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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Top Gun
Von Matthias Ball
Fünf Jahre vor dem Untergang der Sowjetunion und dem damit verbundenen Ende der bipolaren Weltordnung des Ost-West-Konflikts, startete in den Kinos mit „Top Gun“ einer der bis heute finanziell erfolgreichsten Militär-Filme. Produziert von Jerry Bruckheimer und Don Simpson zählt die Fliegerschmonzette dank triefender Klischees und einer Kerosin versprühenden Atmosphäre zu den Kultfilmen des 80er-Jahre-Action-Kinos. Gleichzeitig ist „Top Gun“ mit seinen grandios choreographierten Flugszenen ein noch immer gültiger filmischer Beweis, dass der Actionfilm aus dem Hause Hollywood auch ohne ein Gros an Explosionen und Kugelhagel funktionieren kann.

Die beiden Kampfpiloten der US-Navy „Maverick“ (Tom Cruise) und „Goose“ (Anthony Edwards) leben für den Kick und das Adrenalin. Als einer ihrer Kollegen in der Luft plötzlich die Nerven verliert, ergreifen sie ihre Chance, an einem fünfwöchigen Lehrgang der renommierten Eliteschule „Top Gun“ teilzunehmen. Kaum angekommen, gerät Maverick an „Iceman“ (Val Kilmer), seinen härtesten Konkurrenten im Kampf um die begehrte Top-Gun-Trophäe. Fortan liefern sich die beiden ein kompromissloses Machtduell um den Platz an der Spitze. Privat orientiert sich Maverick dagegen an seiner Vorgesetzten, der Astrophysikerin „Charlie“ (Kelly McGillis). Als sein Co-Pilot Goose bei einem Manöver tödlich verunglückt, beginnt auch er langsam die Schattenseiten und das Risiko seines Berufes zu begreifen. Zusätzliche Zweifel wirft der mysteriöse Tod seines Vaters auf, der damals in Vietnam abgeschossen wurde und für Maverick seit seiner Kindheit ein großes Vorbild ist. Dabei stellt er nicht nur seine zukünftige Karriere in Frage, auch sein privates Leben gerät immer mehr aus den Fugen…

Das amerikanische Actionkino der 80er Jahre stand ganz im Zeichen der physischen Präsenz von Leinwand-Heroen eines Arnold Schwarzenegger (Predator), Sylvester Stallone (Rambo) und Dolph Lundgren („Red Scorpion“). Ein sehr beliebtes und oft wiederkehrendes Motiv waren die militärischen Leistungen, denen man gar nicht oft genug Respekt zollen konnte. Solange es kräftig ballerte und das Box Office stimmte, war die cineastische Welt in Ordnung. Tony Scott ist mit „Top Gun“ hingegen einen anderen Weg gegangen, indem er Actionfilm und Lovestory miteinander verknüpft hat. Die große Liebe der Kamera und des Drehbuchs gehört zwar noch immer der geballten Ausdrucksstärke der F14-Kampfjets, doch bleiben diese den überwiegenden Teil der Spielzeit vergleichbar zahm und feuern – wenn überhaupt – virtuelle Raketen ab. Schließlich geht es hier weniger um die Abschreckung der sowjetischen Bedrohung, sondern vielmehr um die ungebrochene Faszination der amerikanischen Navy und das heimliche Versprechen, ein hohes Maß an Abenteuer, Ansehen und Erfüllung bieten zu können.

Bereits eine der ersten Szenen legt in eindrucksvoller Weise das eigenlogische Prinzip offen, nachdem „Top Gun“ funktioniert. Während eines routinemäßigen Einsatzes treffen Maverick und Goose auf eine russische MiG-28, fliegen in umgedrehter Flugposition über dieser, um aus zwei Metern Entfernung ein Polaroidfoto zu schießen. Maverick durchbricht mit dieser Aktion nicht nur das streng hierarchische System des Militärs, indem er Vorschriften missachtet, er riskiert gleichzeitig die Sicherheit seines Wingman „Cougar“ (John Stockwell). Für ihn ist das Ganze nichts weiter als ein Spiel, ein überdimensioniertes Abenteuer, durch das er sich den Respekt seiner Vorgesetzten und Kollegen erhofft. Der Kontakt in der Luft zu seinem anonymisierten Gegenüber wird dabei zu einem in schwarz und weiß gemalten Machtduell stilisiert, das die Sympathiewerte gezielt auf Maverick und Goose verteilt. Doch eben genau diese Fiktionalisierung des Krieges treibt „Top Gun“ permanent an. Es ist die Mischung aus Faszination, Selbstbestätigung und dem immer währenden Schritt über dem Abgrund, die den Film zu einem einzigen Kräftemessen werden lässt. So wie die Begegnung zu Anfang, ist auch der Rest des Films im Prinzip nichts weiter als eine Show voller Effekte mit der Dramaturgie eines Triebwerkstrahls, das sich durch Rückstoßdruck nach vorne bewegt.

