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Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung
Von Carsten Baumgardt
3D wird spätestens seit den großen Erfolgen von „Avatar" und „Alice im Wunderland" in Hollywood als eine Art Allheilmittel gehandelt. Selbst nachträglich konvertierte Klassiker können zu einem großen Geschäft werden wie die in den USA erfolgreiche 3D-Wiederaufführung von „Der König der Löwen" gezeigt hat. Solche Aussichten lassen einen umtriebigen Filmemacher wie George Lucas natürlich nicht ruhen, und so nahm er das Projekt in Angriff, die sechs Teile seiner „Star Wars"-Saga in die dritte Dimension zu befördern und wieder einmal ins Kino zu bringen – los geht's mit „Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung". Aber auch in 3D ist der mit Abstand schlechteste aller „Star Wars"-Filme keinen Deut besser als vorher. Einige plastische dreidimensionale Effekte reichen bei weitem nicht aus, die Schwächen des Werks zu überdecken und die absurdeste aller Eingebungen von George Lucas, Jar Jar Binks, ist immer noch eine epische Nervensäge.

„Die dunkle Bedrohung" spielt rund 30 Jahre vor den Ereignissen der ursprünglichen Saga. In der Galaktischen Republik ist ein Streit über die Besteuerung der Handelsrouten ausgebrochen. Der friedliche Planet Naboo mit seiner Königin Amidala (Natalie Portman) wird von einer Druidenarmee der geldgierigen Handelsförderation angegriffen. Als der Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und sein Schüler Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) im Auftrag des Obersten Kanzlers der Republik (Terence Stamp) verhandeln wollen, entkommen sie nur knapp einem Attentat. Bei der gemeinsamen Flucht mit Königin Amidala, die sich als ihre eigene Dienerin Padme ausgibt, müssen sie auf dem Wüstenplaneten Tatooine notlanden. Dort ermöglicht ihnen der Sklavenjunge Anakin Skywalker (Jake Lloyd), ihr havariertes Raumschiff wieder flottzumachen. Anakins Kühnheit und seine erstaunlichen Fähigkeiten als Pilot wecken in Qui-Gon die Überzeugung, dass der Junge ausersehen sei, als kommender Jedi-Meister das Gleichgewicht der Macht wiederherzustellen. Als es Königin Amidala nicht gelingt, den Senat gegen die Handelsförderation zu mobilisieren, kehrt sie mit den Jedi-Rittern und Anakin nach Naboo zurück, um den Kampf allein fortzusetzen. Allein? Nein, nicht ganz allein. Der von seiner Rasse der Gungan verstoßene Jar Jar Binks kämpft an ihrer Seite, weil Qui-Gon ihm das Leben gerettet hat und er nun in seiner Schuld steht.

„Wo fing das an und wann? Was hat dich irritiert? Was hat dich bloß so ruiniert?" Bei einem ihrer Auftritte widmete die Hamburger Kultband Die Sterne ihre unwiderstehliche „Ruiniert"-Hymne einmal Hollywood-Mogul und „Star Wars"-Mastermind George Lucas. Fest steht, dass der Ruf des einst gefeierten Schöpfers der Sternensaga bei der großen Mehrheit der alten Fans ruiniert ist, aber der Zeitpunkt, „wo das anfing", ist nicht ganz genau zu datieren. Wahrscheinlich begann der schleichende Verfall Anfang 1997, als Lucas die legendäre Ur-Trilogie „Krieg der Sterne", „Das Imperium schlägt zurück" und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter" in einer digital überarbeiteten und veränderten Special Edition noch einmal in die Kinos brachte. Ob das tatsächlich ein Verrat am Mythos „Star Wars" war, bleibt durchaus umstritten, aber der Weichspülgang, den Lucas bei der Neubearbeitung einlegte, sorgte für nachvollziehbare Aufregung. Sein drastischer Eingriff in „Krieg der Sterne", wo er Kopfgeldjäger Greedo von Han Solo nicht mehr kaltblütig und hinterlistig wie in der Ur-Version, sondern in Notwehr erschießen ließ, stieß vielen Fans mächtig sauer auf, weil er ein ganzes Charakterbild aus dem Lot brachte. Mit dem ersten Teil der Prequel-Trilogie, „Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung", war das Maß für die Hardliner 1999 endgültig voll: Lucas hatte „Star Wars" - aller Schauwerte zum Trotz – an die Generation der Dreikäsehochs verkauft und aus dem vielleicht meisterwarteten Kinoprojekt aller Zeiten einen putzigen Kinderfilm gemacht.

