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    Haunter - Jenseits des Todes
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Haunter - Jenseits des Todes
    Von Lars-Christian Daniels

    Die Vorstellung, den immergleichen Tag wieder und wieder durchleben zu müssen – ein Alptraum. Für Bill Murray („...und täglich grüßt das Murmeltier“) wurde er im wohl berühmtesten aller Zeitschleifenfilme Wirklichkeit, und auch auf „Little Miss Sunshine“ Abigail Breslin wartet in Vincenzo Natalis Spukhaus-Thriller „Haunter“ nach dem morgendlichen Weckerklingeln immer nur der gleiche Tagesablauf. Alptraumhaft ist aber nicht nur die alltägliche Wiederholung, sondern auch das Gruselszenario, das die von Breslin verkörperte Protagonistin Lisa im Film erwartet, wenn sie im Haus allein ist: „Cube“-Regisseur Natali kombiniert die typischen Haunted-House-Versatzstücke mit einer für das Genre ungewöhnlich doppelbödigen Geschichte vom Leben nach dem Tod, mutigen Zeitreisen und der unausweichlichen Konfrontation mit einem Mörder, der das Haus seit Jahrzehnten unter Kontrolle hält. Das Ergebnis: ein über weite Teile spannender, atmosphärisch dichter Mysterythriller, der aber vorwiegend mit konventionellen Schockmomenten aufwartet.

    Das Klingeln des Weckers, Pancakes zum Frühstück, die Schmutzwäsche im Keller, stundenlanges Klarinettespielen und das Abendessen mit der Familie: Teenager Lisa (Abigail Breslin) durchlebt denselben, deprimierenden Tag immer und immer wieder. Nur sie selbst scheint sich des nervtötenden Dauerloops bewusst zu sein: Ihre Mutter Carol (Michelle Nolden) und ihr Vater  Bruce (Peter Outerbridge), der täglich aufs Neue an der Reparatur des Autos verzweifelt, sind ebenso ahnungslos wie ihr Bruder Robbie (Peter DaCunha), der den ganzen Tag vor der Videokonsole hockt und seinen imaginären Freund Edgar (David Knoll) mit an den Esstisch bringt. Sobald Lisa im Haus unbeobachtet ist, geht der Spuk aber erst richtig los: Stimmen aus dem Jenseits rufen ihren Namen, fremde Mädchen liegen plötzlich in ihrem Bett und eine Geheimtür hinter der Waschmaschine führt an einen Ort, den kein Kind freiwillig aufsuchen würde. Was läuft hier? Erst als der frühere Hausbesitzer (Stephen McHattie, „Watchmen“) Lisa einen Besuch abstattet, kommt Licht ins Dunkel: Der Mann ist ein nie gefasster Serienkiller und hat Lisa und ihre Familie vor vielen Jahren ermordet. Nun versucht er mit allen Mitteln zu verhindern, dass sein Opfer von einst die junge Olivia (Eleanor Zichy, „Skins“) vor dem gleichen Schicksal warnen kann...

    Keine Sorge: Wer die letzten Zeilen dieser Inhaltsangabe gelesen hat, muss sich nicht über einen vermeintlichen Spoiler ärgern. Anders als in M. Night Shyamalans elektrisierendem Meisterwerk „The Sixth Sense“ ist der Tod der Hauptfigur nämlich nicht der finale Clou des Films, sondern die Grundvoraussetzung für den Psychoterror, dem Lisa Tag für Tag im Spukhaus ausgesetzt ist. Das Drehbuchautorenduo Brian King und Matthew Brian King entspinnt eine anfangs etwas verwirrende, aber ungemein fesselnde Geschichte, die dem Zuschauer ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit abverlangt und keine zwischenzeitlichen Toilettengänge gestattet. Sieht zu Beginn noch alles nach einer netten Zeitschleifenvariante der typischen Haunted-House-Thriller aus, wird mit zunehmender Spielzeit klar, dass es hier um mehr geht als nur um einen weiteren Dämon, der aus dem Geisterhaus vertrieben werden will. Vincenzo Natali („Splice – Das Genexperiment“) springt in bester „Looper“-Manier vor allem in der zweiten Filmhälfte permanent zwischen zeitlichen Ebenen hin und her, lässt die in den 80er Jahren verstorbenen Teenager in die Gegenwart eintauchen und feststellen, dass der dichte Nebel um das Spukhaus verschleiert, dass es auch beim Verlassen des Grundstücks kein Entkommen aus dem alltäglichen Alptraum gibt.

    Durch Lisas geduldiges Klarinettespiel von Sergej Prokofjews musikalischem Märchenklassiker „Peter und der Wolf“, das Natali immer wieder stimmig und pointiert in die Handlung einbettet, verstärkt der Regisseur zudem das Gefühl einer kindlichen Geborgenheit, die durch die fiesen Spielchen des diabolischen Hausbesitzers und die undurchsichtige Rolle ihres strengen Vaters immer wieder jäh unterbrochen wird. Bei den zahlreichen Gänsehautmomenten setzt der Filmemacher aber häufig auf abgegriffene Schockmomente: Türen fallen krachend ins Schloss, der Pfeil des Ouija-Bretts auf dem Dachboden zeigt ein überraschendes Ergebnis und im Badezimmerspiegel tauchen plötzlich Gestalten auf, die eigentlich nichts im Haus verloren haben. So unkonventionell das Handlungsgerüst und so nervenzerrend die Steigerung von Lisas Paranoia auch sein mögen – hier greift Natali meist nur auf das Standardrepertoire des Genres zurück. Ohnehin geht „Haunter“ auf der Zielgeraden ein wenig die Puste aus: Den Höhepunkt erreicht die Spannung schon ein gutes Stück vor dem großen Schlussakkord, der zudem ein wenig zu kitschig ausklingt.

    Fazit: Mindfuck trifft Haunted House – Vincenzo Natali liefert mit „Haunter“ einen teilweise clever arrangierten, düster-paranoiden Alptraum und setzt dabei auf eine ausgefallene Erzähltechnik. Das horrorerprobte Publikum wird er mit seinem Spukhaus-Thriller zwar gut unterhalten, aber nicht nachhaltig erschrecken können.

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