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    Blood Ties
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Blood Ties
    Von Michael Meyns
    Was kann da schief gehen: eine Gangstergeschichte im New York der 70er Jahre; mit Guillaume Canet („Kein Sterbenswort“) ein Regisseur, der schon oft ein gutes Gespür für Thriller bewiesen hat; ein Drehbuch, an dem James Gray mitgeschrieben hat, der wie kaum ein anderer über ein Gespür für komplexe moralische Abgründe verfügt; und schließlich eine spektakuläre Besetzung mit Clive Owen, Billy Crudup, Marion Cotillard, Mila Kunis, Zoe Saldana und James Caan, um nur die Hauptdarsteller zu nennen. Eigentlich kann da nichts schief gehen und richtig schief gegangen ist „Blood Ties“, Guillaume Canets erster Film in englischer Sprache, auch nicht. Dennoch ist die Geschichte um zwei Brüder, die auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes stehen, nicht mehr als die Summe ihrer Teile. Trotz eindrucksvoller Szenen rutscht Canet zu oft in allzu bekannte Genremuster und –zitate ab.

    New York, 1974. Nach Jahren im Gefängnis wird Chris (Clive Owen) wegen guter Führung entlassen. Draußen wartet sein Bruder Frank (Billy Crudup) auf ihn, ein Polizist, der große Zweifel an Chris‘ Läuterung hat. Ihr Vater Leon (James Caan) hat große Mühe, ein wenig Frieden in der Familie zu halten, zumal Chris bald wieder in kriminelle Gefilde abdriftet: Mit seiner Ex-Frau Monica (Marion Cotillard) eröffnet er ein Bordell und lässt sich mit finsteren Gesellen ein, die auch seinen Bruder immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Frank versucht eigentlich mit Vanessa (Zoe Saldana) eine Familie zu gründen, doch Vanessas Ex-Mann Scarfo (Matthias Schoenaerts) steht dem Glück im Weg. Nicht zuletzt deswegen, da er von Frank ins Gefängnis gebracht wurde. So sehr sich Frank auch bemüht seine Welt von der seines Bruders zu trennen: Die Blutsbande ist zu tief.


    Guillaume Canet adaptierte für „Blood Ties“ gemeinsam mit James Gray den französischen Krimi „Rivals – Zwei Brüder“, in dem Canet selbst eine Hauptrolle spielt, für den amerikanischen Markt. Gerade Gray ist dabei eine offensichtliche Wahl, erzählte er in „Helden der Nacht“ doch auf teilweise brillante Weise eine ganz ähnliche Geschichte von zwei Brüdern, die durch das Gesetz getrennt sind. Dabei fallen sofort Ähnlichkeiten auf: Auch in „Blood Ties“ gibt es Familienszenen, in denen die Nähe der Brüder zu spüren ist, aber auch ihre Rivalität um die Gunst ihres Vaters. Ein breites Netz aus komplizierten Beziehungen wird gewoben, ein Netz, das schicksalhaft auf den Figuren liegt. Auch das ist ein bekanntes und bewährtes Motiv, angelehnt an die griechische Tragödie, in denen Taten der Vergangenheit, Jahre später Konsequenzen haben können.

    Die moralische Fallhöhe ist also gegeben und auch sonst bietet Canet viele überzeugende Momente: Die Atmosphäre des New Yorks der 70er Jahre, mit ihren Schlaghosen, protzigen Straßenkreuzern und dem verrotteten Charme einer Stadt vor dem Ruin ist gut eingefangen, der Erzählton ruhig, aber präzise, die Schauspieler passend besetzt. Doch so überzeugend fast sämtliche Einzelteile sind, im Endergebnis ergänzen sie sich nicht zu mehr als solider Kinokost. Es fehlt das Überraschungsmoment, kleine Variationen des Bekannten, die aus einer Aneinanderreihung von Klischees dann doch etwas Neues, etwas Eigenes formen würden. Allzu oft drängen sich Vergleiche zu Klassikern förmlich auf, erinnert ein Moment an „Carlito‘s Way“, gab es eine andere Szene schon fast genauso in „Helden der Nacht" oder fühlt man sich kurzzeitig sogar beim Überklassiker „Der Pate“. Sich an großen Vorbildern zu orientieren, ist nachvollziehbar, doch am Ende bleibt Guillaume Canet zu oft zu nah an diesen dran, findet neben den Zitaten zu selten einen eigenen Zugang.

    Fazit: Mit „Blood Ties“ erzählt Guillaume Canet die Geschichte eines gegensätzlichen Bruderpaares, die auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes stehen: gut gefilmte und toll besetzte, solide Genreunterhaltung.
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