Die Erwartungen der Fans, die 16 Jahre nach einem neuen „Star Wars"-Film gelechzt hatten, erreichten kurz vor der Premiere von „Episode 1" angefeuert von Lucas‘ Marketing-Maschine ungeahnte Dimensionen. Gerade im Rückblick erscheint ihre Enttäuschung kaum vermeidbar, aber mit übertriebenen Hoffnungen und übersteigertem Hype allein lässt sich die Reaktion auf den Film nicht erklären. „Die dunkle Bedrohung" hat einfach zu viele Schwächen, die Lucas erst in den folgenden Prequel-Teilen „Angriff der Klonkrieger" und „Die Rache der Sith" zu einem Gutteil ausmerzte, womit er sich versöhnlich aus der Affäre zog. Die 115 Millionen Dollar teure „Episode 1" allein ist zwar unterhaltsames, handwerklich gut gemachtes Popcorn-Kino mit grandiosen Spezial-Effekten, knalligen Action-Szenen, phantasievollen Sets - und nicht zuletzt einem atemberaubenden Podrennen, dem optischen Herzstück des Films. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille.

Mit der ursprünglichen Trilogie hatte Lucas so etwas wie einen modernen Mythos geschaffen, ein dicht gewobenes erzählerisches Universum mit eigenen Regeln. In „Episode 1" fiel Lucas hinter das längst Etablierte zurück, drosselte die Dialoge auf Fünfjährigen-Niveau und verzichtete nahezu gänzlich auf Charakterzeichnung. Dazu ist die Handlung so dünn, dass sie kaum der Rede wert ist. Der Charme und die Magie der Vorgänger-Filme sind dabei vollkommen verlorengegangen. Das zeigt sich vor allem im Detail: Warum etwa die Bösewichte auf einmal mit einem lächerlichen französischen Akzent sprechen müssen, weiß wohl nur George Lucas. Anstatt auf starke Figuren wie den zwielichtigen Bösewicht Darth Maul (Ray Park) zu setzen, der hier unterbeschäftigt und letztlich verschenkt ist, rückt Lucas den Weltraum-Clown Jar Jar Binks zumindest in der ersten halben Stunde in den Mittelpunkt. Allzu schnell beginnt dieses froschähnliche Wesen unglaublich zu nerven, was Jar Jar schließlich auch zu so etwas wie einer Legende machte – jedoch im negativen Sinne. An dieser Figur entzündet sich seit Erscheinen des Films gern der Hohn und Spott, mit dem Lucas in schöner Regelmäßigkeit bedacht wird. Auch die Stars Liam Neeson, Ewan McGregor und Natalie Portman sind nicht in der Lage, ihren Figuren die ikonenhafte Dimension eines Han Solo, Luke Skywalker oder Darth Vader zu verleihen. Und es ist wahrlich kein Wunder, dass die Karriere des damals zehnjährigen Hauptdarstellers Jake Lloyd nach einem weiteren Film („Madison", 2001) jäh beendet war. „Blechbüchse" R2D2 versprüht bei seinen Auftritten in „Episode 1" mehr Charme, als all seine humanoiden Mitstreiter zusammen.

Die erzählerischen Defizite lassen sich mit einer technischen Überarbeitung natürlich kaum beheben und so fügt die 3D-Fassung dem Erlebnis „Star Wars" keine wirklich neuen Facetten hinzu. Sicherlich sind vor allem einige der ausladenden Landschaftspanoramen nun noch eindrucksvoller und plastischer, aber insgesamt ist die Version redundant. Im Vorfeld kochten die Gemüter an der Fanbasis fast über, Gerüchte machten die Runde, Lucas könne sich mit einem Paukenschlag auf ewig rehabilitieren und Jar Jar Binks komplett aus dem Film schneiden, doch das ist nicht der Fall. In der 3D-Version hat Lucas keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vorgenommen. Letztlich witterte der Filmemacher ein weiteres gutes Geschäft – schließlich gibt es immer junge Zuschauer, die das „Star Wars"-Universum neu für sich entdecken sollen. Die älteren Fans dürfen sich zumindest freuen auch die anderen Teile der Saga in Zukunft wieder einmal im Kino sehen zu können.

Fazit: „Du‘se stecken in großes Kacka!" (Gungan-O-Ton). Das Filmzitat verdeutlicht das Malheur von George Lucas‘ Sci-Fiction-Actioner „Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung" präzise. Mit seiner Wiederbelebung der Saga stieß der Filmemacher seinen Fans mit seinem Kleinkinderhumor so heftig vor den Kopf, dass es schmerzte. Diesen Schaden können auch phantastische Raumpanoramen und ein ansehnliches 3D nicht nachträglich reparieren. „Episode 1" bleibt der Schwachpunkt der beiden „Star Wars"-Trilogien.
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