getötet – fast so wie bei dem obligatorischen Auftakt-Mord in einem Slasher-Film à la „Scream“. Und auch später wirken die unerwartet abwechslungsreichen Stürme (inklusive eines Feuer-Tornados) immer wie eigenständige mörderische (Horror-)Figuren, die jederzeit, aus dem Nichts und aus allen Richtungen vom Himmel herabstoßen können.

    Fazit: Was die Leinwand-Zerstörungsorgien dieses Kinosommers angeht, ist „Storm Hunters“ so etwas wie der Anti-„Transformers“ - er ist nur knappe eineinhalb Stunden lang und bietet dem Publikum wohldosiert und ohne Umschweife alles, was es von einem Katastrophenfilm erwarten darf.

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