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    Monuments Men - Ungewöhnliche Helden
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Monuments Men - Ungewöhnliche Helden
    Von Björn Becher

    Der Weg schien vorgezeichnet: Mit einem US-Starttermin in der heißen Phase der Awards-Saison im Dezember 2013, einer prestigeträchtigen All-Star-Besetzung und einem historischen Thema, das bislang nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es verdient, galt George Clooneys „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ im Vorfeld auch bei uns als sicherer Oscar-Kandidat. Doch dann wurde der Kinostart plötzlich in das Jahr 2014 verschoben und Aufregung machte sich breit: Ist „Monuments Men“ vielleicht einfach nicht gut genug, um mit den nach Academy-Meinung besten Filmen des Jahres zu konkurrieren? Regisseur Clooney stellte sogleich klar, dass er seine Kunstschatzjäger-Sause nie als „Oscar-Film“ gesehen habe, dafür sei sie ähnlich wie Martin Scorseses „Shutter Island“, der vor einigen Jahren ähnlich aus dem Preisrennen entfernt wurde (und dann zum Kassenhit avancierte), zu sehr dem reinen Genre-Kino verpflichtet. Und an dieser Einschätzung ist durchaus etwas dran, denn Clooney erzählt seine wahre und im Grunde hochdramatische Geschichte aus Kriegszeiten im Stil eines amüsanten Heist- und Buddy-Movies mit gelegentlichen ernsten Einsprengseln. „Monuments Men“ ist damit eine Mischung aus „Das dreckige Dutzend“ und „Ocean’s Eleven“, die im bisherigen Regiewerk Clooneys näher an der locker-leichten Screwball-Komödie „Ein verlockendes Spiel“ als an dem Journalisten-Drama „Good Night, and Good Luck“ liegt. Das macht immer wieder richtig Spaß, leidet aber auch etwas unter den vielen Sprüngen zwischen den einzelnen Handlungssträngen.

    1943: Der Zweite Weltkrieg tobt und die Amerikaner überziehen Nazi-Deutschland und die von ihm besetzten Gebiete mit Bomben und Artilleriefeuer. Doch dabei töten sie nicht nur feindliche Soldaten, sondern zerstören auch bedeutende Bau- und Kunstwerke. Der Kriegsveteran und Kunsthistoriker Frank Stokes (George Clooney) bittet Präsident Roosevelt daher darum, Experten in die Armee zu integrieren, die den Soldaten sagen, welche Gebäude sie bombardieren dürfen und was sie nach Möglichkeit verschonen sollen. Allerdings sind alle in Frage kommenden jungen Männer längst an der Front und so muss Stokes ein Team aus Fachleuten zusammenstellen, die das wehrfähige Alter längst überschritten haben. Mit dieser bunten Truppe, der unter anderem der Architekt Richard Campbell (Bill Murray) und der Museumsleiter James Granger (Matt Damon) angehören, bricht er nach einer kurzen Grundausbildung nach Europa auf. Dort stellt sich ihre Aufgabe als noch schwieriger heraus als erwartet, denn Göring (Udo Kroschwald) hat Dr. Stahl (Justus von Dohnanyi) beauftragt, alle wichtigen Kunstwerke aus den besetzten Gebieten nach Deutschland zu bringen, wo Hitler ein riesiges Museum plant. Doch noch schlimmer ist der Alternativplan des Führers: Sollte Deutschland den Krieg verlieren, sollen alle geraubten Kunstgegenstände zerstört werden. Für die „Monuments Men“, wie sich der bunte Haufen von Stokes, der von den kämpfenden Soldaten zunächst wenig respektiert wird, selbst nennt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…



    Die wahre Geschichte der „Monuments Men“ ist lange Zeit in Vergessenheit geraten. Über 100 Kunst-Koryphäen wurden von Präsident Franklin D. Roosevelt nach Europa geschickt, wo sie gemeinsam mit französischen und britischen Kollegen versuchten, von den Nazis geraubte Kunstwerke zurück zu beschaffen. George Clooney erzählt die Geschichte dieser Helden, die nach dem Krieg, so sie ihn überlebten, in ihre alten Berufe zurückkehrten, am Beispiel einer fiktiven kleinen Gruppe und konfrontiert sie nicht nur mit den räuberischen Plänen der Nazis, sondern auch mit der Strategie der Sowjets, die die aufgestöberten und wiederentdeckten Kulturgüter im Gegensatz zu den Amerikanern nicht den einstigen Besitzern zurückgaben, sondern als Reparationen einbehielten. Mit dieser Zwei-Fronten-Erzählung von gleichzeitigen Wettlauf gegen die Deutschen und die Russen überfrachtet Clooney seinen 120 Minuten langen Film gelegentlich, vereint die beiden Aspekte zum Ende aber sehr clever in einem spannenden Rennen zu einem gigantischen Kunstversteck in einer Mine in der Nähe von Schloss Neuschwanstein. Wie schon bei seinem starken Regiedebüt „Geständnisse - Confessions Of A Dangerous Mind“ schreckt Clooney auch hier nicht vor Überzeichnungen zurück, ohne „Monuments Men“ allerdings ähnlich ins Groteske zu überspitzen. Vielmehr wird der Film vom humorvollen Geist alter Kriegsabenteuerfilme wie „Die Kanonen von Navarone“, „Gesprengte Ketten“ oder dem Italo-Klassiker „Ein Haufen verwegener Hunde“, in denen ähnlich bunt zusammengewürfelte Gruppen ebenfalls auf den ersten Blick aberwitzig erscheinende Missionen bewältigen müssen.