Sowohl Tom Cruise als auch Val Kilmer konnten den immensen Erfolg, den „Top Gun“ am Box Office erzielte, für einen kräftigen Schub der eigenen Karriere nutzen. Aus dem Budget von 15 Millionen Dollar wurden am Ende weltweit über 350 Millionen Dollar zurück in die Kasse gespült. Verspiegelte Fliegerbrillen wurden alltagstauglich, das Bild des impulsiven Machogehabes kult. Obwohl sich die öffentliche Anerkennung für Cruises schauspielerische Leistung eher in Grenzen hielt und vor allem der Stempelabdruck eines Medienphänomens auf seiner Stirn haften blieb, begann sich das Image noch im selben Jahr durch Martin Scorseses „Die Farbe des Geldes“ zu wandeln. Cruise konnte in der Folge auch in anspruchsvolleren Rollen wie (Rain Main) und (Die Firma) glänzen. Auch Val Kilmer kletterte durch „Top Gun“ die Karriereleiter aufwärts und feierte schließlich in Oliver Stones Filmbiographie The Doors seinen Durchbruch. Auch wenn die mit Stereotypen aufgeladene Rolle des arroganten und aalglatten „Iceman“ Kilmer kaum schauspielerisches Können abverlangte, blieb neben ein paar kernigen Sprüchen („The plaque for the alternates is down in the ladies room“) wenigstens die Möglichkeit, beim Beachvolleyball in der Sonne zu posieren und die Fönfrisur in Stellung zu halten.

Spätestens mit dem eingebauten Beziehungs-Subplot zwischen Maverick und seiner Ausbilderin Charlie wird unverkennbar, in welche Teile der Produktion Scotts Ehrgeiz und große Teile des Geldes geflossen sind. Von Beginn an ist die Affäre zwischen der lebenserfahrenen Akademikerin und dem schwerstpubertierenden Mittzwanziger ein offensichtliches Konstrukt, um dem Abdriften vom Mainstream entgegen zu steuern. Auch das als Aufhänger fungierende Polaroidfoto der MiG ringt dem Ganzen wenig an Glaubwürdigkeit ab. Erst als Goose während eines Trainingsfluges tödlich ums Leben kommt und in den Armen von Maverick stirbt, beginnt seine innere Wandlung, die natürlich ebenso wenig ohne die üblichen Klischees und Handlungsabläufe auskommt. Schließlich ist es die Auflösung seines Vaterkomplexes, an der sich Maverick aus seinem emotionalen Tief herauszieht und zu erkennen beginnt, dass das Leben aus weit mehr als einer glänzenden Vitrine voller Siegerpokale besteht.

Obwohl die Sowjetunion im Film tatsächlich nie direkt erwähnt wird, ist natürlich von Beginn an ersichtlich, wen die anonymisierte Gefahr hinter den schwarz getönten Visieren darstellen soll. Insofern ist das hier angewandte methodische Prinzip der fest definierten Feindbilder emblematisch für die gesamte Ästhetik des Films, die auf den Rausch der Geschwindigkeit und der ungebrochenen Faszination des Militärs fußt. Dass die Einsätze der Piloten als bloße „Instrumente der Politik“ verteidigt werden, um das militärische Handeln von seinem politischen Hintergrund zu lösen, komplettiert zwar schließlich das völlig unkritisch verherrlichende Bild, tut der Unterhaltung letztendlich aber keinen Abbruch. Denn gerade wenn man sich all dessen bewusst ist, kann man sich entspannt zurücklehnen und „Top Gun“ als das betrachten, wofür er in erster Linie produziert wurde: kurzweiliges und konventionelles Popcornkino mit herausragender Besetzung und jeder Menge Dezibel.
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