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    Malavita - The Family
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Malavita - The Family
    Von Christoph Petersen

    Mit „Malavita – The Family“ hat Meisterregisseur Martin Scorsese eine Mafiafilm-Groteske mit Robert De Niro produziert, die von „Leon – Der Profi“-Mastermind Luc Besson geschrieben und inszeniert wurde. Was kann bei diesem Trio noch schiefgehen? Leider eine ganze Menge! Besson mag sich einfach nicht entscheiden, ob seine „GoodFellas“-Hommage nun eher Drama oder Komödie sein soll. Ohne klare Schlagrichtung gibt es aber kaum einmal zwei Szenen, die in Erzählton und Stimmung aufeinander aufbauen, vielmehr wechselt Besson immer wieder unvermittelt das Register. Von geerdet emotional bis übertrieben absurd, von zynisch brutal bis absolut harmlos, von pastellfarbenem Zeitkolorit bis hin zu modernem Metakino: Obwohl die Trailer noch eine geradlinig-schwarzhumorige Hollywood-Komödie in der Tradition von „Reine Nervensache“ versprachen, entpuppt sich „Malavita“ vielmehr als eine der verwirrendsten Kinoerfahrungen des Jahres. Die prominente Besetzung  legt zwar eine beeindruckende Spiellaune an den Tag, aber am Ende weiß der Zuschauer einfach nicht, ob er der titelgebenden Mafia-Familie nun die Daumen drücken oder ihr den Tod wünschen soll. Das könnte man blauäugig als angestrebte Ambivalenz auslegen, aber letztlich ist die unnötig ausgefranste Story des Films einfach nur unbeholfen und inkonsequent erzählt.

    Seitdem der Pate Giovanni Manzoni (Robert De Niro) entschieden hat, umfassend über die New Yorker Mafia auszupacken, steckt er unter dem Namen Frank Blake mit seiner Frau Maggie (Michelle Pfeiffer), seiner Tochter Belle (Dianna Agron) und seinem Sohn Warren (John D’Leo) in einem Zeugenschutzprogramm in der französischen Provinz fest. Trotz der pittoresken Umgebung fällt dem Familienclan das Einleben unheimlich schwer: Sobald ein französischer Supermarktbesitzer auch nur ein schlechtes Wort über italienisches Essen verliert, sollte er möglichst schnell das Weite suchen, denn Maggie ist stolz auf die Küche ihrer Heimat und sprengt so einen Laden auch einfach mal in die Luft. Bei der aufbrausenden Belle muss man(n) ebenfalls vorsichtig sein. Wer sie doof anmacht, dessen Visage wird ohne Vorwarnung mit einem Tennisschläger (oder was sonst gerade da ist) poliert. Und von Frank fängt man lieber gar nicht erst an. Als er herausfinden will, warum braunes Wasser aus seinem Hahn kommt, ist im ganzen Dorf niemand mehr sicher vor dem vielleicht doch noch nicht so ganz geläuterten (Ex-)Mafioso…

    Wenn Mama Maggie kurzerhand den Supermarkt in die Luft jagt oder einen Priester mit ihrer umfassenden Beichte an den Rand des Wahnsinns treibt, dann ist das tatsächlich lustig. Diese Szenen präsentiert uns Besson auch mit einem fröhlichen Augenzwinkern, das der Absurdität der Situationen angemessen ist. Aber spätestens wenn Töchterchen Belle einem pickelgeplagten französischen Teenager die Visage zu Brei kloppt (und eine weniger martialische Beschreibung würde der Szene tatsächlich nicht gerecht), bleibt dem Zuschauer zum ersten (und lange nicht zum letzten) Mal das Lachen im Halse stecken. Meist verhalten sich die Blakes nicht wie die Protagonisten einer Komödie, sondern als würden sie direkt aus einem Scorsese-Klassiker wie „Casino“ stammen. Wenn DeNiro als Frank einen Klempner foltert oder einen Chemiewerk-Manager an seinem Auto hinter sich herschleift, dann hat das nichts mit seinem sympathischen Mafioso Paul Vitti aus „Reine Nervensache“ gemein, sondern ruft vielmehr Erinnerungen an den gewaltbereiten Jimmy Conway wach, den er in „GoodFellas“ verkörperte.

    Es ist durchaus begrüßenswert, dass der französische Starproduzent und –regisseur Luc Besson mit „Malavita“ nicht einfach eine x-beliebige weitere Hollywood-Komödie abliefert, sondern sich auch traut, dunklere Töne anzuschlagen. Aber die brutal herausgekehrten Gewaltexzesse passen abgesehen von ihrer ohnehin fraglichen Humortauglichkeit einfach nicht zum Rest des Films, der eben doch meist ziemlich altbacken und dazu noch verdammt harmlos daherkommt. Diese Uneinheitlichkeit ist vor allem auch deshalb besonders bedauerlich, weil mit Robert De Niro (2013 oscarnominiert für „Silver Linings“) und Tommy Lee Jones (2013 oscarnomoniert für „Lincoln“) zwei Leinwand-Urgesteine mit sichtlicher Spiellaune auftrumpfen, die sich in den vergangenen Jahren auch gerne mal damit begnügt haben, ihre Rollen (von „Der Herr des Hauses“ bis „The Big Wedding“) einfach nur lieblos herunterzureißen.  

    Fazit: Man weiß bei „Malavita – The Family“ im wahrsten Sinne des Wortes nicht, ob man nun lachen oder weinen soll. Regisseur Luc Besson punktet zwar mit einigen dunkelschwarzen Pointen, aber am Ende erweist sich seine streckenweise superbrutale Mafiafilm-Hommage trotzdem als völlig unausgegoren.

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