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San Andreas
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
San Andreas
Von Christoph Petersen
Kaum eine Katastrophensequenz kommt ohne diesen Moment aus: Ein Betonbrocken löst sich aus einer Wand und schlägt direkt neben dem Protagonisten ein (beziehungsweise erschlägt ein paar Meter weiter eine weniger wichtige Figur). Im Erdbeben-Blockbuster „San Andreas“ gibt es etliche solche Augenblicke, nur sind es hier meist keine simplen Steinklumpen, sondern gleich komplette Wolkenkratzer, die die Stars Dwayne Johnson, Carla Gugino und Alexandra Daddario um Haaresbreite verpassen. Obwohl in „2012“ von Zerstörungs-Zampano Roland Emmerich der ganze Erdball von allen erdenklichen Naturkatastrophen überrollt wird, benötigt Brad Peyton („Die Reise zur geheimnisvollen Insel“) in „San Andreas“ nur ein (Weltrekord-)Erdbeben, um auf der Leinwand mindestens genauso viel Schutt und Asche zu produzieren. Doch selbst wenn im Finale weit mehr als die Hälfte von San Francisco zerstört wird, entfaltet sein Film über den schnellen CGI-Kick hinaus beim Publikum kaum eine Wirkung, denn die Figuren bleiben bis zum Schluss klischeehafte Abziehbilder und um die wahren Schrecken einer solchen Katastrophe wird ziemlich dreist herumgeschnitten.

Professor Lawrence Hayes (Paul Giamatti) und sein Forschungspartner Dr. Kim Park (Will Yun Lee) haben ein System entwickelt, mit dem sie Erdbeben zukünftig zuverlässiger vorhersagen wollen. Aber dann erhalten sie gleich bei ihrem ersten Testlauf beängstigende Ergebnisse – und tatsächlich beginnt nur wenige Minuten später die Erde so heftig zu beben, dass sogar ein gewaltiger Staudamm in sich zusammenbricht. Während sich der erfahrene Rettungspilot Ray (Dwayne Johnson) in Los Angeles bereit macht, um mit seiner Crew in das betroffene Gebiet zu fliegen, deuten die Ergebnisse weiterer Tests von Professor Hayes darauf hin, dass das Beben nur der Vorbote einer weit schlimmeren Katastrophe gewesen ist. Offenbar steht die etwa 1.100 Kilometer lange und Kalifornien praktisch in zwei Hälften teilende San-Andreas-Verwerfung so sehr unter Spannung, dass sie eines der schwersten jemals gemessenen Erdbeben auslösen könnte. Das Zentrum der prognostizierten Zerstörung: San Francisco…



In einem Kinozeitalter, in dem schon in Superheldenfilmen wie „The Avengers“ (New York) oder „Man of Steel“ (New York doubelt Metropolis) gefühlt halbe Städte dem Erdboden gleichgemacht werden, haben es ausgewiesene Katastrophenfilme natürlich immer schwerer, das allgemeine Blockbuster-Zerstörungsniveau noch zu toppen. Aber in dieser Hinsicht muss sich bei „San Andreas“ wirklich niemand Sorgen machen: Wenn Brad Peyton die CGI-Destruktionsmaschinerie erst einmal anschmeißt, dann bleibt an der halben Westküste praktisch kein Stein mehr auf dem anderen (und der Rest wird einfach von einem Tsunami weggeschwemmt). Die Animationskünstler haben dabei zwar überzeugende Arbeit geleistet, aber die intensiveren Sequenzen sind am Ende doch jene, in denen die Macher erkennbar auf handgemachte Effekte und reale Sets setzen (etwa die Unterwasserrettung im zigsten Stockwerk eines Hochhauses). Nur bleibt einem das Schicksal der Figuren, mit denen wir uns durch das Trümmerfeld San Francisco schlagen, leider ziemlich schnuppe: Die Konstellation Vater (Dwayne Johnson), Tochter (Alexandra Daddario), Bald-Ex-Frau (Carla Gugino) und neuer Lover (Ioan Gruffudd) ist nicht nur direkt aus „2012“ übernommen, sie verpufft auch ähnlich wirkungslos: Nicht nur glaubt man keine Sekunde, dass hier tatsächlich zwei Eltern um das Leben ihrer Tochter kämpfen, Johnson strahlt außer in der gelungenen Eröffnungssequenz auch kaum einmal seinen berühmten B-Movie-Charme aus.

