Auf dem Weg zur Schule
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Auf dem Weg zur Schule

2,5


Von Gregor Torinus

Welches Kind geht schon gerne zur Schule? In Zeiten von zunehmenden Druck und PISA-Studien ist es um das Klima an Schulen nicht zum Besten bestellt. Zu welchen Auswüchsen der Einzug des globalen Wettbewerbs in die Klassenzimmer der Industrienationen mittlerweile führt, zeigt Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm „Alphabet“. Den Gegenentwurf versucht der französische Regisseur Pascal Plisson in seinem Dokumentarfilm „Auf dem Weg zur Schule“ aufzuzeigen: Er porträtiert vier Kinder aus abgelegenen Regionen mit einer ungemein schlechten Infrastruktur. Täglich bis zu 20 Kilometer müssen die Protagonisten zurücklegen, um zum Unterricht zu gelangen. Doch auch wenn sie aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt stammen, verbindet sie mehr als ihr langer Weg: Alle gezeigten Kinder gehören zu den Klassenbesten und drei von ihnen wollen später einmal Arzt werden. Allerdings überzeugt Plissons Dokumentation nur, wenn der Regisseur die Bilder sprechen lässt.

Der elfjährige Kenianer Jackson läuft jeden Tag zusammen mit seiner Schwester 15 Kilometer durch die Savanne zur Schule, ein Weg, der nicht nur voller Gefahren ist, sondern auch gut zwei Stunden dauert. In seiner Klasse ist Jackson der Beste und träumt davon, später einmal Pilot zu werden. Die zwölfjährige Zahira lebt mit ihrer Familie im Atlasgebirge in Marokko, wohnt während der Woche jedoch in einem Internat. Jeden Montag legt sie die 22 Kilometer dorthin zu Fuß zurück. Sie ist eine sehr gute Schülerin und will später einmal Ärztin werden, ebenso wie der elfjährige Carlito, der mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof in Patagonien in Argentinien lebt. Die 18 Kilometer bis zum Unterricht legt er zusammen mit seiner kleinen Schwester auf dem Rücken seines Pferdes zurück. Und schließlich gibt es noch den 13jährigen Samuel, der aufgrund einer Kinderlähmung im Rollstuhl sitzt und in einer Hütte am Golf von Bengalen lebt. Seine Familie ist so arm, dass sein Rollstuhl nur aus Schrottteilen zusammengebaut und bereits völlig verrostet ist. Jeden Morgen schieben ihn seine zwei jüngeren Brüder die vier Kilometer bis zur Schule, damit wenigstens er eine gute Ausbildung erhält und vielleicht die Chance hat, sich seinen Traum vom Medizinstudium zu erfüllen.

„Auf dem Weg zur Schule“ beginnt mit einer längeren wortlosen Szene: Jackson schiebt mit seinen bloßen Händen den staubtrockenen Savannenboden so lange zur Seite, bis in der Tiefe des Lochs langsam Wasser erscheint. Das noch leicht sandige Wasser füllt er in einen Plastikbehälter, in dem er seine Schuluniform zum Waschen einweicht. Als endlich ganz klares Wasser kommt, füllt er es in eine andere Plastikflasche zum Trinken. Später erfahren wir, dass er täglich mehrere Liter Wasser die 15 Kilometer zur Schule mitschleppt, da es dort nichts zu trinken und häufiger auch nichts zu essen gibt. Solche eindrücklichen Momente, in denen die Bilder für sich sprechen, sind die stärksten Momente der Dokumentation. Verstärkt wird dies durch die starken Landschaftsaufnahmen, die illustrieren, wie weit und leer die Gegenden sind, die die Kinder auf ihrem Weg durchschreiten.

Das Problem ist allerdings, dass in „Auf dem Weg zur Schule“ vier, sich viel zu ähnelnde Geschichten erzählt werden. Im deutschen Presseheft schildert der Regisseur seine große Mühe, genügend geeignete Kinder zu finden. Sie sollten nicht nur alle aus abgelegenen Gegenden stammen und einen langen Weg zur Schule haben, wichtig war Plisson auch die „richtige“ Einstellung seiner Protagonisten. Schließlich gibt es in diesen armen Gegenden viele hungernde Kinder, die alleine die Aussicht auf eine Mahlzeit zum Unterricht treibt. Doch die eignen sich nicht für die Heldengeschichte, die Plisson offensichtlich vorschwebte. Deshalb sind im fertigen Film ausnahmslos Musterschüler zu sehen, die auf Grund ihrer ausgezeichneten Noten hoffen, später einmal Medizin studieren zu können oder Pilot zu werden. Das „Auf dem Weg zur Schule“ zeitweise wie ein rührseliger Hollywoodfilm wirkt, wird in der deutschen Fassung durch die Synchronisation aller portraitierten Personen verstärkt. Während die vier Kinder dabei makellos Deutsch reden, ist das ihrer (ungebildeten) Eltern gebrochen. Der dadurch entstehende Eindruck der Überinszenierung und –Dramatisierung wird durch die unangenehm schwülstige Musik noch weiter gefestigt.

Fazit: Mit seinem Dokumentarfilm „Auf dem Weg zur Schule“ liefert Pascal Plisson einen interessanten Blick auf das Außergewöhnliche in anderen Winkeln der Welt bei etwas für uns ganz Alltäglichem wie dem Schulweg. Trotz starker Bilder ähneln sich seine vier Geschichten dabei aber zu sehr und das Geschehen ist zudem überdramatisiert, was in der deutschen Fassung noch verstärkt wurde.

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