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    Woody Allen: A Documentary
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Woody Allen: A Documentary
    Von Robert Cherkowski
    Normalerweise ist Woody Allen („Midnight in Paris") mit seiner jeweils jährlichen Produktion ein Stammgast der Filmfestspiele von Cannes, wandert die roten Teppiche ab und lässt sich für seine meist gelungenen Filme von einer ergebenen Fangemeinde bejubeln. 2012 hat es allerdings mit der Terminplanung nicht ganz hingehauen, der bald erscheinende „To Rome with Love" blieb draußen. Ganz ohne den bebrillten Stadtneurotiker geht es aber eben auch nicht – mit „Woody Allen: A Documentary" ist er ohne persönlich anwesend zu sein doch präsent. Während man bei seinen Spielfilmen vorher nie so genau weiß, ob der ewige Hornbrillenträger nun in die lässige („Vicky Cristina Barcelona"), die düstere („Match Point") oder die tragikomische („Ich sehe den Mann Deiner Träume") Kerbe schlägt, ist Robert B. Weides Allen-Dokumentation alles zur selben Zeit. Denn im bewegten Leben Allens gab es zwischen großem Vergnügen einerseits und existenziellen Krisen andererseits zahlreiche verschiedene Schattierungen, denen Weide mit „Woody Allen: A Documentary" weitgehend gerecht wird. Er überzeugt mit einer feinen Balance zwischen federner Leichtigkeit und bleierner Schwere, sowie durch ein hohes Tempo, durch das die stolze Lauflänge von zwei Stunden wie im Flug vergeht.

    Beim zügigen, doch nie hastigen Gang durch die Biographie des 1935 als Allen Stewart Konigsberg zur Welt gekommenen Künstlers stehen sowohl Woody Allen selbst als auch Weggefährten, Freunde, Kollegen und natürlich die Frauen in seinem Leben immer wieder Rede und Antwort. Und die geizen nicht mit Anekdoten und Lobhudelei, wenn es darum geht, Allens Weg, der aus einer jüdischen Großfamilie in Brooklyn über erste humoreske Arbeiten für Tageszeitungen und eine wechselhafte Karriere als Stand-Up-Komiker zu seinem Durchbruch erst vor und später auch hinter der Kamera führte, zu kommentieren. Dabei greift Weide unter anderem auf eine Fülle an Archivmaterial zurück, das vor allem in Erinnerung ruft, dass Allen schon vor seinem Durchbruch auf der großen Leinwand ein prominenter Komiker und Stammgast in zahlreichen US-Late-Night-Shows war. Ob auf der Bühne oder im Fernsehen: Zu lachen gibt es dabei reichlich.

    Als gelungener Kunstgriff erweist sich Robert B. Weides Methode, Allens Werdegang und seinen jeweils aktuellen Stand in Karriere, Liebe, Leben und Philosophie mit passenden Ausschnitten aus den Spielfilmen des vierfachen Oscarpreisträgers zu illustrieren. Hierbei löst sich Weide sinnvoll von der Werkchronologie und ergänzt seine Erzählung kongenial: Wenn etwa von Allens schwerer Schulzeit und frühen existenziellen Krisen berichtet wird, dann gibt es dazu die fantastisch-komischen Schulszenen aus „Der Stadtneurotiker". Die Passagen über künstlerische Durststrecken und Zweifel werden mit Szenen aus der düsteren Burnout-Komödie „Stardust Memories" garniert. Und auch für Allens zahlreiche Frauengeschichten – meist mit seinen Stammschauspielerinnen – gibt es immer den richtigen Clip zur richtigen Zeit.

    Apropos Frauen: Auch das Kapitel Mia Farrow/Soon-Yi Previn wird kurz – zu kurz – angeschnitten. Woody Allen war über ein Jahrzehnt mit seiner Schauspielkollegin Farrow („Rosemaries Baby") liiert und hat sich dann zu Beginn der 90er Jahre in deren damals 20-jährige Adoptivtochter Soon-Yi verliebt, die er 1997 auch heiratete. Die Affäre des Regisseurs mit seiner über 30 Jahre jüngeren „Stieftochter" wurde während der Dreharbeiten zu „Ehemänner und Ehefrauen" bekannt und zum Skandal. Allen und Farrow spielen darin ein Ehepaar in der Krise und wenn man das einstige Paar im von Weide gewählten Ausschnitt sichtlich angespannt einen traurigen Abschied spielen sieht, dann entfaltet sich mit dem Wissen um die Umstände ein so bedrückender wie magischer Moment, in dem Privatperson und Filmemacher gänzlich zu verschwimmen scheinen. Da ist man auch gerne bereit zu vergessen, dass es sich bei „Woody Allen: A Documentary" eher um eine Hommage als um ein substantielles Portrait handelt und besonders gegen Ende zu viele Phrasen à la „Er ist der wichtigste Regisseur, mit dem ich je gearbeitet habe" (Zitat Naomi Watts) kommen.

    Fazit: „Woody Allen: A Documentary" ist ein unkritischer, aber nie seichter Kinospaziergang durch das facettenreiche Schaffen des Meisterregisseurs, der Fans in ihrer Verehrung bestätigt und bei anderen neues Interesse wecken könnte.
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