Natürlich sind Katastrophen-Blockbuster in erster Linie Popcornkino, aber „San Andreas“ lässt sich sogar ruhigen Gewissens als Wohlfühl-Erdbebenfilm beschreiben: Während der Geschehnisse sterben realistisch gesehen Millionen von Menschen – aber Regisseur Brad Peyton scheint seinem Publikum unbedingt vermitteln zu wollen, dass das ja alles nur halb so schlimm sei. So handeln zum Beispiel die Nachrichtenberichte im Hintergrund meist von Hunderten Geretteten und niemals von Tausenden Toten, von denen insgesamt kaum etwas zu sehen ist. Spannung kommt so nur selten auf. Als Reaktion auf das verheerende Erdbeben in Nepal wurde die bereits angelaufene Marketingkampagne zu „San Andreas“ nachträglich angepasst. Besser hätten die Macher aber gleich auch noch einige besonders dummdreiste Szenen ganz herausgeschnitten. So steht da nun Dwayne Johnson pathetisch in die Ferne starrend vor einer riesigen wehenden US-Flagge und beantwortet die Frage „Und was jetzt?“ wie ein wahrhaft pragmatischer Patriot: „Jetzt bauen wir wieder auf.“ Zynischer geht’s eigentlich nicht, selbst wenn es nach dem ermüdenden CGI-Overkill so am Ende zumindest noch mal was zum Lachen gibt.

Fazit: Orgiastisches Zerstörungsspektakel, bei dem aber nur selten Spannung aufkommt.
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Kommentare

  • Modell-101
    Dafür bekommt FS aber 4,5 Sterne von mir für seine heftige San Andreas Werbung. Jedesmal wenn ich die FS-Seite öffne, zerfallen die blauen Fenster dieser Seite in Stücke und fallen runter, nur damit Dwayne Johnsons Kopf hervorluschern kann. Beim ersten Mal dachte ich, ich hätte mir ein Virus oder so eingefangen, als die Seite zu vibrieren begann xD
  • Admiratio
    Ich werde es nie verstehen, warum man bei einer Multimillionen-Dollar-Produktion nicht mal ein paar tausend Dollar mehr in die Hand nimmt, um eine vernünftige Rahmenhandlung durch einen fähigen Drehbuchautor zu schaffen.Oder man verzichtet eben ganz auf die Handlung, lässt die Bilder sprechen und legt den Fokus auf andere Dinge (z.B. bei Mad Max gerade eindrucksvoll zu beobachten).Mal wieder ein stylischer CGI-Katastrophenfilm ohne viel Blut, Mut zu Leid und Hässlichkeit und ohne Herz.Ich verzichte. Wenn schon eine komplette Stadt in Schutt und Asche gelegt werden soll, dann tut es richtig und ohne Kompromisse - oder lasst es.
  • Admiratio
    Ich denke, sie meinen das Augenzwinkern, mit dem Johnson zahlreiche seiner Rollen angeht. Habe auch das Gefühl, dass er sich nicht ganz so ernst nimmt, was auch gut ist, weil er sicher kein ganz so guter Schauspieler ist... ;-)
  • Admiratio
    Das habe ich bei der Kritik auch gedacht.Zahlreiche hier genannte Kritikpunkte hätte ich auch an Avengers 2...
  • Knarfe1000
    Für was brauchen 15-jährige Popcornfresser eine vernünftige Handlung?
  • pil
    Versteh ich nicht!
  • Admiratio
    Ja, leider gehen die Leute trotzdem rein.Man könnte mit den heutigen Mitteln Meisterwerke am Fließband produzieren - leider wird immer am falschen Ende gespart...
  • Cinergie
    Und Du warst nie 15 und hattest Spass an Popcorn-Filmen? Ich liebe auch heute noch Popcorn-Filme, es muss nicht immer alles gehauen und gestochen hochintelligent sein! Wieso immer diese Moralapostelei über die Filme, es gibt von jedem Genre für jeden irgendwas!
  • Admiratio
    "es eben ein Film mit Dwayne Johnson ist. Da weiß man als erfahrener Kinogänger sofort, das hier keine wissenschaftliche Meisterleistung erbracht wird."Na und? Und deshalb darf ich den Film dann nicht schlecht finden?Muss ich meine eigenen Ansprüche runterschrauben, nur weil man da nichts besseres erwarten darf?
  • Micheal Knight
    Fand Walking Tal mit Johnson mitreissender und auch unterhaltsamer. Der hat jedoch nur einen Stern bekommen... Wie auch immer, Schauwerte sind da. Mehr aber auch nicht. Die One-liner die zwischendurch rausgehauen werden, sind eher zum fremdschämen als zum schmunzeln. Und wie in der Kritik bereits deutlich wird, es ist einem einfach egal wer überlebt und wer nicht. Dann lieber nochmal Twister, Backdraft oder andere Vertreter des Genres, welche auch mit einer packenden Story zu überzeugen wissen.
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