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Piranhaconda
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Piranhaconda
Von Stefan Dabrock

Keine Frage: Bei Filmtiteln macht Produzentenlegende Roger Corman („Frankensteins Todesrennen“) niemand so leicht etwas vor: Nach „Sharktopus“, „Dinocroc vs. Supergator“ und „Camel Spiders - Angriff der Monsterspinnen“ heißt sein neuester Tierhorror-Misch-Masch „Piranhaconda“. Hier arbeitet er zum wiederholten Mal mit Regisseur Jim Wynorski („Crash Landing“) zusammen, schließlich weiß dieser genau wie man mit günstig produzierten Unterhaltungsfilmen ein Publikum findet und wie wichtig dabei ein möglichst absurd klingender Titel ist. Während die Titel-Verquickung aus Killerfisch Piranha und Riesenschlange Anakonda neugierig macht, welche Tier-Monstrosität man dieses Mal entworfen hat, ist das Ergebnis trotz B-Movie-Altstar Michael Madsen („Reservoir Dogs“) mal wieder unterirdisch.

Der egoistische Reptilienforscher Professor Lovegrove (Michael Madsen) sucht auf Hawaii nach den Eiern einer seltsamen Kreatur, die unter den Ureinwohnern nur als mythisches Flussmonster bekannt ist. Kaum hat er das Nest geplündert, taucht eine gigantische Schlange mit Piranhakopf auf und rächt sich auf blutige Weise an Lovegroves Mitstreitern. Der Professor kann mit seiner Beute entkommen, wird aber kurz darauf von ein paar kriminellen Burschen unter Führung des tumben Muskelpakts Pike (Michael Swan) gefangen genommen. Das eigentliche Ziel der Bande ist jedoch ein Filmteam, das gerade einen zweitklassigen Horrorfilm auf der Insel dreht. Auf einer Landstraße gelingt es den Kidnappern, Regisseur Milo (Chris de Christopher), Hauptdarstellerin Kimmy Weston (Shandi Finnessey) und Stabmitglied Rose (Terri Ivens) zu entführen und gemeinsam mit Lovegrove einzusperren. Doch das Flussmonster bleibt ihnen auf den Fersen, denn ein Ei ist immer noch im Besitz des Professors.

Jim Wynorksi, der seit Mitte der 80er Jahre fast 100 Filme gedreht hat, ist ein Spezialist für effektiv heruntergekurbelte Filme mit vergleichsweise niedrigen Budgets. Im besten Fall gelingen ihm durchaus unterhaltsame Mischungen aus Action, Thriller und Horror wie etwa mit der Reality-TV-Satire „Gale Force - Die 10-Millionen-Dollar-Falle“ oder mit der Achtziger-Jahre-Trash-Gaudi „Chopping Mall“. Die entscheidende Frage bei einem Wynorski-Film ist, ob es dem Vielfilmer gelingt, das hanebüchene Drehbuch durch Schauwerte vergessen zu machen.  Erzählerischen Schwachsinn gibt es nämlich immer - und so auch in „Piranhaconda“ - zuhauf: Die angeblich undurchdringliche Wildnis wird von hübsch angelegten Wegen durchzogen, auf denen die Darsteller entlang spazieren und wenn es doch mal etwas Dschungel-Atmosphäre bedarf, jagt Wynorski sein Personal einfach mal unmotiviert querfeldein durch die Botanik. Manchmal dauert es scheinbar Stunden, um von einem liegen gebliebenen Auto zu einem Fluchtboot zu gelangen; auf dem Rückweg geht es dagegen in wenigen Minuten. Auch die Kleidung der Figuren wechselt schon mal mitten in der Szene.

Bei einem Billigfilm, der genug gute Ideen bieten kann, nimmt man so etwas gerne als charmante Randnotiz in Kauf, schließlich musste eben bei der Produktion alles schneller gehen, wobei auch mal die Sorgfalt auf der Strecke bleiben kann. „Piranhaconda“ hat aber keine dieser guten Ideen. Regisseur Wynorski schickt seine Protagonisten ohne jeglichen Einfallsreichtum durch den Dschungel und führt immer wieder neue Figuren ein, damit ihm das Kanonenfutter nicht ausgeht. Irgendwo taucht immer jemand neues auf – meist weiblich und vollbusig – und fällt genauso schnell der Schlange zum Opfer. Gerade im ersten Drittel wiederholt Wynorski dieses Schema so oft, dass man bisweilen befürchtet, versehentlich zurückgespult zu haben. Der erprobte Trash-Regisseur bemüht sich nicht einmal, die Tötungsszenarien zu variieren: Ein riesiger Happs der Kreatur, die Beute ist erledigt und verschwindet unter einem digital erzeugten, roten Nebel.

Dass Jim Wynorski noch zu den besseren und routinierten der B-Movie-Filmemacher gehört, ist nur an der Optik zu erkennen: Neben seiner recht ordentlich animierten Schlange setzt Wynorski zumindest die Natur immer wieder in Szene: Malerische Wasserfälle, hübsche Blumen und saftig-grüne Waldgebiete dienen ihm dabei als guter Ersatz für teure Kulissen. Zudem können mit TV-Soap-Star Terri Ivens und Ex-Schönheitskönigin Shandi Finessey genau jene Darstellerinnen positiv überraschen, bei denen man es wohl am wenigsten erwarten durfte. Finessy sorgte als Diva-Zicke für ein paar humorvolle Auflockerungen während Ivens kämpferische Qualitäten entwickeln darf und dabei eine ordentliche Figur macht. Michael Madsen spult seine Rolle dagegen höchst gelangweilt ab, wohlwissend, dass er seinen Gehaltsscheck hauptsächlich bekommen hat, damit sein immer noch bekannter Name zu Werbezwecken genutzt werden kann.

Fazit: Regie-Veteran Jim Wynorski hat schon den ein oder anderen unterhaltsamen B-Film mit amüsantem Titel gedreht. „Piranhaconda“ gehört nicht dazu.

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Kommentare

  • DerEinevomDorf
    @FS: Warum zum Henker verschwendet ihr eure Zeit mit so einem Schund? :D
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