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    Nazi Sky - Die Rückkehr des Bösen!
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    0,5
    katastrophal
    Nazi Sky - Die Rückkehr des Bösen!
    Von Robert Cherkowski
    Im ständigen Wandel weltpolitischer Machtverhältnisse nutzen sich Feindbilder oft erstaunlich schnell ab: Der Russe in seiner kommunistischen, wodkaseligen Bosheit und die skrupellosen Drogenhändler Südamerikas haben ihr Verfallsdatum bereits erreicht. Der fiese, bärtige Post-9/11-Moslem hat dagegen wohl noch ein paar Jahre vor sich. Doch auch damit könnte es nach der Wahl eines Muslimbruders zum ägyptischen Präsidenten bald vorbei sein - Feinde kommen und gehen. Mit einer Ausnahme: den Nazis. Braune Uniformen und schwarze SS-Mäntel sind fest als Symbole des irdischen Bösen installiert – vor allem freilich in zahlreichen B-Movies. Seit Quentin Tarantino die sogenannte Naziploitation mit „Inglourious Basterds" an ihr logisches Ende geführt und bewiesen hat, dass die popkulturelle Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich auch vor dem Verlauf der Geschichte selbst nicht Halt machen muss, fühlen sich zahlreiche Regisseure und Produzenten berufen, den Nazi-Trash auf die Spitze zu treiben und mit derbem Science-Fiction-Stuss zu vermengen. Was beim doofen „Iron Sky - Wir kommen in Frieden" schon kaum funktionierte, wird nun mit Joseph Lawsons grottiger Direct-to-DVD-Produktion „Nazi Sky - Die Rückkehr des Bösen!" aus der berühmt-berüchtigten Billigfilmschmiede Asylum endgültig unerträglich.

    Als die Nazi-Herrschaft sich dem Ende neigt, ergreifen die braunen Terrorschergen die Flucht. Dabei verschlägt es sie jedoch nicht nach Südamerika oder auf die braune Seite des Mondes, sondern in den Erdkern, wo sie ihre Wunden lecken und auf ein historisches Comeback warten. Eines unschönen Tages kommt ihnen ein unbedarftes Forscherteam auf die Schliche: Durch eine Pforte im ewigen Eis der Arktis stoßen die Ahnungslosen hinab ins Vierte Reich der faschistischen Tunnelratten. Bald müssen die Wissenschaftler um ihr Überleben kämpfen, denn das Programm der Nazis hat sich kein Stück gebessert: Mord, Menschenversuche und Weltherrschaft. Als sich wenig später auch noch der Führer selbst (James Maxwell Young) einschaltet, ist das Chaos perfekt...

    Abgesehen von der schrägen Prämisse und den billigen Hakenkreuz-Provokationen, die mittlerweile auch die seriösesten Zeitgenossen nicht mehr schocken, ist „Nazi Sky" vor allem ein ganz und gar indiskutables C-Movie. Hier kann sich keiner der Beteiligten mehr hinter dem alten „Ist doch nur Trash"-Argument verstecken. Denn hinter jedem wenigstens halbwegs unterhaltsamen Trashfest muss immer noch der unbedingte Glaube stehen, einen guten Film abzuliefern. Eben deswegen machen die cineastischen Untaten eines Ed Wood („Plan 9 aus dem Weltall") oder eines Tommy Wiseau („The Room") überhaupt so viel Spaß. Schund der Güteklasse „Nazi Sky" soll dagegen nicht primär Spaß machen, sondern absahnen. Wie gewöhnlich zielen die Asylum-Strategen mit kühler Berechnung auf die Gutgläubigkeit einer ahnungslosen Kundschaft ab, die Titel und Cover ihres neuesten Machwerks mit „Iron Sky" verwechseln. Hier steckt der Teufel nicht im Detail, sondern in so gut wie allem, was vor und hinter der Kamera abgelaufen ist.

    Die Darsteller, unter denen sich B-Movie-Veteranen wie Jake Busey („Starship Troopers") als Kollaborateur und Dominique Swain („Lolita") als Forscherin befinden, machen mit ihrem lustlosen Einsatz keinen Hehl daraus, dass sie sich ihre Karrieren anders vorgestellt haben. Regisseur Lawson begnügt sich unterdessen weitgehend damit, die Mimen in miesen Kulissen, die verdächtig an eine Tiefgarage bei Sperrstunde erinnern, zu platzieren und ihren Text aufsagen zu lassen. Dann plötzlich driftet der Film in Foltereskapaden à la „Hostel" ab, die weder spannend noch schockierend sind. Und das nicht zuletzt, weil bei derart peinlich flachen Figuren ohnehin schnuppe ist, wer wann über die Klinge springt. Mit taktloser Montage wird der schlappe Film immer weiter in Richtung Nazi-Trashfest getrieben – ohne, dass dies „Versprechen" jemals eingehalten würde. Und für die Spezialeffekte muss sich selbst die für ihre miesen Computeranimationen verrufene Asylum-Crew schämen. Spätestens mit dem Auftritt eines Robo-Hitlers, der wie aus einer 90er-Videospiel-Zwischensequenz entflohen wirkt, ist endgültig Hopfen und Malz verloren.

    Fazit: Selbst hartgesottene Trash-Fans werden hier nur mit dem Kopf schütteln. „Nazi Sky - Die Rückkehr des Bösen!" ist – der geläufigen Phrase folgend – eben nicht so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Er ist einfach nur schlecht.
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