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Die Muppets 2: Muppets Most Wanted
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Die Muppets 2: Muppets Most Wanted
Von Christoph Petersen
Nach dem Kauf des aus der Mode gekommenen „Muppets“-Franchise wusste bei Walt Disney offenbar niemand so recht etwas mit den anarchischen Kultfiguren anzufangen. Also heuerte man „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel (der dann auch die Hauptrolle übernahm) und seinen Schreibpartner Nicholas Stoller für einen Neustart der Reihe um Kermit & Co. an, wobei den beiden Superfans weitestgehend freie Hand gelassen wurde. Und das Duo hat die Chance genutzt: „Die Muppets“ ist ungemein liebevoll, zugleich aber auch völlig durchgeknallt und dem Geist der originalen TV-Show aus den 70er Jahren treu ergeben. So avancierte das Leinwand-Musical nach seinem Start Ende 2011 zum Überraschungshit und gewann sogar einen Oscar (für den Besten Original-Song). Doch nach dem Ausstieg von Jason Segel und mit einem weltweiten Einspiel von mehr als 160 Millionen Dollar im Rücken ist das Studio bei der erneut von James Bobin inszenierten Fortsetzung „Muppets Most Wanted“ nun weniger risikofreudig. Der Anarcho-Anteil wurde reduziert, dafür ist der Krimi-Komödien-Plot familienfreundlicher als der des Vorgängers mit seinen über die Köpfe der jungen Kinogänger hinweggehenden „Boulevard der Dämmerung“-Reminiszenzen. Jetzt könnte man vorschnell urteilen: Typisch Disney! Aber das alles ist am Ende nicht allzu wichtig, denn trotz allem ist auch „Muppets Most Wanted“ über weite Strecken sehr unterhaltsam.

„Muppets Most Wanted“ beginnt genau dort, wo der Vorgänger endete: Mit einer Musical-Nummer auf dem Hollywood Boulevard wird die Rückkehr der Muppets gefeiert. Allerdings sind die Tänzer nur bezahlte Statisten, weshalb die Straße nach dem Ende des Songs in Sekundenschnelle leergefegt ist. Kermit und die anderen müssen sich ernsthaft überlegen, wie sie ihre wiedererlangte Popularität nicht gleich wieder verlieren. Da tritt Dominic Fieslinger (Ricky Gervais) auf den Plan und überredet die Muppets zu einer Europatournee. Doch in Wahrheit verfolgt der zwielichtige Tour-Veranstalter einen ganz anderen Plan: Er will Kermit durch den Superverbrecher-Frosch Constantine (die beiden unterscheidet nur ein Muttermal) ersetzen und dann die Auftritte der Muppets ausnutzen, um in an die Veranstaltungsorte angrenzende Museen einzubrechen...


Das Comeback ist gelungen... und jetzt? Darum geht es in den großartigen ersten fünf Minuten von „Muppets Most Wanted“. Die Puppen singen einen Sequel-Song, der davon handelt, wie in Hollywood mit Fortsetzungen umgegangen wird. Dabei machen Fozzie Bär & Co. eigene Vorschläge (vom Kriegsfilm bis zur exakten Kopie des Vorgängers) und an einer Stelle heißt es, dass Fortsetzungen sowieso nie so gut werden wie das Original. Das ist grandios-selbstironisch und mit dem grau-nebelverhangenen Porträt von Berlin als Quasi-Sowjetprovinz (die „Muppets Show“ stammt immerhin aus der Zeit des Kalten Krieges, da kann man sich auch die in der Gegenwart angesiedelte Filmhandlung entsprechend zurechtbiegen), in der die Polizeiautos direkt bis ins Gefangenenlager nach Sibirien durchfahren, geht es ähnlich doppelbödig-augenzwinkernd weiter. Aber die beiden dann einsetzenden parallelen Handlungsstränge können mit diesem saustarken Auftakt leider nicht mithalten: Während aus Kermits Abenteuer als Musical-Regisseur im Gulag zumindest mit den tanzenden Harte-Männer-Gaststars Danny Trejo („Machete“) und Ray Liotta („GoodFellas“) eine Menge herausgeholt wird, erinnert der überraschungsfreie Krimi-Plot dann doch zu sehr an die seichten Familien-Komödien, die regelmäßig das TV-Programm am Sonntagvormittag bestimmen.

„Muppets Most Wanted“ bleibt insgesamt tatsächlich spürbar hinter dem Vorgänger zurück und dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen ist das ausgedehnte Spiel mit den Europaklischees nur in Berlin wirklich gelungen. Dass etwa „Modern Family“-Star Ty Burrell als französischer Interpol-Agent Jean Pierre Napoleon immer pünktlich Feierabend macht, im Miniatur-Auto herumdüst und sich direkt nach Abschluss eines Falls samt Familie in einen mehrwöchigen Strandurlaub verabschiedet, kann man wahrscheinlich nur als Straßenkreuzer fahrender und keine Sozialleistungen kennender Amerikaner so richtig lustig finden. Zum anderen erhalten die eher für den Erwachsenen-Humor zuständigen Zweite-Reihe-Muppets hinter Kermit und Miss Píggy diesmal weniger Raum, vor allem der tragisch-unlustige Stand-up-Bär Fozzie ist kaum noch mehr als ein Statist. Wobei: Wenn sie sich dann doch mal in den Vordergrund drängen, dann ist ihre Trefferquote - von Gonzos Indoor-Stier-Stampede bis zum mehrstündigen Trommelsolo des Tiers - phänomenal hoch.

Jason Segel und Amy Adams („American Hustle“) ersetzen zu müssen, ist schon eine verdammt harte Nuss. Und so ganz ist das den „Muppets Most Wanted“-Machern auch nicht gelungen. Denn während „30 Rock“-Schöpferin Tina Fey als in Kermit verschossene Gulag-Aufseherin mit ihrem russischen Akzent angemessen über die Stränge schlägt, nimmt sich „The Office“-Tyrann Ricky Gervais soweit zurück, dass er zum bloßen Stichwortgeber für Kermit und Constantine verkommt. Natürlich geht es in einem Film mit dem Titel „Muppets Most Wanted“ in erster Linie um die Muppets selbst, aber die eine oder andere grenzwertig-trockene Pointe hätten wir von dem sonst so unerschrockenen Briten doch erwartet. Daneben ist der Film wie jedes „Muppets“-Abenteuer erneut vollgestopft mit prominenten Cameo-Auftritten, die diesmal sogar noch ein wenig lustiger sind als sonst. Zuviel wollen wir über die Star-Gastspiele natürlich nicht verraten, aber zumindest so viel sei gesagt (Achtung Spoiler!): Ein schweigsamer „Tatort“-Kommissar ermittelt jetzt auch bei den Muppets und ein zweifacher deutsch-österreichischer Oscar-Preisträger tanzt seinen Namen. Allein dafür lohnt sich der Kinobesuch schon!

Fazit: „Muppets Most Wanted“ ist zwar mehr harmloses Familienabenteuer als Anarcho-Muppets-Spaß, aber unterhält trotzdem wunderbar.

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