    Das um den jungen, in Deutschland geborenen G.I. Sam Epstein (Dimitri Leonidas) verstärkte achtköpfige Kunstretter-Team steht hier stellvertretend für alle „Monuments Men“, deshalb haben Clooney und sein langjähriger Produktionspartner und Co-Autor Grant Heslov die Gruppe nicht nur nach bewährter Genremanier mit sehr gegensätzlichen Typen bestückt (von Hugh Bonnevilles britischem Trinker bis zu Jean Dujardins stolzem Franzosen), sondern sie unterteilen sie auch noch in Pärchen oder schicken die Mitglieder solo an unterschiedliche Schauplätze. Während der eine sich in Brügge um eine Madonnenstatue von Michelangelo kümmert, hat ein anderer in Paris zu tun und ein weiteres Duo bekommt den Auftrag, in Deutschland selbst zu suchen. Die damit einhergehenden ständigen Szenenwechsel bremsen den Film immer mal wieder aus, zudem wirkt es doch recht schematisch, wenn dann alle diese Zivilisten nacheinander mit der Realität des Krieges und des Feindes konfrontiert werden. In diesen Szenen schafft es Clooney auch nicht immer,  die Balance auf dem schmalen Grat zwischen Humor und Ernst zu halten – so verlieren gerade die tragischen Momente des Films ein wenig von ihrer möglichen Wirkung. Die ständigen Orts- und Personenwechsel führen überdies dazu, dass sich kaum ein echtes Thema herauskristallisiert, vieles bleibt erzählerisch rein funktional.

    Die dramaturgischen Defizite zeigen sich insbesondere bei der Episode um Matt Damons New Yorker Museumsdirektor und die Französin Claire Simone (Cate Blanchett), die zwischendurch für allzu lange Zeit aus den Augen verloren wird. In der Begegnung zwischen der Frau, die für die Nazis arbeiten musste und die Verstecke vieler Kunstwerke kennt und dem Amerikaner, der helfen will, sich aber schwertut, ihr Misstrauen zu überwinden, klingen dennoch viele spannende Motive an – aber die wahren historischen, politischen und moralischen Dimensionen des Komplexes (Beute-)Kunst und Krieg, die ja momentan durch den Fall Gurlitt hochaktuell sind, werden zum großen Teil nur gestreift. Auf die mehrfach diskutierte Frage, ob es wirklich vertretbar ist, Menschenleben zu opfern, um Kunstwerke zu retten, gibt Clooney allerdings eine klare Antwort, bei der er auch vor einem gewissen Pathos nicht zurückschreckt. Und wenn die „Monuments Men“ bei ihren Rettungsstreifzügen neben den Kunstwerken von Michelangelo bis Picasso auch mal eine Portion Gold finden und plötzlich die Generäle Patton, Eisenhower und Co. dastehen, um sich von der Presse für diesen bedeutenden Fund feiern zu lassen, dann lässt sich dieser Seitenhieb ohne Weiteres auf aktuelle Zustände übertragen. Dennoch fehlt „Monuments Men“ letztlich die thematische Tiefe, aber was die reine Handlungsmenge angeht, ist er vollgestopft wie eins von Hitlers Kunstverstecken – und überdies ist das Ganze höchst unterhaltsam.

    Clooney erzählt seine Geschichte mit fast schon klassisch anmutender Leichtigkeit und mit viel Humor: Das fängt schon bei der Rekrutierung des Teams an, die er uns in einer amüsanten, dialogfreien Montagesequenz präsentiert, in der man unter anderem sieht wie Bob Balaban („Grand Budapest Hotel“) Probleme hat mit der zu großen Uniform, während John Goodmans („The Big Lebowski“) Riesenschädel nicht so richtig unter einen Helm passen will. Wunderbar sind auch die Geplänkel zwischen Balaban und Bill Murray („Lost In Translation“), die sich stetig necken, aber wie eine gefühlvolle Weihnachtsszene zeigt, doch auch viel füreinander empfinden. Clooney hat insgesamt eine großartige Besetzung um sich versammelt, in der jeder die Gelegenheit bekommt, einen Glanzpunkt zu setzen. So sorgt Hugh Bonneville („Downton Abbey“) mit einer verzweifelten Rettungsaktion für eins der dramatischen Highlights, während Matt Damon im Zentrum einer Szene steht, in der sich Humor und Ernst perfekt vereint finden: Wenn seine Figur versehentlich auf eine Landmine tritt, wird diese prekäre Situation trotz der Späße der Kameraden Clooney, Goodman und Balaban nicht zum Sketch degradiert. Dafür ist schon vorher viel zu schmerzlich deutlich geworden, dass dieses Abenteuer auch für die „Monuments Men“ tödlich enden kann. Fast schon Showdown-Qualitäten hat dann noch eine feine Szene, in der Bob Balaban und Bill Murray in Soldatenuniform als Gäste bei Justus von Dohnanyi sitzen, nicht ahnend, dass es sich bei dessen Figur um eben jenen Dr. Stahl handelt, der für den Raub hunderter Gemälde aus Paris verantwortlich ist.

    Fazit: Auch wenn George Clooney bisweilen die klare erzählerische Linie verliert und seine zahlreichen Schauplätze, Themen und Figuren nicht immer unter einen Hut bekommt, ist „Monuments Men“ eine amüsante und unterhaltsame Weltkriegs-Komödie zu einem bisher wenig beachteten Thema.

    Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2014. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 64. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.

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